Berlusconi-Comeback: Partei uneins über Kandidatur ihres Vorsitzenden

Die mögliche Rückkehr von Silvio Berlusconi spaltet selbst seine eigene Partei. Mehrere Kader haben sich nun gegen den "Cavalliere" - und für den amtierenden Ministerpräsidenten Mario Monti ausgesprochen.

Berlusconi (Archiv): Teile seiner Partei sehen ein Comeback kritisch Zur Großansicht
dapd

Berlusconi (Archiv): Teile seiner Partei sehen ein Comeback kritisch

Rom - Die Partei von Silvio Berlusconi ist hinsichtlich einer erneuten Kandidatur des mehrmaligen italienischen Regierungschefs tief gespalten. Bei einem Kongress der Partei Volk der Freiheit (PDL) in Rom traten am Sonntag mehrere Parteiführer dafür ein, eine Kandidatur des parteilosen amtierenden Ministerpräsidenten Mario Monti zu unterstützen. Auch PDL-Generalsekretär Angelino Alfano sprach sich für Monti aus.

Die Wahl des Ministerpräsidenten als gemeinsamen Mitte-Rechts-Kandidaten könnte verhindern, dass die Macht an die Linke falle, sagte Alfano. Es handele sich um eine "Gelegenheit, die sich nicht wiederholt". Der frühere italienische Außenminister Franco Frattini sagte, Monti und seine Agenda stünden für die Idee des Allgemeinwohls. Das müsse fortgesetzt werden, "nicht weil andere europäische Länder das wollen, sondern weil Italien es braucht".

Berlusconi selbst bot in einem Schreiben an die Tagungsteilnehmer erneut an, die Kandidatur an Monti abzutreten. Der frühere EU-Kommissar "teilt meine, eure und unsere Ideale", schrieb Berlusconi.

Zuvor war eine PDL-Urwahl abgesagt worden, nachdem Berlusconi vor einer Woche überraschend seine erneute Kandidatur ankündigte. Seine Partei liegt in Umfragen derzeit bei 15 bis maximal 20 Prozent. Berlusconi deutete in der vergangenen Woche jedoch an, auf die angekündigte Kandidatur doch noch zu verzichten. Eine Unterstützung Montis bei den Wahlen wäre insofern überraschend, als die PDL ihm jüngst im Parlament die Unterstützung entzogen und damit erst die Neuwahlen nötig gemacht hatte.

Monti, der im November 2011 Berlusconi als Regierungschef abgelöst hatte, äußerte sich noch nicht, ob er zu den für Februar erwarteten Wahlen antreten wird. Am Sonntag traf er sich mit Präsident Giorgio Napolitano zu Gesprächen hinter verschlossenen Türen. Napolitano wollte am Montag eine Ansprache zur politischen Lage des Landes halten. Es wird außerdem damit gerechnet, dass Monti Ende kommender Woche eine Bilanzpressekonferenz abhält.

Monti wird im Ausland dafür gelobt, nach der Regierungszeit Berlusconis die Wirtschaft stabilisiert und das Vertrauen in die Regierung wiederhergestellt zu haben. In Italien ist er jedoch wegen seiner strengen Sparpolitik eher unbeliebt.

lei/AFP

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Wow... die lernen auch nie dazu...
supernovaiswatching 17.12.2012
Wenn es tatsächlich soweit kommen sollte, dass die Italiener den Typen je wieder zu einer Wahl aufstellen, und das Aufstellen allein reicht m.E. schon aus, dann sollten den Italienern alle EU-Hilfen zur Krisenbewältigung RESTLOS gestrichen werden. Wenn ein Volk nach alledem den Typen ernsthaft als politischen Lenker in Betracht ziehen sollte, dann haben die Null gelernt und verdienen es nicht besser. Ich will mit meinen Steuergeldern via EU-Haushalt nicht mittelbar weitere Bunga-Bunga-Parties mitfinanzieren. Der Ball ist bei den Italienern - mal sehen, was die damit machen.
2.
Terrax 17.12.2012
Zitat von supernovaiswatchingWenn es tatsächlich soweit kommen sollte, dass die Italiener den Typen je wieder zu einer Wahl aufstellen, und das Aufstellen allein reicht m.E. schon aus, dann sollten den Italienern alle EU-Hilfen zur Krisenbewältigung RESTLOS gestrichen werden.
Eine Partei die bei ungefähr 15-20% liegt, stellt einen polarisierenden Kandidaten auf, und das ganze Land soll bestraft werden? Sie merken schon, dass das keinen Sinn macht, oder?
3.
querulant_99 17.12.2012
Zitat von supernovaiswatchingWenn es tatsächlich soweit kommen sollte, dass die Italiener den Typen je wieder zu einer Wahl aufstellen, und das Aufstellen allein reicht m.E. schon aus, dann sollten den Italienern alle EU-Hilfen zur Krisenbewältigung RESTLOS gestrichen werden.
Ja, und dann droht Berlusconi mit dem Austritt aus der EU. In einem solche Fall würde in Brüssel die nackte Panik ausbrechen. Also, vergessen Sie's.
4. sie wären selbst schuld
irgendwer_bln 17.12.2012
Zitat von sysopDie mögliche Rückkehr von Silvio Berlusconi spaltet selbst seine eigene Partei. Mehrere Kader haben sich nun gegen den "Cavalliere" - und für den amtierenden Ministerpräsidenten Mario Monti ausgesprochen.
Die Schlagzeilen sprachen - als Hr. B. noch in Amt und Wür... im Amt war - eine deutliche Sprache. Wenn die Italiener wieder diesen Aufschneider zum demokratisch gewählten Oberhaupt ihres Landes machen, müssen sie sich auch die Frage gefallen lassen, wieso sie das getan haben. Denn so wie ich Berlusconi einschätze, wird er nicht mit Pauschallösungen oder Top-Krisenmanagement auffallen...
5. Jetzt werben - im SpiegelOnline Forum
SirTurbo 17.12.2012
Zitat von sysopSilvio Berlusconi: Partei uneins über Kandidatur ihres Vorsitzenden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/silvio-berlusconi-partei-uneins-ueber-kandidatur-ihres-vorsitzenden-a-873258.html)
Montis Allgemeinwohl - das der Bankster? Oder was ist gemeint? Die in der Partei die NICHT korrupt und/oder dämlich sind dürften wohl weder für Monti noch für BungaBunga sein... Wenn man aber nur die Wahl zwischen Pest und Cholera hat scheint mir Berlusconi weniger bedrohlich als Monti - B. will sich nur selber bedienen, Monti das ganze Land für seine Freunde komplett ausplündern.
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Steckbrief Italien
REUTERS
Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Das Land hat im Gegensatz zu Griechenland zwar eine recht solide Wirtschaft, leidet aber ebenfalls unter einer gigantischen Staatsverschuldung. Die wichtigsten Daten im Überblick:
Wirtschaftsleistung 2011
1589 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2589 Milliarden Euro

Griechenland: 222 Milliarden Euro
Wirtschaftswachstum 2011
+0,7 Prozent, zum Vergleich:

Deutschland: 2,9 Prozent

Euro-Zone: 1,6 Prozent
Wirtschaftswachstum 2012
+0,6 Prozent
Staatsverschuldung
1911 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2133 Milliarden Euro

Griechenland: 351 Milliarden Euro
Staatsverschuldung in Prozent des BIP
120 Prozent. Das ist doppelt so viel wie nach dem europäischen Stabilitätspakt eigentlich erlaubt.
Neuverschuldung 2011
4,0 Prozent. Laut Stabilitätspakt dürften es nur 3,0 Prozent sein.
Arbeitslosenquote
8,3 Prozent. In der Euro-Zone sind es 10,0 Prozent.

Quelle: EU-Kommission

Fläche: 301.336 km²

Bevölkerung: 59,571 Mio.

Hauptstadt: Rom

Staatsoberhaupt:
Giorgio Napolitano

Regierungschef: Matteo Renzi

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