Simbabwe Mugabe feiert Luxus-Geburtstag trotz Hungerkrise

Simbabwe hungert, Präsident Mugabe musste ausländische Finanzhilfen beantragen. Nun begeht der greise Diktator pompös seinen 92. Geburtstag. Die Feier soll mehr als 700.000 Euro kosten.

DPA

Simbabwes Präsident Robert Mugabe feiert seinen 92. Geburtstag trotz der schweren Hungerkrise seines Landes mit einer luxuriösen Party. Mugabe lud am Samstag 50.000 Gäste in die historische Ruinenstadt Great Zimbabwe im Süden des Landes. Die Feier soll laut Berichten staatlicher Medien mehr als 700.000 Euro kosten.

Mugabes Geburtstag wird seit 1986 öffentlich gefeiert. In den vergangenen Jahren hatte die Staatsführung dafür jeweils rund eine Million Dollar ausgegeben. Vor der jetzigen Feier verkündete die staatliche Zeitung "Sunday Mail", Mugabes Geburtstag sei "wie der von Jesus Christus".

Für das Festmahl wurden 60 Tiere geschlachtet, sagte Pupurai Togarepi, der Organisator der Feier. Außerdem soll es Hunderte Kilogramm Rindfleisch und Wild geben. Vergangenes Jahr hatte Mugabe in einem Luxushotel nahe der Viktoriafälle gefeiert. Auf der Speisekarte stand damals unter anderem Elefantenfleisch.

Politische Beobachter kritisierten die üppigen Feierlichkeiten angesichts der dramatisch schlechten Wirtschaftslage und der hohen Arbeitslosigkeit. Rund drei Millionen Simbabwer sind nach Angaben der Regierung wegen einer lange andauernden Dürre von Hunger bedroht. Die Arbeitslosenquote liegt bei über 85 Prozent. Aus Mangel an Nahrungsmitteln ernähren sich die Menschen teilweise von Würmern.

Mugabe herrscht länger als irgendein anderer afrikanischer Staatschef und hat in seiner mehr als 30-jährigen Amtszeit ein enormes Vermögen angehäuft. Dennoch beantragte er Anfang des Monats internationale Unterstützung von 1,4 Milliarden Euro. Simbabwe hatte ab 1999 seine Kredite nicht mehr bedient und war seitdem weitgehend von Finanzhilfen abgeschnitten. Seit Kurzem verhandelt der Internationale Währungsfonds mit der Regierung über ein Hilfspaket.

José Eduardo dos Santos, Angola, mehrere Milliarden US-Dollar: Santos ist nach Simbabwes Mugabe der hartnäckigste unter Afrikas Langzeitherrschern. Er geht in sein 37. Amtsjahr. Der 73-jährige ehemalige marxistische Revolutionär steht an der Spitze einer Clique, die das Land ausraubt - so offen darf man das bei Santos wohl sagen. Der staatliche Ölkonzern Sonangol arbeitet bei der Ausbeutung der Ölvorkommen eng mit den internationalen Energiemultis aus China, Europa und den USA zusammen.

Öl gibt es in Angola reichlich, die Staatskasse müsste also prall gefüllt sein. Entwicklungsarbeit ließe sich finanzieren - wenn das Geld in Santos' Reich nicht immer wieder verschwinden würde. Ein Journalist der "Financial Times" hat in Unterlagen des Internationalen Währungsfonds recherchiert, dass allein zwischen 2007 und 2010 an die 32 Milliarden Dollar aus dem Haushalt verschwanden.

Für eine kleine angolanische Elite, die trotz massenhafter Armut ihr Jetset-Leben pflegt, ist Santos Anführer und Protegé ihres dekadenten Luxuslebens in der Hauptstadt Luanda. Präsidententochter Isabel, 42, gilt laut "Forbes"-Magazin als erste Dollarmilliardärin Afrikas. Die Familie Santos machte wiederholt mit großen Partys von sich reden: Bei der Weihnachtsfeier einer Mobilfunkfirma, die der Präsidentenfamilie mitgehört, trat die mehrfach Grammy-nominierte Rapperin Nicki Minaj auf. Mariah Carey hatte 2013 für den Diktator gesungen, mutmaßlich für eine Millionengage. Und Santos' Sohn gebietet über einen unkontrollierten Fünf-Milliarden-Dollar-Fonds aus Öleinnahmen, angeblich für soziale Investitionen.

Mohammed VI., König von Marokko, 2,5 Milliarden US-Dollar: 1999 startete er als "der coole König", nannte er doch Rapper seine Freunde, hatte im Ausland studiert, trug westliche Anzüge. Vor allem aber ist Mohammed VI. Herr über viele Paläste in seinem Reich und Sammler italienischer Sportwagen. Der Unterhalt seiner vielen Immobilien im ganzen Land soll am Tag samt Personalkosten knapp eine Million Dollar verschlingen. Für die Pflege seiner Autosammlung gebe der König sechs Millionen Dollar jährlich aus, berichtete die "Welt" über den "King Cool". Das ist beträchtlich, aber bei einem geschätzten Familienvermögen von mehreren Milliarden US-Dollar kann er es sich leisten.

Erstaunlich ist, dass sein Vater, König Hassan II., dem heute 52-Jährigen nur einen Bruchteil dieser Summe hinterlassen haben soll. Möglich machte den Zuwachs die königshauseigene Investmentfirma SNI, die in nahezu allen marokkanischen Wirtschaftszweigen vom Bankengeschäft bis in den Tourismus aktiv ist. Ein Enthüllungsbuch über die enge Verbindung zwischen marokkanischem Königshaus und der Wirtschaft verlieh Mohammed den unrühmlichen Titel "Der Raubkönig". In Marokko ist das Buch verboten.

Paul Biya, Präsident von Kamerun, 200 Millionen US-Dollar: "Den Vater" nennen seine Landsleute den 83-jährigen Regenten Biya. Seine Amtsgeschäfte führt er gern von einem Luxushotel in Genf aus, wie die Wochenzeitung "Die Zeit" berichtete. Ein Urlaub vor ein paar Jahren, den Biya mit seinen Getreuen und der Familie im französischen La Baule verbrachte, war ausgesprochen mondän: 43 Suiten mieteten der Präsident und seine Entourage, für 800.000 Euro.

Nach solchen Details muss man suchen, denn Biya lebt diskret und genießt seinen unbestrittenen Reichtum eher still und fern der Heimat. Wie andere Länder am Golf von Guinea ist Kamerun als ölreiches Land politisch vergleichsweise stabil. Die Beziehungen zu westlichen Regierungen sind gut, besonders zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich.

Joseph Kabila, Demokratische Republik Kongo, mindestens 100 Millionen US-Dollar: Sein Vater soll, so schrieb es Peter Scholl-Latour, etwa 1,2 Milliarden US-Dollar veruntreut haben. Zu diesem Erbe kommt Geld hinzu, das Kabila und seine Gefolgsleute mit der illegalen Vergabe von Schürfrechten in dem rohstoffreichen Land verdient haben sollen. Wie die "Neue Zürcher Zeitung" berichtete, erhalte der 44-jährige Kabila für die wertvollen Konzessionen von ausländischen Unternehmen heimliche Zahlungen auf Privatkonten.

Öffentlich erklärt hat Kabila sein Vermögen bislang nie. Kabilas einflussreiche Zwillingsschwester Jeanette verwaltet als Präsidentin der Stiftung Laurent-Désiré Kabila das geistige Erbe des Vaters sowie sein nicht unbeträchtliches Vermögen. Sie ist, wie auch ihre Mutter, längst in das lukrative Geschäft mit staatlichen Bergbaukonzessionen eingestiegen, berichtete die "FAZ" vor Jahren. Eine seriöse Schätzung Kabilas eigenen Vermögens gibt es nicht, die Angaben reichen von mehreren Hundert Millionen bis zu Milliarden US-Dollar.

Teodoro Obiang Nguema Mbasogo, Präsident von Äquatorialguinea, 600 bis 700 Millionen US-Dollar: Mbasogo herrscht seit 1979 und ist großer Nutznießer der Ölförderung in dem westafrikanischen Zwergstaat. Sein Vermögen wird auf Hunderte Millionen US-Dollar geschätzt. Der 73-jährige Despot nimmt sein Land schamlos aus, gewählt wurde er zum letzten Mal im Jahr 2002 mit nahezu hundert Prozent - seitdem fanden keine Wahlen mehr statt. Alle vorangegangenen wurden von Exilierten und Beobachtern als weder frei noch fair beurteilt. Oppositionelle werden inhaftiert oder aus dem Land vertrieben, manchmal auch als Putschisten hingerichtet.

Das Land erlöste im vergangenen Jahr 15 US-Milliarden Dollar ausschließlich mit Erdöl- und Gasverkäufen an internationale Multis. Trotzdem lebt der Großteil der knapp eine Million Bürger in bitterer Armut.

Und ein Familienmitglied steht schon bereit, um das Vermögen des Clans zu mehren: Teodoro Nguema Obiang Mangue, genannt Teodorin, könnte in die Fußstapfen seines gierigen Vaters treten.

Uhuru Kenyatta, Kenia, 500 Millionen US-Dollar: Der Reichtum Kenyattas, seit 2013 Präsident von Kenia, ist schwierig zu schätzen. 2011 führte ihn die "Forbes"-Liste der reichsten Afrikaner noch mit 500 Millionen US-Dollar Privatvermögen.

Ein Jahr später fiel er heraus, weil zu undurchsichtig ist, wem in seiner Familie was gehört. Im Sommer 2015 reduzierte Kenyatta medienwirksam sein Präsidentengehalt von monatlich 14.000 auf 11.000 US-Dollar - doch auf dieses Geld ist er kaum angewiesen. Anteile am größten Molkereikonzern Ostafrikas, einer Hotelkette und einer Bank sichern den Reichtum der Familie. Dazu kommt das Erbe: Das Vermögen von Kenyattas Vater, dem postkolonialen Staatsgründer Jomo Kenyatta, soll an dessen vierte Ehefrau Mama Ngina Kenyatta übergegangen sein.

Basis ist vor allem Land, das sich der erste Präsident nach der Unabhängigkeit 1963 illegal angeeignet hat. Gesichert ist durch den Ndungu-Bericht von 2013 lediglich ein Grundbesitz der Kenyattas von einer Million Quadratmeter. Laut "Forbes" soll die Fläche allerdings 2000 Mal so groß sein. Illegale Landnahme ist eines der brisantesten Themen in Kenia seit der Unabhängigkeit. Die Mächtigen nehmen, die anderen schauen meist hilflos zu.

Mswati III., König von Swasiland, 100 Millionen US-Dollar: Geboren als Prinz Makhosetive Dlamini ist Mswati laut "Forbes" nur der 15-reichste Monarch der Welt. Mit geschätzten 100 Millionen Dollar - der "Guardian" geht sogar von 200 Millionen Dollar aus. Trotzdem gehört er zu den reichsten afrikanischen Staatschefs. Dem Monarchen gehören 25 Prozent an allen Minen des Landes, den Reichtum aus den Bodenschätzen verwaltet er treuhänderisch für die Bevölkerung.

Oppositionsgruppen kritisieren den ausschweifenden Lebensstil ihres 43-jährigen Königs, bislang allerdings ohne Erfolg. So gern der Herrscher nimmt, so ungern gibt er: Wie ein südafrikanischer Gewerkschaftsverband meldete, stoppte Mswatis Regierung Ende 2015 eine Lohnerhöhung für Angestellte im öffentlichen Dienst.

Eine andere Entscheidung, die jedes Jahr ohne Parlamentsdebatte durchgeht: Das Budget für königliche Ausgaben steigt und steigt, 2014 etwa um zehn Prozent auf 61 Millionen Dollar pro Jahr. Mehr als die Hälfte von Mswatis Untertanen lebt von weniger als 30 Dollar im Monat.

Idris Déby, Präsident des Tschad, 50 Millionen US-Dollar: Geboren als Hirtenjunge ist Déby seit 1990 Staatschef. Seine Militärlaufbahn begann als Pilot, 1983 wurde er Oberbefehlshaber der Armee. Sieben Jahre später sicherte er sich mit einer Militäroperation vom Sudan aus die Macht - im dritten Anlauf. Nach sechs Jahren, voller Menschenrechtsverletzungen und Putschversuchen, wurde Déby zum ersten Mal zum Präsidenten gewählt, 2001 gelang ihm die Wiederwahl.

Sein Land wandelte sich nach 2003 von einem armen Baumwollstaat zum fünftgrößten Ölproduzenten des Kontinents. Mit 40 Millionen Litern Rohöl am Tag wurde der Tschad auf dem Papier zu einem reichen Land. Viele Millionen Dollar kamen so - vor dem aktuellen Preisverfall - in die Staatskasse. Der Bevölkerung nützte das wenig: Vor dem Boom lebte etwa jeder zweite Tschader in Armut, zehn Jahre später sind es nur geringfügig weniger.

Sicher ist, dass der 63-jährige Ex-Militär das meiste Ölgeld in die Armee steckte und der Tschad somit zu einer bedeutenden Regionalmacht wurde. Die Kombination aus einer beinahe endlos langen Herrschaft und Ölreichtum hat sich für Déby ausgezahlt. Sein privates Vermögen wird auf 50 Millionen US-Dollar geschätzt.

Robert Mugabe, Präsident von Simbabwe, zehn Millionen US-Dollar: Mugabe, 91, herrscht über ein Land mit großen Diamantenvorkommen und das schon länger als irgendein anderer Staatschef Afrikas. Ein großer Teil der Edelsteine wird von der ihm ergebenen Geheimpolizei Central Intelligence Organisation (CIO) kontrolliert, berichtete der "Economist".

Mugabe ist als Parteichef der ehemaligen Revolutionsbewegung Zanu-PF seit mehr als drei Jahrzehnten im Amt. Seine Geburtstagsfeier zum 90. kostete eine Million Dollar - und zwar amerikanische, denn der simbabwische Dollar ist wegen des ruinierten Wirtschafts- und Währungssystems kaum mehr existent.

Chinas Investitionen sind ein stabilisierender Faktor für die Mugabe-Diktatur und den ausschweifenden Lebensstil seiner Familie. Dabei sollen Diamantendeals auch direkt zwischen Geheimpolizei und chinesischen Mittelsmännern laufen, vorbei am Staat und trotz internationaler Sanktionen gegen Mugabes Regime. Immer wieder wird über den schlechten Gesundheitszustand des greisen Diktators spekuliert. Wahrscheinlich ist, dass Mugabes zweite Frau Grace - die "First Shopperin", auch "Gucci Grace" genannt - plant, ihren Mann zu beerben. In der Zanu-PF ist sie die Vorsitzende der einflussreichen Frauenliga. Jüngst sprachen sich Gefolgsfrauen dafür aus, Grace solle im Politbüro Vizepräsidentin ihres Gatten werden.

Das Vermögen Robert Mugabes gab das "Forbes"-Magazin mit zehn Millionen US-Dollar als vergleichsweise bescheiden an. Im September kündigte der Herrscher an, künftig solle jeder Offizielle bei Amtsantritt sein Vermögen offenlegen. Gut für Mugabe, dass er schon so lange auf seinem Posten sitzt.

Lesen Sie im aktuellen SPIEGEL das Porträt von Robert Mugabe: Der Herrscher mit der kalten Hand

dab/dpa/Reuters



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