Mugabe zu Wahlen in Simbabwe "Nicht für die stimmen, die mich schikaniert haben"

Nach monatelangem Schweigen hat sich Robert Mugabe zu Wort gemeldet. Wenige Stunden vor den Wahlen in Simbabwe sagte der Ex-Diktator, er habe mit seinem Rücktritt ein Blutbad verhindern wollen.

Robert Mugabe
YESHIEL PANCHIA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Robert Mugabe


Am Montag geht die Ära von Robert Mugabe endgültig zu Ende. Nach dem Sturz des autoritären Machthabers im vergangenen Jahr sind 5,6 Millionen Wahlberechtigte in Simbabwe zu diesmal zumindest vergleichsweise freien Präsidenten-, Parlaments- und Kommunalwahlen aufgerufen. Wenige Stunden zuvor hat sich Mugabe nun an die Öffentlichkeit gewandt.

Der Ex-Präsident sagte, er wolle bei der Wahl nicht für den Kandidaten der jahrzehntelang von ihm geführten Regierungspartei stimmen. "Ich kann nicht für die stimmen, die mich schikaniert haben", sagte der 94-Jährige mit Blick auf seinen Nachfolger, Präsident Emmerson Mnangagwa. Er werde nicht jene unterstützen, "die illegal die Macht übernommen haben", fuhr er fort. "Lassen wir die Stimme des Volkes entscheiden", sagte Mugabe bei der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Harare. Dabei ließ offen, für wen er stattdessen stimmen werde.

Mugabe hatte sich nach einem Militärputsch im November, in dessen Folge er sein Amt aufgab, kaum mehr öffentlich geäußert. Er sagte nun wiederholt, er hoffe auf eine Rückkehr der verfassungsmäßigen Ordnung in Simbabwe.

Emmerson Mnangagwa
REUTERS

Emmerson Mnangagwa

Mugabes früherer Stellvertreter Mnangagwa war knapp zwei Wochen nach dem Militärputsch von den Abgeordneten der Regierungspartei Zanu-PF zum neuen Staatschef gewählt worden. Putschistenführer Constantino Chiwenga ist seither Vizepräsident. Mugabe machte nun "böse und arglistige Figuren" für seinen Sturz verantwortlich. Er sei zurückgetreten, um ein "Blutbad" zu verhindern.

Knappes Rennen

Bei der Wahl am Montag zeichnet sich ein knappes Rennen zwischen Mnangagwa und Oppositionsführer Nelson Chamisa ab. Sollte keiner der beiden Kandidaten eine Mehrheit erzielen, soll am 8. September eine Stichwahl stattfinden.

Mnangagwa verspricht dem südafrikanischen Land einen Neustart. Dabei kann er sich auf die Unterstützung des Militärs, der Staatsmedien und der früheren Unabhängigkeitsbewegung Zanu-PF verlassen, welche die staatlichen Ressourcen kontrolliert.

Mnangagwas 35 Jahre jüngerer Gegner Chamisa legte allerdings einen starken Wahlkampf hin und macht sich Hoffnungen auf die Stimmen der jungen Simbabwer, die sich nach Veränderung sehnen. Seit der Unabhängigkeit von den britischen Kolonialherren im Jahr 1980 regiert die Zanu-PF in Simbabwe.

Wahlen unter der Mugabe-Herrschaft bedeuteten Betrug und Gewalt. Auch nach seinem Abschied gibt es Befürchtungen, dass die Stimmabgabe manipuliert werden könnte. Die MDC beklagte ein fehlerhaftes Wählerverzeichnis, Missbrauch von Stimmzetteln und Wählereinschüchterung. Zudem warf die Partei der Wahlkommission Befangenheit vor.

Nelson Chamisa
AFP

Nelson Chamisa

Dennoch verlief der Wahlkampf vergleichsweise frei und friedlich ab. Experten verweisen darauf, wie wichtig eine international als glaubhaft wahrgenommene Wahl auch für die alten Machthaber um Mnangagwa ist. Mugabe hat das Land in den vergangenen Jahren in die Isolation gesteuert, mit verheerenden Auswirkungen für die Wirtschaft.

Massenarbeitslosigkeit und Hyperinflation

Die nächste Regierung muss sich um die Massenarbeitslosigkeit, den Zusammenbruch der Landwirtschaft, Hyperinflation und den Abfluss ausländischer Investitionen kümmern. Das zuvor stabile Gesundheits- und Bildungssystem des Landes liegt in Trümmern, Millionen Simbabwer sind auf der Suche nach Arbeit ins Ausland geflohen. Die Lebenserwartung hat mit 61 Jahren erst vor Kurzem wieder das Niveau aus dem Jahr 1985 erreicht.

Ein Rückkehr Mugabes in die simbabwische Politik gilt inzwischen als ausgeschlossen. Im März hatte er sich noch mit Ambrose Mutinhiri fotografieren lassen, der aus Protest gegen Mugabes Sturz die Splitterpartei Nationale Patriotische Front (NPF) gegründet hatte. Die Partei konnte im Wahlkampf jedoch kaum punkten.

Mugabe und seine 53-jährige Frau Grace, deren Präsidentschaftsambitionen angeblich Auslöser für die Militärintervention im vergangenen Jahr waren, verbringen ihre Tage in ihrer luxuriösen "Blue Roof"-Residenz im vornehmen Hararer Vorort Borrowdale.

kev/AFP/AP/dpa



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