Simbabwe Mugabe tritt nach Putsch erstmals öffentlich auf

Simbabwes Präsident Mugabe macht bislang keine Anstalten zurückzutreten. Nach dem Militärputsch in dem südafrikanischen Land besuchte der 93-Jährige eine Abschlussfeier von Studenten.

Robert Mugabe in einer Universität der Hauptstadt Harare
AP

Robert Mugabe in einer Universität der Hauptstadt Harare


Nach dem Einschreiten des Militärs in Simbabwe ist Präsident Robert Mugabe zum ersten Mal wieder öffentlich aufgetreten. Gekleidet in einen blauen Talar besuchte der 93-Jährige die Abschlussfeier einer Universität in der Hauptstadt Harare.

Mugabe hatte die Übergabe der Abschlusszeugnisse in der Vergangenheit häufiger persönlich übernommen. Seine Teilnahme am Freitag könnte auf eine Lockerung seines Freiheitsentzugs hindeuten.

Die Armee hatte Mugabe am Mittwoch unter Hausarrest gestellt, nachdem der Präsident seinen Stellvertreter Emmerson Mnangagwa entlassen hatte. Mnangagwa unterhält enge Verbindungen zum Militär und war als Nachfolger im Präsidentenamt gehandelt worden. Verschärft wurde die Lage durch die Präsidentschaftsambitionen von Mugabes Ehefrau Grace, die von der Armee als Nachfolgerin des Staatschefs strikt abgelehnt wird.

Mugabe mit dem Militärchef, General Chiwenga
REUTERS/ ZIMPAPERS

Mugabe mit dem Militärchef, General Chiwenga

Mugabe lehnt einen Rücktritt bislang aber ab. "Er weigert sich zurückzutreten", verlautete am Donnerstag nach einem Treffen Mugabes mit Generälen aus Armeekreisen. Offenbar wolle Mugabe "Zeit gewinnen". Am Freitag kam der Staatschef zu weiteren Gesprächen mit der Armeeführung zusammen.

cte/Reuters/AFP



insgesamt 7 Beiträge
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ditta 17.11.2017
1. Harare-Studenten ohne Zukunftsvision?
Es verstört, wenn man erkennen muß, daß die Studenten der Uni Harare die Abschlußzeremonie mit dem in jeder Beziehung schwer angeschlagenen Robert Mugabe akzptierten und ihm ungerührt eine Bühne boten. Etwas zivilgesellschaftlicher Widerstand in friedlicher Form wäre wirklich angebracht gewesen and hätte nicht die Wut der Militärs ausgelöst! Wir nehmen wahr, daß das Verständnis von Demokratie sich leider in der Mehrzahl der Länder Afrikas nicht weiterentwickelt hat: Diktatoren und Kleptokraten können ungehindert ihr Treiben fortsetzen und eine kleine intellektuelle Elite hat entweder mit ihnen einen Burgfrieden geschlossen oder sich ins Ausland abgesetzt, wo die Weidern grüner sind. Wo ist die Mitwirkung der Intellektuellen, also derjenigen, die Wissensträger sein und einen Entwicklungsauftrag wahrnehmen sollten, am eigenständigen und nachhaltigen Fortkommen Afrikas geblieben? Sind sie ein Element des Elitenversagens?
mwroer 17.11.2017
2.
Zitat von dittaEs verstört, wenn man erkennen muß, daß die Studenten der Uni Harare die Abschlußzeremonie mit dem in jeder Beziehung schwer angeschlagenen Robert Mugabe akzptierten und ihm ungerührt eine Bühne boten. Etwas zivilgesellschaftlicher Widerstand in friedlicher Form wäre wirklich angebracht gewesen and hätte nicht die Wut der Militärs ausgelöst! Wir nehmen wahr, daß das Verständnis von Demokratie sich leider in der Mehrzahl der Länder Afrikas nicht weiterentwickelt hat: Diktatoren und Kleptokraten können ungehindert ihr Treiben fortsetzen und eine kleine intellektuelle Elite hat entweder mit ihnen einen Burgfrieden geschlossen oder sich ins Ausland abgesetzt, wo die Weidern grüner sind. Wo ist die Mitwirkung der Intellektuellen, also derjenigen, die Wissensträger sein und einen Entwicklungsauftrag wahrnehmen sollten, am eigenständigen und nachhaltigen Fortkommen Afrikas geblieben? Sind sie ein Element des Elitenversagens?
Wir nehmen wahr, dass unser Verständnis von Demokratie dort nicht angenommen wird. Das ist aber auch schon alles und es ist die alleinige Entscheidung jedes Studenten ob er überhaupt in einer Demokratie leben will. Wie kommen Sie auf die Idee dass die Mehrheit der Bevölkerung eine andere Regierungsform will als derzeit installiert? Und kommen Sie mir jetzt nicht mit 'aber das will doch jeder'. Das ist Unfug. Das südliche Afrika ist nicht Mitteleuropa.
newbie99 17.11.2017
3. Vorwurf ist günstigstenfalls unfair!
Wenige Tage nach einem Militärputsch nimmt der kaltgestellte, hart angeschlagene Präsident an der Abschlussveranstaltung einer Uni teil und hier echauffiert sich jemand, warum sich kein studentischer Revolutionsgeist zeigt. Das ist bestenfalls nur unfair. Bei den Studenten handelt es sich um junge Menschen, die in Mugabes Diktatur aufgewachsen sind und nie etwas anderes kennengelernt haben. Und der Diktator war offensichtlich in der Vergangenheit alles andere als zimperlich, wenn es um den Umgang mit ihm nicht wohlgesonnenen Zeitgenossen ging. Erwartet da ernsthaft jemand nur so wenige Tage nach dem Militärputsch ein Aufbegehren der Studenten? Das ist doch völlig unrealistisch und unfair! Das denen keine Konsequenzen gedroht hätte, kann man schön bequem aus Deutschland postulieren. Etwas anderes wäre es sicherlich, mit persönlichem Risiko diese These einmal zu belasten. Unverschämt wird es m. E. aber, wenn dann auf das Demokratieverständnis Afrikas in Gänze schließt und die Menschen dort abqualifiziert. Ich würde bezweifeln, dass deutsche Studenten unter wirklich vergleichbaren Voraussetzungen mehr Mut gezeigt hätten. Letztlich sollte sich jeder, der solche Vorwürfe platziert, die Frage stellen, wie er persönlich gehandelt hätte. Ob es ein "Eliteversagen" in dem Land gibt, weiß ich nicht. Dazu kenne ich es nicht genau genug. Aber ob die Studenten hier wirklich (schon) zur Elite gehören, ihr Verhalten also einem möglichen Eliteversagen hinzugerechnet werden kann, wage ich aber mal sehr, sehr arg zu bezweifeln. Diese Studenten haben nie richtige Demokratie kennengelernt. Und Ihre Eltern und vermutlich auch ihre Großeltern ebenfalls nicht. Was uns völlig selbstverständlich ist, dürfe in ihrer Lebensrealität vielfach schlicht vorkommen. Ich weiß nicht, wie man den Militärputsch nun werten muss. Auf der einen Seite ist es wohl kein Verlust für das Land, wenn Mugabe endlich verschwindet. Aber ob die Putschisten hier Absichten verfolgen, die dem Land gut tun, bleibt mal abzuwarten. Gut möglich, dass die einfach nur den nächsten Diktator platzieren.
doktorbafana 17.11.2017
4.
NEWBIE, Sehr guter und reflektierter Beitrag, dem kann man nur zustimmen. Ditta: Neben dem was mein vorredner schon zur "Generation Mugabe" gesagt hat noch Folgendes: Was glaubst Du denn, wer in Simbabwe überhaupt studiert? Studenten, die dem System kritisch gegenüber stehen sind jedenfalls nicht. Die sind in Südafrika oder anderswo zu finden. Wer offen Kritik übt an der University of Zimbabwe und vielleicht auch noch Mugabe auspfeifft, etc - Der wird sicherlich vieles! Aber nicht graduiert.
horstschmitzberger 17.11.2017
5. Das Krokodil ersetzt das Schwein.....
mt militärischen Mitteln setzt ein Mörder und Diktator den vorherign ab. Keine Hoffnung für die Gerwerkschafter und Demokraten in der Opposition. Die Nationalisten mit ihrem rassismus haben das -Land vom Schwellenland mit Industrie und Landwirtschaft zu einer Hunger Diktatur ohne eigene Währung der Rassisten erniedrigt. Es wird weitergehen wie bisher, China hat das geregelt und sichert sich so die billige Ausbeutung der Rohstoffe des Landes. Nur Frauen düren in der Diebesbande ZANU PF , in ihrem Chauvinismus natürlich keine Macht haben, wo kämen wr da hin....
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