Simbabwe Militär übernimmt Macht - dementiert Putsch gegen Mugabe

In Simbabwe eskaliert der Machtkampf zwischen Militär und Regierung: Die Armee geht eigenen Angaben zufolge gegen Kriminelle im Umfeld von Präsident Mugabe vor. Die USA schließen ihre Botschaft im Land, auch Großbritannien ist besorgt.


In Simbabwe wächst die Sorge vor einem möglichen Militärputsch. Augenzeugen in der Hauptstadt Harare berichteten, dass ungewöhnlich viele Soldaten und gepanzerte Militärfahrzeuge in den Straßen unterwegs seien. Medien aus Frankreich und den USA berichten zudem von mindestens drei Explosionen in der Stadt. Und laut der Nachrichtenagentur AFP sollen vor dem Wohnsitz von Präsident Robert Mugabe zahlreiche Schüsse gefallen sein.

"Es handelt sich nicht um einen Militärputsch gegen die Regierung", sagte Generalmajor Sibusiso Moyo in der Nacht zum Mittwoch in einer Ansprache im staatlichen Fernsehen ZBC. Mugabe und seine Familie seien in Sicherheit. Man nehme "Kriminelle in seiner Umgebung" ins Visier, "die Verbrechen begehen und dem Land sozialen und wirtschaftlichen Schaden zufügen".

Moyo forderte alle Sicherheitskräfte auf, mit dem Militär zu kooperieren. Auf Provokationen würde angemessen reagiert werden, warnte er. Alle Soldaten sollten sich umgehend zum Dienst zurückmelden. "Sobald wir unsere Mission erfüllt haben, erwarten wir eine Rückkehr zur Normalität."

Ansprache von General Moyo (r.) im Staatsfernsehen
ZBC/REUTERS

Ansprache von General Moyo (r.) im Staatsfernsehen

Die Lage war am Mittwochmorgen noch unübersichtlich. So ist beispielsweise unklar, ob Mugabe oder einzelne Minister vom Militär in Gewahrsam genommen wurden. Mugabe selbst hat sich bislang nicht öffentlich geäußert.

Die Hintergründe der Krise

Am Vortag hatte Militärchef General Constantino Chiwenga der Regierung von Mugabe öffentlich gedroht und gesagt, die Armee sei angesichts der Krise im Land bereit "einzuschreiten".

Die Regierungspartei Zanu-PF von Langzeitpräsident Mugabe hatte dem Oberkommandeur der Streitkräfte daraufhin Verrat und Aufhetzung zu einem Umsturz vorgeworfen. Die Äußerungen Chiwengas "legen verräterisches Verhalten nahe, da sie zur Anstachelung des Widerstandes und einer gewaltsamen Auflehnung gegen die verfassungsrechtliche Ordnung aufriefen". Es müsse klar das Primat der gewählten politischen Führung gelten.

Die Botschaft der Vereinigten Staaten rief ihre Staatsbürger in Simbabwe angesichts "der anhaltenden politischen Unsicherheit" zu Vorsicht auf. Die US-Botschaft werde am Mittwoch geschlossen bleiben, das Personal sei aus Sicherheitsgründen aufgefordert worden, zuhause zu bleiben, erklärte die diplomatische Vertretung. "US-Bürgern in Simbabwe wird geraten, bis auf Weiteres zuhause Schutz zu suchen."

Die britische Regierung rief aufgrund von Berichten über Militärfahrzeuge außerhalb von Harare zu Wachsamkeit auf. "Wir verfolgen die Situation genau. Sie sollten politische Aktivitäten vermeiden oder solche, die als politische Aktivitäten interpretiert werden könnten." Als Beispiele werden politische Diskussionen in der Öffentlichkeit oder Kritik am Präsidenten genannt. "Die Behörden haben manchmal Gewalt eingesetzt, um Demonstrationen zu unterdrücken."

Robert und Grace Mugabe (April 2017)
AFP

Robert und Grace Mugabe (April 2017)

Mugabe hatte vergangene Woche seinen langjährigen Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa gefeuert, einen Verbündeten von Armeechef Chiwenga. Die beiden kämpften mit Mugabe zusammen gegen das weiße Minderheitsregime im damaligen Rhodesien. Mnangagwa und Chiwenga gelten als Kritiker von First Lady Grace Mugabe, die ihrem Mann im höchsten Staatsamt nachzufolgen hofft.

Robert Mugabe ist in Simbabwe seit 1980 an der Macht. Das Land mit seinen etwa 15 Millionen Einwohnern gehört einem Uno-Index zufolge zu den ärmsten Staaten der Welt.

aar/dpa/AFP/Reuters



insgesamt 17 Beiträge
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Philipster 15.11.2017
1. Chimurrenga Zimbabwe!
Hoffentlich gibt es noch einen Funken der Ideale, die Zimbabwa vor vielen Jahren so stark gemacht haben. Leider ist die Geschichte Zimbabwes auch ein Beispiel, wie verkommen ehemalige Revolutionäre werden können, wenn ihnen nicht rechtzeitig auf die korrupten Pfoten geschaut wird. Aber ein neuer Versuch ist allemal besser, als die uferlose Gier der internationalen Wirtschaftsmafia!
ewig_gestriger? 15.11.2017
2.
Was haben die westlichen Medien Herrn Mugabe früher hofiert, sich überboten ihn als Messias gegen die bösen weißen Rassisten hochzuspielen. Was bleibt nach 37 Jahren Mugabe? Das Land liegt am Boden. Millionen Zimbabwer als Wirtschaftsflüchtlinge im Ausland. Ein greiser brutaler Diktator, der einem korrupten und kleptokratischem Regime vorsteht, ohne Gnade für das eigene Volk. Aber im afrikanischen Kontinent immer noch ein “Hero” ist, weil er es “den Weissen” mal so richtig gezeigt hat. Europa sollte sich keinen Illusionen hingeben, Afrika kann offenbar nicht Menschenrechte und Demokratie. Ich fürchte dass es nach Mugabe auch nicht besser wird.
victoria101 15.11.2017
3. Es ist...
... hoch an der Zeit, dass Mugabe abtritt. Egal, wie man das Baby nun nennen mag. Nur leider werden vermutlich andere Kleptokraten an die Macht kommen und für die Leute wird sich nicht viel ändern. Eine Schande.
fatherted98 15.11.2017
4. entweder...
...ist es ein Chance den alten Diktator endlich abzusägen und unter einer Militärregierung endlich geordnete Verhältnisse im Land zu bekommen....oder es wird noch schlimmer kommen. Man muss immer im Hinterkopf behalten...Simbabwe ist das fruchtbarste Land der Welt....4-5 Ernten im Jahr sind möglich. Es gilt dort der alte Spruch...steckst Du hier einen Spazierstock in die Erde trägt dieser am nächsten Tag Früchte....und so ein Land steht vor einer Hungersnot....höchste Zeit das sich etwas ändert.
Becks0815 15.11.2017
5. Wo sind die Grünen?
Hier sind wieder potentiell 13 Mio Schutzbedürftige, die man importieren könnte.... Das Vorkommnis in Simbabwe Zelt zeigt doch die grunglegende Problematik. Arm, hohes Bevölkerungswachstum und ein korrupter Politiker an der Spitze. Solange sich hier nichts ändert, sind Entwicklungshilfen sinnlos.
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