Simbabwe: Deutsche Förderbank will Mugabes Waffenschiff an die Kette legen

Von Karl-Ludwig Günsche, Kapstadt

Für den mit Waffen für Simbabwe beladenen Frachter interessiert sich auch die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau: Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen ließ die Bank die Ladung pfänden. Das chinesische Schiff ist vermutlich nach Angola unterwegs.

Durban, Südafrika, vergangener Freitag: Der Kapitän des chinesischen Frachters "An Yue Jiang" lässt überhastet die Anker lichten. Schon zu diesem Zeitpunkt sitzt ihm nicht nur der streitbare anglikanische Erzbischof Rubin Phillip im Nacken. Der Gottesmann hatte per Gerichtsbeschluss verhindert, dass die 70 Tonnen Waffen und Munition, die der Frachter für den simbabwischen Diktator Robert Mugabe an Bord hat, über südafrikanisches Territorium nach Simbabwe transportiert werden durften.

Frachter "An Yue Jiang": Heiße Ladung ohne Hafen
AP

Frachter "An Yue Jiang": Heiße Ladung ohne Hafen

Wer Kapitän Sanaijun aber noch mehr in Angst und Schrecken versetzt, ist die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die hatte beim selben Obersten Gericht in Durban gleich die ganze für Mugabe bestimmte Ladung pfänden lassen. KfW-Sprecher Michael Helbig bestätigte SPIEGEL ONLINE entsprechende südafrikanische Presseberichte.

Kaum sei am Freitag bekannt geworden, dass ein chinesisches Schiff mit Fracht für Mugabe in Durban einlaufen werde, habe ein Inkassounternehmen in Durban den Pfändungsbeschluss für die heiße Ladung erwirkt. Die KfW habe jedoch "zu keiner Zeit und unter keinen Umständen Waffen als Sicherung für ihre Forderungen gegenüber dem Staat Simbabwe akzeptiert", betont der Unternehmenssprecher. "Die Art der Ladung war nach Aussage des Unternehmens zu diesem Zeitpunkt nicht definitiv bekannt", versichert Helbig.

Die Entwicklungsbank habe dem simbabwischen Staatskonzern "Iron & Steel Company" zur Errichtung eines Stahlwerks 1998 und dann noch einmal als Aufstockung im Jahr 2000 insgesamt Kredite "in zweistelliger Millionenhöhe" bewilligt, für die Simbabwe eine Staatsgarantie übernommen habe, sagte Helbig.

Angeblich geht es um 40 Millionen Euro

In südafrikanischen Medienberichten hieß es, es handele sich um eine Gesamtsumme von 40 Millionen Euro - eine Summe, die die KfW weder bestätigen noch dementieren wollte. Der Kredit sei nicht zurückgezahlt worden, die Staatsgarantie sei fällig geworden. Das chronisch finanzschwache Simbabwe war allerdings trotz aller Staatsgarantien nicht für seinen maroden Stahlkonzern aufgekommen. Daher hatte die KfW schon 2006 bei der Internationalen Handelskammer einen Schiedsspruch erwirkt, der ihr einen Zugriff auf simbabwisches Vermögen im Ausland ermöglichte.

Noch bevor der Pfändungsbeschluss dem chinesischen Kapitän zugestellt werden konnte, verließ die "An Yue Jiang" eilig den Hafen. Seitdem ist Kapitän Sanaijun auf der Flucht. Vor allem die Gewerkschaften haben weltweit mobil gemacht, um zu verhindern, dass er seine tödliche Fracht noch in irgendeinem Hafen löschen kann. "Wo immer Mugabes Munitionsschiff seine Ladung löschen will: Ich werde vorher da sein und die Transportarbeiter, die Dockarbeiter, die Lastwagenfahrer und die Eisenbahner dazu bringen, alles zu tun, damit die gefährliche Fracht Simbabwe nicht erreicht," sagt Sprite Zungu, der Vertreter der "International Transport Worker's Federation". "Sie würden doch höchstwahrscheinlich benutzt, um unbeteiligte Zivilisten zu töten."

Nicht nur Südafrikas Mann im internationalen Bund der Transportarbeiter macht Front gegen Mugabe. Auch die 300.000 Mitglieder starke südafrikanische Transportarbeitergewerkschaft Satawu hat ihre Kollegen in der ganzen Welt aufgerufen, das chinesische Schiff zu boykottieren. Seitdem überschlagen sich die Spekulationen über das Schicksal des Frachters. Robert Mugabes Munitionstransporter wird immer mehr zum Geisterschiff - irgendwo zwischen Indischem und Atlantischem Ozean.

Die renommierte "Lloyd's Maritime Intelligence Unit", die weltgrößte maritime Datenbank mit Zugriff auf über 120.000 Schiffe, meldete nach Angaben der "Cape Times", ein Schiff mit Namen "An Yue Jiang" sei möglicherweise am Sonntagvormittag gegen 11 Uhr vor der Küste Ostafrikas gesunken.

Das Dementi kam prompt: Die Sprecherin der südafrikanischen Küstenrettung, Sarene Kloren, beteuerte, die "An Yue Jiang" habe Port Elizabeth mit Südkurs passiert und sei von der südafrikanischen Marineaufklärung am Sonntag gegen fünf Uhr nachmittags in der Nähe vom Kap St. Francis geortet worden. Es habe auch "zwischen unserer Küste und der Antarktis" keinerlei Notruf gegeben. Verteidigunssprecher Siphiwe Dlamini versichert: "Wir halten ein Auge drauf." Sobald der Frachter in südafrikanische Gewässer einläuft, muss Kapitän Sunaijun damit rechen, dass sein Schiff an die Kette gelegt wird - nicht zuletzt wegen des KfW-Pfängunsbescheides.

In Schifffahrtskreisen wird unterdessen gerätselt, wohin der chinesische Kapitän sein Schiff steuert. Zunächst schien er einen Hafen in Mosambik anlaufen zu wollen. Doch Mosambiks Tranportminister Paulo Zucula wollte die heiße Fracht auch nicht im Land haben. "Wir wissen, dass das Schiff Luanda als nächsten Bestimmungsort angegeben hat. Wir würden ihm ein Einlaufen in unsere Gewässer auch nicht ohne weiteres erlauben," versicherte er gegenüber Journalisten.

Angola gilt seitdem als wahrscheinliches Ziel des Geisterschiffes. Doch ob die "An Yue Jiang" Luanda überhaupt erreichen kann, wird in Schifffahrtskreisen inzwischen bezweifelt: Sie hat wahrscheinlich nicht genug Treibstoff an Bord. "Wir wissen zwar nicht genau, wieviel sie noch hat. Aber da sie in Durban keinen Treibstoff gebunkert hat, könnte sie nur mit einer außergewöhnlich sparsamen Fahrweise überhaupt einen der südlichen Häfen Angolas erreichen," hieß es. Bei einer Reisegeschwindigkeit von rund 30 Kilometern pro Stunde würde das bedeuten, dass der Frachter frühestens Dienstagabend Angolas Küstengewässer erreichen könnte.

Mugabe bleibt für die Waffenlieferung nur der Luftweg

Doch selbst wenn Kapitän Sunaijun die in Simbabwe dringend erwartete Ladung dort löschen könnte: Auf dem Landweg könnten die Container aus Angola nicht nach Simbabwe gebracht werden, da beide Länder keine gemeinsame Grenze haben. Sie müssten entweder über namibisches oder sambisches Gebiet gebracht werden. Doch kein Nachbarland Simbabwes will sich die Hände bei diesem Deal noch schmutzig machen, nachdem selbst die Afrikanische Union bei einer Konferenz in Ghana am Sonntag die Geduld mit Mugabe verloren und "angesichts wachsender Spannungen" ultimativ die unverzügliche Veröffentlichung der Wahlergebnisse vom 29. März verlangt hat.

Mugabes Schergen bleibt also nur der Luftweg. Um die 70 Tonnen zu transportieren sind allerdings zwei der in Afrika häufig eingesetzten russischen Transportflugzeuge vom Typ IL 76 notwendig - für Mugabes finanziell ruinierte Staatsbank ein teures Vergnügen.

Südafrikanische Zeitungen berichten unterdessen, dass Militär, Polizei, der Geheimdienst und sogar Mugabes Leibwache dringend neue Munition und neue Waffen brauchten. Mehrere Lieferungen hätten storniert werden müssen, weil die Staatsbank die Rechnungen nicht habe bezahlen können.

Am Sonntag habe deshalb ein Krisentreffen der Generalität von Simbabwe stattgefunden, bei dem darüber beratschlagt worden sei, wie die ersehnte Lieferung aus China ihre Empfänger doch noch erreichen könne. Dabei sei auch der Weg über das ostafrikanische Tansania erwogen worden. Aber auch dort seien Mugabes Gefolgsleute bei entsprechenden Sondierungen auf Ablehnung gestoßen. Dennoch beteuert der stellvertretende Informationsminister Simbabwes, Bright Matonga, trotzig: "Da die Waffen für Simbabwe bestimmt sind, werden sie auch irgendwie nach Simbabwe gelangen. Wofür sie eingesetzt werden, geht niemanden was an."

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