Wahl in Simbabwe Opposition beklagt Manipulation - glaubt aber an den Sieg

Simbabwes Oppositionschef gibt sich siegessicher, die staatliche Presse attackiert ihn scharf: Nach dem Sturz von Robert Mugabe wählen die Simbabwer Parlament und Präsident. Die Stimmung ist angespannt.

Wähler in Simbabwes Hauptstadt Harare freuen sich auf die Abstimmung
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Wähler in Simbabwes Hauptstadt Harare freuen sich auf die Abstimmung


In Simbabwe werden zum ersten Mal seit dem Militärputsch gegen Langzeitherrscher Robert Mugabe ein neuer Präsident und das Parlament gewählt.

Nelson Chamisa, Präsidentschaftskandidat der Opposition, gab sich bei seiner Stimmabgabe am Montag in Harare zunächst selbstbewusst. "Der Sieg ist uns sicher", sagte der 40-Jährige vor jubelnden Anhängern in einem Vorort der Hauptstadt. Anschließend warf er den Wahlbehörden vor, die Wahl in Harare und weiteren Städten vorsätzlich zu verlangsamen, um ihm in seinen Hochburgen zu schaden.

Nelson Chamisa
AFP

Nelson Chamisa

Bei einer Umfrage nur wenige Wochen vor der Wahl hatte zwar Amtsinhaber Emmerson Mnangagwa knapp vorn gelegen, Chamisa konnte seinen Rückstand jedoch auf wenige Prozentpunkte verringern.

Mnangagwa selbst nutzte den Wahltag, um Chamisa in die Nähe des Ex-Diktators Mugabe zu rücken und zu beteuern, dass in Simbabwe eine freie und faire Wahl abgehalten werde. Mugabe hatte am Sonntag indirekt zur Wahl Chamisas aufgerufen und erklärt, das Volk solle nicht für die stimmen, "die mich schikaniert haben".

Am Wahltag warf die staatliche Zeitung "The Herald", traditionell Sprachrohr der Regierung, Chamisa vor, Mugabe versuche, durch ihn wieder an die Macht zu gelangen. Der Oppositionsführer tarne sich nur "als unabhängiger Mann, der eine neue Generation" repräsentiere.

Emmerson Mnangagwa: Vom Mugabe-Helfer zum Putschisten

Abschlusskundgebung für Amtsinhaber Emmerson Mnangagwa
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Abschlusskundgebung für Amtsinhaber Emmerson Mnangagwa

Mnangagwa, Mugabes in Ungnade gefallener Stellvertreter, hatte den Putsch gegen den Diktator angeführt und den greisen Despoten im November mithilfe der Armee aus dem Amt gedrängt. Anschließend übernahm Mnangagwa selbst die Spitze der Partei Zanu-PF und das Präsidentenamt.

Der neue und der ehemalige Machthaber waren einmal enge Weggefährten im Befreiungskampf gegen die frühere Kolonialmacht Großbritannien. Mnangagwa spielte in der Gründerzeit Simbabwes zu Beginn der Achtzigerjahre eine unrühmliche Rolle: Für Mugabe organisierte er die Verfolgung oppositioneller Volksgruppen. Auf seine Initiative soll Gukurahundi zurückgehen - der planvolle Massenmord an mindestens 20.000 Zivilisten in den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit.

"Schneckentempo" in innerstädtischen Wahllokalen

In Simbabwe wurden auch unter Robert Mugabe Wahlen abgehalten, die aber nie demokratischen Standards entsprachen und nicht international anerkannt wurden.

Manche Bürger Harares standen schon seit morgens um 4 Uhr vor den Wahllokalen
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Manche Bürger Harares standen schon seit morgens um 4 Uhr vor den Wahllokalen

Die Opposition hatte nun kurz vor der Wahl kritisiert, in ländlichen Regionen seien Wähler unter Druck gesetzt und zur Teilnahmen an Wahlkampfveranstaltungen gezwungen worden. Auch Uno-Menschenrechtsvertreter äußerten Kritik. In den Städten sollten die Wahlbeobachter vor allem auf das Tempo der Abstimmung achten: Früher war es eine Taktik des Mugabe-Regimes, in den urbanen Zentren die Wahl zu verzögern und so die Opposition zu schwächen.

Erstmals seit 2002 sind bei diesem Urnengang auch internationale Wahlbeobachter der EU, der USA, der südafrikanischen Staatengemeinschaft und zahlreicher weiterer Organisationen vertreten. Insgesamt sind 5,5 Millionen Menschen als Wähler registriert. Offiziell schließen die Wahllokale um 19 Uhr Ortszeit, mit einem Endergebnis ist frühestens in fünf Tagen zu rechnen, teilte die Wahlkommission mit. Erreichen weder Mnangagwa noch Chamisa die absolute Mehrheit, folgt eine Stichwahl.

cht/Reuters/AP



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