Erste Wahl nach Ex-Diktator Mugabe Ausschreitungen bei Protesten in Simbabwe

Nach den Wahlen in Simbabwe ist die Stimmung im Land angespannt. Bei einer Demonstration ist es zu Ausschreitungen gekommen. Die Armee soll offenbar mit scharfer Munition auf Protestierende schießen.

Chamisa-Anhänger demonstrieren gegen das Wahlergebnis
REUTERS

Chamisa-Anhänger demonstrieren gegen das Wahlergebnis


In Simbabwe war am Montag zum ersten Mal seit der Entmachtung des langjährigen Herrschers Robert Mugabe durch das Militär gewählt worden - doch das Land kommt damit nicht zur Ruhe. Im Gegenteil: Am Mittwoch soll es bei Protesten zu blutigen Zwischenfällen gekommen sein, berichtet etwa der britische "Guardian". Laut der Nachrichtenagentur AFP sollen drei Menschen getötet worden sein. Die dpa berichtet von mindestens zwei Toten.

Zusammenstößen mit Sicherheitskräften seien mindestens vier weitere Menschen in der Hauptstadt Harare angeschossen worden, sagte der führende Oppositionspolitiker Tendai Biti. Die Bereitschaftspolizei setzte Wasserwerfer, Gummigeschosse und Tränengas ein. Es waren auch Schüsse zu hören. Panzer, Truppenfahrzeuge des Militärs und Soldaten waren ebenso im Einsatz.

Präsident Emmerson Mnangagwa machte die Oppositionspartei MDC für die Eskalation der Gewalt verantwortlich. Die MDC und "ihre gesamte Führung" sei "verantwortlich für diese Störung des nationalen Friedens, mit welcher der Wahlprozess gestört werden sollte", hieß es in einer Erklärung des Präsidenten am Abend.

Wahlergebnisse werden erst Donnerstag veröffentlicht

Bei der Präsidentenwahl waren der 75-jährige Amtsinhaber Mnangagwa - ein früherer Vertrauter Mugabes - und der 40-jährige Anwalt und Pastor Chamisa gegeneinander angetreten. Die Ergebnisse sollen nach Angaben der Wahlkommission ab Donnerstag bekannt gegeben werden. Umfragen zufolge konnte sich die Regierungspartei von Mnangagwa die Zweidrittelmehrheit im Parlament sichern. Damit kann die Zanu-PF nach Belieben die Verfassung des Landes verändern.

Chamisa warf der Regierungspartei Wahlbetrug vor. Anhänger seiner MDC blockierten einige Straßen in der Hauptstadt Harare und setzten Autoreifen in Brand. Die Polizei feuerte mit Tränengas und Wasserwerfern auf Steine werfende Demonstranten.

Auch EU-Beobachter rügten Probleme bei der Wahl. So seien die Medien parteiisch gewesen, Wähler eingeschüchtert worden, und es gebe Zweifel an der Wahlkommission. Der deutsche Chef der EU-Beobachter, Elmar Brok, sagte, er wisse noch nicht, ob die Mängel das Wahlresultat verfälscht hätten. Brok warf der Wahlkommission Voreingenommenheit vor. Außerdem sei unverständlich, weshalb die Veröffentlichung der Ergebnisse der gleichzeitigen Präsidentenwahl so lange dauere.

vks/AFP/dpa

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