Simbabwe vor der Wahl Wie sich Mugabe an die Macht klammert

Wo sich Unmut regt, planiert er ganze Stadtteile, er lässt Gegner verhaften und foltern: Simbabwes Diktator Mugabe hält sein Volk seit Jahrzehnten in Angst und Armut. Nun stellt er sich als Präsident zur Wahl, aber schon jetzt ist klar: Mugabe wird am Ende als Sieger dastehen. Egal wie.

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Hamburg - Neulich haben Diebe den Laptop von Präsident Robert Mugabe gestohlen. Der Diktator soll über alle Maßen wütend geworden sein - schließlich habe er auf dem Computer bereits die Ergebnisse der Wahlen am Samstag gespeichert gehabt, witzeln die Menschen auf den Straßen von Harare oder Bulawayo.

Diktator Mugabe: "Die Menschen werden gegen ihn stimmen, doch er wird das Ergebnis fälschen."
AFP

Diktator Mugabe: "Die Menschen werden gegen ihn stimmen, doch er wird das Ergebnis fälschen."

Es ist ein bitterer Humor, denn eigentlich haben die rund 13 Millionen Simbabwer nichts zu lachen: Die Inflation hat die historische Rekordmarke von mehr als 100.000 Prozent übersprungen, vier Fünftel sind arbeitslos - und ein Ende der Misere ist nicht in Sicht. Niemand glaubt, dass der 84-jährige Mugabe nach dem Urnengang am Wochenende von der Macht lässt. "Die Menschen werden gegen ihn stimmen, doch er wird das Ergebnis fälschen", prophezeit der weiße Oppositionspolitiker Roy Bennett. Längst habe Mugabe die Wahllisten mit Phantasienamen verlängert und Hunderttausende Extra-Wahlzettel drucken lassen, die, bei Bedarf mit einem Kreuzchen an der richtigen Stelle versehen, in die Urnen geschmuggelt werden können.

Politiker wie Bennett brauchen Mut, denn wer sich gegen den Diktator auflehnt, hat mit schlimmsten Sanktionen zu rechnen. Mitglieder der größten Oppositionspartei "Bewegung für Demokratie" (MDC) werden willkürlich verhaftet, gefoltert und eingekerkert. Stadtviertel, in denen sich Unruhe regt, weil es an Essen, Strom und Wasser mangelt, pflegt Mugabe kurzerhand zu planieren. Vor drei Jahren rückten seine Bulldozer in den Randgebieten von Harare vor, bei der "Operation Murambatsvina" ("Müllbeseitigung") wurden nach Schätzungen mehrere hunderttausend Menschen obdachlos. Da nahm es sich als milde Schikane aus, als die Schergen des Regimes vergangene Woche den Piloten Brent Smythe verhafteten. Der Brite war angeheuert, um MDC-Chef Morgan Tsvangirai von Wahlkampf-Auftritt zu Wahlkampf-Auftritt zu fliegen. 2001 haben die USA und die EU gezielte Sanktionen gegen die Eliten der Mugabe-Diktatur verhängt.

Vor 28 Jahren hatte Robert Mugabe an der Spitze seiner bis heute ununterbrochen regierenden Befreiungsbewegung Zanu-PF die Herrschaft einer weißen Minderheit im - damals noch Rhodesien genannten - Simbabwe gebrochen. Auch danach galt das fruchtbare Land noch lange als Kornkammer Afrikas. Statt eine Landreform nach rechtsstaatlichen Maßstäben ins Werk zu setzen, die alte Ungerechtigkeiten beseitigt hätte, begann Mugabe jedoch vor einigen Jahren, weiße Farmer willkürlich zu enteignen. Zanu-PF-Veteranen übernahmen die Scholle - ganz egal, ob sie etwas von Landwirtschaft verstanden. Entsprechend knapp fielen die Ernten danach aus. Der ökonomische Niedergang war vorgezeichnet.

"Weniger wert als eine Hure"

Heute kann Mugabe den Schein eines Wirtschaftslebens nur dadurch wahren, dass er Monat für Monat tonnenweise frische Banknoten liefern lässt. Gedruckt werden die Scheine bei der Münchner Firma Giesecke & Devrient.

Dieses Geld lässt Mugabe mit vollen Händen an seine Anhänger im Staatsapparat verteilen - was die Inflation zusätzlich anheizt. Ähnlich fatal dürfte sich auch eine weitere Entscheidung auswirken: Vergangenen Monat brachte Mugabe ein Gesetz auf den Weg, das Simbabwe das Recht verleiht, ausländische Firmen teilweise zu verstaatlichen. Nichts hätte Simbabwe nötiger als Investoren, doch lässt der Diktator keine populistische Geste aus.

Er ist nervös geworden: Erstmals hat er es am kommenden Samstag nämlich mit zwei Gegnern zu tun. Neben Morgan Tsvangirai ist ihm auch aus den eigenen Reihen ein Herausforderer erwachsen: Simba Makoni, einst Finanzminister, tritt gegen seinen ehemaligen Mentor an - und muss sich übel beschimpfen lassen. Makoni sei "noch weniger wert als eine Hure", ließ sich das Staatsoberhaupt vernehmen, eine Prostituierte habe wenigstens ab und zu mal Kunden.

Viele in Simbabwe hatten gehofft, dass die Kandidatur Makonis das Fanal für Rebellion in der Staatspartei ist, dass sich endlich ein unzufriedener Flügel gegen das Regime Mugabes wendet. Doch bisher sind Makoni nur vereinzelt Zanu-PF-Politiker beigesprungen.

Erschöpfung und Angst im Unterdrückungsstaat

Das größte Handicap der Opposition ist ohnehin, dass MDC und die Makoni-Leute es nicht geschafft haben, zu den Wahlen eine Einheitsfront gegen den Diktator zu bilden.

MDC-Aktivisten, die sich schon seit Jahren für ihre Überzeugungen zusammenknüppeln lassen, sehen es nämlich gar nicht ein, warum sie plötzlich mit einem Mann zusammengehen sollen, der wie Makoni jahrelang zu Misswirtschaft und Unterdrückung geschwiegen hat - und sogar Teil des Apparates war.

Sie fordern, das Ausland müsse Druck ausüben auf den sturen Alten an der Staatsspitze. Von seinen afrikanischen Amtskollegen hat Mugabe bisher nämlich kaum Kritik zu erwarten, und unter den Armen des Kontinents gilt der Despot noch vielen als Held, der es dem arroganten Westen so richtig zeigt. Vielleicht ist das der Grund, warum selbst Südafrikas mächtiger Präsident Thabo Mbeki davor zurückschreckt, dem Nachbarn den Strom abzudrehen. Simbabwe bezieht das Gros seiner Energie von der südafrikanischen Regionalmacht.

Droht nach dem Samstag ein kenianisches Szenario - mit wochenlangen Schlachten zwischen Polizei und aufgebrachten Simbabwern, die sich um das Wahlergebnis betrogen sehen? Eher nicht, glauben Landeskenner wie Sydney Masamvu von der International Crisis Group. Mugabe sei es gelungen, einen effizienten Unterdrückungsstaat zu errichten: "Die Menschen sind erschöpft und haben Angst."



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