Putschversuch? Panzer blockieren Parlament von Simbabwe

In Simbabwe will das Militär die Kontrolle über den Staat übernommen haben. Hinter dem Aufmarsch steckt womöglich ein Machtkampf um die Nachfolge von Robert Mugabe. Doch wo steckt der Langzeitpräsident?

UFUMELI/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

In Simbabwe eskaliert der Kampf um die Nachfolge des greisen Langzeitpräsidenten Robert Mugabe. Panzer haben den Zugang zum Parlament von Simbabwe blockiert. Soldaten in der Nähe des Parlaments forderten Autos zur Umkehr auf, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Weitere Militärfahrzeuge waren vor den Büros der Regierungspartei Zanu-PF postiert - sowie vor den Büros, in denen der seit 1980 amtierende Präsident Robert Mugabe sein Kabinett versammelt.

Das Militär übernahm nach eigenen Angaben zeitweise die Kontrolle über den Staat. Es gehe darum, eine "sich verschlimmernde politische, soziale und wirtschaftliche" Krise zu überwinden, sagte Generalmajor Sibusiso Moyo in einer Ansprache im staatlichen Fernsehen. Es handle sich jedoch nicht um einen Militärputsch. Verbrecher in Mugabes Umfeld sollten zur Strecke gebracht werden. Der 93-jährige Mugabe und seine Familie seien in Sicherheit. Eine Bestätigung für diese Angaben gibt es bislang nicht. Der Militärvertreter versprach aber: "Sobald wir unsere Mission erfüllt haben, erwarten wir eine Rückkehr zur Normalität."

In der Nacht zuvor hatte es Augenzeugen zufolge mindestens drei laute Explosionen in Harare gegeben, auch Schüsse wurden gehört. In der Stadt waren gepanzerte Militärfahrzeuge zu sehen.

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Militäraufmarsch: Schüsse in Simbabwe

Das Auswärtige Amt in Berlin forderte deutsche Staatsbürger angesichts der "bisher ungeklärten Bewegungen militärischen Geräts und Personals" zur Vorsicht auf. "Deutsche Staatsangehörige sollten in ihren Unterkünften verbleiben, sich von Menschenansammlungen fernhalten und die Lageentwicklung über die lokalen Medien und diese Sicherheitshinweise verfolgen", warnte die Behörde. Von Kommentaren zur aktuellen politischen Lage in Simbabwe, auch über die sozialen Medien, wurde abgeraten.

Ansprache von General Moyo (r.) im Staatsfernsehen
ZBC/REUTERS

Ansprache von General Moyo (r.) im Staatsfernsehen

Ob Mugabe oder einzelne Minister vom Militär in Gewahrsam genommen wurden, ist weiter offen. Robert Mugabe selbst hat sich bislang nicht öffentlich geäußert. Einer seiner Mitarbeiter hatte am Dienstag noch erklärt, der Staatschef gehe wie gewohnt seinen Amtsgeschäften nach. Mugabe wird beim Gehen inzwischen häufig gestützt, bei öffentlichen Auftritten wurde er zuletzt immer wieder schlafend fotografiert. Dennoch hatte er angekündigt, sich 2018 um eine weitere Amtszeit zu bewerben.

Militärchef General Constantino Chiwenga hatte der Regierung von Mugabe öffentlich gedroht - und am Dienstag gesagt, die Armee sei angesichts der Krise in dem Land mit 15 Millionen Einwohnern bereit einzuschreiten. Die Regierungspartei Zanu-PF warf dem Oberkommandeur der Streitkräfte wiederum Verrat und Aufhetzung zu einem Umsturz vor.

Mugabe hatte vergangene Woche seinen langjährigen Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa gefeuert, einen Verbündeten von Armeechef Chiwenga. Die beiden kämpften mit Mugabe zusammen gegen das weiße Minderheitsregime im damaligen Rhodesien. Mnangagwa und Chiwenga gelten jedoch als Kritiker von First Lady Grace Mugabe, die ihrem Mann im höchsten Staatsamt nachzufolgen hofft. Robert Mugabe ist in Simbabwe seit 1980 an der Macht.

apr/dpa/AFP



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frank_w._abagnale 15.11.2017
1. Die Hoffnung heißt Lady Grace Mugabe.
Die Hoffnung heißt Lady Grace Mugabe. Sie ist eine geborene Anführerin und im Volk beliebt. Sie könnte Simbabwe einen und zu neuer Stärke führen. Sie ist eloquent, klug, bescheiden und vielsprachig.
Oskar ist der Beste 15.11.2017
2.
ich bin im Oktober in Zimbabwe gewesen und für Touristen besteht kaum eine Gefahr, die touristisch interessanten Sachen sind im Norden (Vic falls, Hwange, Mana pools, lake kariba)....im übrigen hat es in Zimbabwe in den letzten 25 Jahren keinen einzigen Überfall mit tödlichen Ausgang auf Touristen gegeben. (in Süd Afrika sind es jährlich zwischen 10 und 20). Die Probleme des Landes wird ein Militärputsch auch nicht ansatzweise lösen können. Es gibt leider zuviele Leute, die vom bisherigen System profitieren. Auch Wahlen (nach westlichen Vorbild) sind in den Staaten südlich der Sahelzone eigentlich sinnlos, daß die an die dort Regierenden einen Wechsel nicht hinnehmen würden. Das gilt übrigens gerade auch für den ANC in Süd Afrika. Wir Weißen haben in 400 Jahren dem Kontinent nichts anderes gebracht als Staaten, die Verfassungen nach westlichen Vorbild haben, die aber den Einheimischen (schwarzen) wenig bis nichts bedeuten, da es nicht ihren Vorstellungen von Politik entspricht. Da nützt es dann auch nichts, daß das Parlament in Harare aussieht wie das britische Parlament und dort auch sehr kontrovers gestritten wird. Es stimmt nicht, daß man in ZImbabwe nicht seine Meinung sagen darf (auch als Tourist übrigens), allerdings haben viele Einheimische keine Lust dazu, da eh nichts ändern würde.
darthmax 15.11.2017
3. Thronfolge
E ght um de Thronfolge di Grace für Ihren Soh reklamiert. In dem ruinierten Land der permanenten Hungersnot ist in der Tat ein Führungswechsel nötig , ganz sicher aber nicht ein Thronverzicht zu Gunsten der Familie. Das hat eignetlich nur in Nordkorea funktioniert. Bei den Nachfolgern sollte allerdings immer gefragt werden, wieviel Farmen die entspr. Person hat, auch wenn diese durch mangelnde Bewirtschaftung wertlos geworden sind.
Hans58 15.11.2017
4.
Zitat von frank_w._abagnaleDie Hoffnung heißt Lady Grace Mugabe. Sie ist eine geborene Anführerin und im Volk beliebt. Sie könnte Simbabwe einen und zu neuer Stärke führen. Sie ist eloquent, klug, bescheiden und vielsprachig.
Genau aus diesem Grund ist das Militär auf der Straße, es will verhindern, dass diese Frau die Nachfolge von Robert Mugabe antritt. Wer den eigenen Militärchef verärgert, darf sich nicht wundern, wenn das Militär sich dieses nicht gefallen lässt. Grace Mugabe und bescheiden: forschen Sie mal nach, wie viel die Häuser gekostet haben / wert sind, die diese "bescheidene" Dame im Raum Johannesburg erworben hat. Nicht umsonst trägt sie den Spitznamen "Gucci Grace" . Sie hat während des kürzlich stattgefundene UN-Gipfels als "Delegierte" wieder viel Geld in den USA gelassen (der UN-Simbabwe-Tross bestand aus rund 70 Personen, von denen die meisten in den USA im Normalfall keine Einreiseerlaubnis erhalten hätten, da sie "persona non grata" sind.) Nachdem sie vor einiger Zeit ein Verlängerungskabel in einem Hotel verwendet hat, um eine andere Frau zu verletzen, hat sie erheblich in Südafrika für Unmut gesorgt. Das südafrikanische Parlament untersucht, aus welchem Grund diese Dame nach dem "Verlängerungskabeleinsatz" urplötzlich diplomatische Immunität erhielt "als Präsidentengattin eines nicht in Südafrika zu dem Zeitpunkt anwesenden Ehemanns". Vermutlich ist die in Südafrika geborene Grace Mugabe längst aus Simbabwe ausgereist und hält sich bei ihren Söhnen in Südafrika auf.
f._aus_kleefeld 15.11.2017
5. Ist das Satire oder kann das weg?
Zitat von frank_w._abagnaleDie Hoffnung heißt Lady Grace Mugabe. Sie ist eine geborene Anführerin und im Volk beliebt. Sie könnte Simbabwe einen und zu neuer Stärke führen. Sie ist eloquent, klug, bescheiden und vielsprachig.
Auch durch Wiederholung im zweiten Forum zum Thema Zimbabwe wird Ihre Aussage nicht richtiger. Oder soll das etwa Satire sein? Die Lady scheint genauso verkommen zu sein wie ihr Gatte. Eine Schande, was Mugabe und seine Helfershelfer aus dem Land gemacht haben. Macht scheint viele Menschen auf Dauer dann doch zu raffgierigen und selbstherrlichen Subjekten zu machen. Aus einem Revolutionär mit einst hehren Zielen ist ein widerlicher Potentat geworden.
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