Simbabwe Tsvangirai erwägt Stichwahlboykott

In einer Woche sollen die Menschen in Simbabwe sich zwischen Staatschef Mugabe und Herausforderer Tsvangirai entscheiden. Doch die Opposition denkt über einen Boykott nach. Der Despot verkündet, er sei zum Rücktritt bereit - allerdings erst, wenn alle Farmen im Besitz der Schwarzen sind.


Harare - Eine Woche vor der geplanten Stichwahl um das Präsidentenamt in Simbabwe hat die Opposition einen Boykott der Abstimmung ins Spiel gebracht. Parteichef Morgan Tsvangirai erwäge einen solchen Schritt, sagte ein Sprecher der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) am Freitag. Die Wahl sei eine Farce, weshalb die eigene Anhängerschaft landesweit Druck mache, sich nicht daran zu beteiligen. Die Entscheidung über die Teilnahme Tsvangirais soll am Montag nach einem Treffen der Parteispitze fallen, sagte der MDC-Sprecher.

Oppositionsführer Tsvangirai: Entscheidung über Wahlboykott am Montag
DPA

Oppositionsführer Tsvangirai: Entscheidung über Wahlboykott am Montag

Gleichzeitig rief Tsvangirai seine Anhänger aber auch zu einer regen Beteiligung an der Wahl auf. Trotz einer "Welle von Brutalität" sollten die Menschen Hoffnung und Mut haben, hieß es in einer am Freitag per E-Mail verbreiteten Erklärung. Bei der ersten Wahlrunde Ende März hätten die Menschen bereits "eine mutige Entscheidung" getroffen, und auch am 27. Juni sollten sie für einen Wechsel stimmen, schrieb Tsvangirai.

In der ersten Runde der Präsidentenwahl hatte Tsvangirai überraschend mehr Stimmen erhalten als der seit Jahrzehnten autokratisch regierende Amtsinhaber Robert Mugabe, eine absolute Mehrheit nach offiziellen Angaben aber verfehlt. Im Vorfeld der Stichwahl am 27. Juni beklagt die Opposition nun eine systematische Verfolgung ihrer Mitglieder durch den Staatsapparat und eine massive Einschüchterung der Bevölkerung. Mindestens 70 Regierungskritiker seien bislang getötet worden.

Der des Hochverrats beschuldigte MDC-Generalsekretär Tendai Biti, dem bei einer Verurteilung die Todesstrafe droht, muss in Gewahrsam bleiben, wie ein Gericht inzwischen entschied. Deutliche Kritik an den Zuständen in Simbabwe kam zuletzt auch aus dem Ausland. Die frühere Kolonialmacht Großbritannien, die USA, aber auch einige afrikanische Staaten erklärten, wegen der Gewalt sei eine freie und faire Abstimmung nicht möglich.

Mugabe kündigte indes an, dass er nur nach einer umfassenden Agrarreform zugunsten der mehrheitlich schwarzen Bevölkerung zurücktreten werde. Das berichtete die Zeitung "The Herald" am Freitag. Demnach sagte der Präsident auf einer Veranstaltung seiner Partei Afrikanische Nationalunion Simbabwes - Patriotische Front (Zanu-PF) in Matabeleland, wenn er sich sicher sei, dass das Land in den Händen der Schwarzen sei, dann könne er sagen: "Die Arbeit ist vollbracht." Seit der Unabhängigkeit Simbabwes von Großbritannien im Jahr 1980 ging ein Teil der Ländereien, die früher im Besitz weißer Siedler waren, an die Schwarzen über. Der Landbesitz von Weißen blieb jedoch ein Reizthema.

phw/AP/Reuters/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.