"Engere Form der Zollunion" Gabriel sieht Brexit als Vorbild für Türkei-Beziehungen

Sigmar Gabriel schließt eine EU-Mitgliedschaft von der Türkei und der Ukraine weiterhin aus. Dennoch will er die Zusammenarbeit verbessern - und den Brexit als Modell nehmen.

Sigmar Gabriel
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Außenminister Sigmar Gabriel hat für eine neue Form der Zusammenarbeit mit der Türkei und der Ukraine plädiert. "Wenn wir ein kluges Abkommen mit Großbritannien hinbekommen, das die Beziehungen zu Europa nach dem Brexit regelt, könnte das ein Modell für andere Länder sein: die Ukraine und auch die Türkei", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Eine Möglichkeit wäre, mit Ankara eine neue, engere Form der Zollunion anzustreben. Das geht aber nicht, solange sich die Lage in der Türkei nicht wieder ändert."

Gabriel sagte, er könne sich für die nächsten Jahre weder die Türkei noch die Ukraine als Mitglieder der Europäischen Union vorstellen. "Daher müssen wir über alternative Formen einer engeren Zusammenarbeit nachdenken."

In der Türkei gebe es den Willen, zu einem besseren Verhältnis mit Europa. "Und den gibt es auch bei uns", sagte der Außenminister. Es sei ein gutes Zeichen, dass zuletzt mehrere in der Türkei inhaftierte Deutsche freigekommen seien. Allerdings bleibe die große Sorge um den "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel. "Die Türken wissen, wie wichtig sein Schicksal für uns ist."

Kurz vor Weihnachten war der Deutsche David Britsch nach fast neun Monaten in türkischer Haft überraschend freigelassen worden und zu seiner Familie in Schwerin zurückgekehrt. Wenige Tage zuvor wurde bereits die deutsche Journalistin Mesale Tolu nach siebenmonatiger Untersuchungshaft in der Türkei auf freien Fuß gesetzt. Ihr wird Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vorgeworfen. Sie darf das Land aber weiter nicht verlassen.

kry/Dpa



insgesamt 11 Beiträge
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deichdepp 27.12.2017
1. Ups...
... so hatten sich die Briten mit dem bald wieder navyblauen Pass die Sache ganz sicher nicht vorgestellt. Auf eine Stufe mit der Türkei und der Ukraine gestellt...
skeptiker97 27.12.2017
2. Bettelei
Diese Bettelei um die Gunst der Türkei ist der gegenwärtigen Situation in keiner Weise angemessen und bestärkt Erfogan nur in seinem Kurs. Solange sich da nichts ändert, ist klare Kante angesagt, ohne wenn und aber.
diorder 27.12.2017
3. EU light - Ohne Freizügigkeit
Dass ein SPD -Mensch so etwas für GB und die Türkei vorschlägt, untergräbt die Grundlagen der EU: Die Freizügigkeit für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. EU light also. Nur die Wirtschaft im Kopf - unglaublich. Das könnte auch von der CDU oder der FDP stammen. Also so machts sich die SPD wie in anderen Staaten der EU überflüssig.
Idinger 27.12.2017
4. Wieder einmal
hat der neue Vordenker und Kanzlerkandidat (in spe) der SPD zugeschlagen. Wann hört das endlich auf ? Ich sehne mich jetzt schon nach den klaren und einprägsamen Äußerungen des so schweigsam gewordenen (derzeitigen) Kandidaten Schulz.
euristoteles 27.12.2017
5. Gabriel
….. hat als Umweltminister nicht mal ein einheitlichen Flaschenpfand auf die Reihe bekommen, als Wirtschaftsminister nix wirklich zu Stande gebracht, z.B. weitere Subventionierung der Braunkohle und Laufzeitverlängerungen, SPD-Versprechen Reduzierung der Waffenexporte nicht gehalten, etc. Dazu die SPD seit 2009 als Vorsitzender in Keller gefahren….Dann taktiert und Schulz geholt, der den ganzen Dreck wieder aus dem Keller holen soll…dabei gemütlich im Hinterzimmer Außenminister geworden und jetzt zum eigenen Vorteil ständig der neuen SPD Führung in den Rücken fallen!! Wer will denn diesen Mann noch in der Politik?? Nur er selbst. Solange solche Menschen für die SPD in der Öffentlichkeit stehen geht es nur Bergab….und sie machen das Land zum eigenen Vorteil kaputt.
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