Simbabwes Präsident Mugabe "Witzfigur des afrikanischen Führers"

Vor zwei Jahrzehnten galt Robert Mugabe noch als einer der letzten Freiheitshelden Afrikas. Inzwischen bezeichnet ihn der südafrikanische Nobelpreisträger Tutu aber als machthungrigen Diktator. Mugabe gilt als Herrscher, der sein Land Simbabwe in Armut und blutiges Chaos getrieben hat.


Robert Mugabe: "Was ist schon Europa?"
REUTERS

Robert Mugabe: "Was ist schon Europa?"

Harare/Hamburg - Der elegant gekleidete Intellektuelle an der Spitze des jungen Landes verblüffte 1980 mit seinem Versöhnungskurs Freund und Feind: Robert Gabriel Mugabe war ein Freiheitsheld, im 14-jährigen Guerillakrieg hatte er gegen das rhodesische Siedlerregime gekämpft. Nach Flucht, Folter und langjähriger Haft führte der studierte Philosoph und Pädagoge Simbabwe in die Unabhängigkeit. Mugabe wurde Chef einer Regierungskoalition und Hoffnungsträger der Region.

Heute, nach 22 Jahren Machtpolitik in Simbabwe, klingen die Urteile über Mugabe anders: "Er war ein strahlender Stern an unserem Firmament, jemand, auf den wir stolz waren. Der Zerfall seiner Persönlichkeit ist schwer zu verstehen. Er ist machthungrig und verhält sich nicht rational", sagt der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu über den Präsidenten des Nachbarlandes. Der einst weltweit respektierte Hoffnungsträger sei zur Witzfigur des afrikanischen Führers geworden, das Land im Südosten Afrikas befinde sich auf dem Weg in die Diktatur.

Mugabe beschwört "Endphase des Freiheitskampfes"

Dabei hatte Mugabe zu Beginn seiner Regierungszeit in der früheren britischen Kolonie Versöhnung und Wiederaufbau beschworen: "Wir wollen niemandem etwas wegnehmen." Heute spricht der mittlerweile 78-jährige Mann mit dem schmalen Oberlippenbärtchen von Fronten zwischen Schwarz und Weiß, von Feinden und Kampf. Der einstige Jesuitenschüler Mugabe setzt mittlerweile voll auf Rasenhass und ruft die Bevölkerung auf, ihm in der Präsidentschaftswahl am 9. und 10. März für die "Endphase des Freiheitskampfes" ein weiteres sechsjähriges Mandat zu geben.

Mugabe: Elegant gekleideter Intellektueller
DPA

Mugabe: Elegant gekleideter Intellektueller

Mugabe klammert sich mit allen Mitteln an die Macht. Bereits 1987 hatte er sich mit einer Verfassungsänderung gleichzeitig zu Staats- und Regierungschef gemacht. Und Mugabe wiederholte diese erfolgreiche Taktik: Mehr als ein Dutzend Mal hat der Chef der mächtigsten Partei ZANU-PF die Landesverfassung geändert, um seine Machtfülle noch zu vergrößern. Dafür setzt Mugabe nicht nur auf Populismus, sondern auch auf Terror, Gewalt und Korruption.

Gerichtsentscheide werden vom Staatsoberhaupt ignoriert, internationale Beobachter ausgewiesen, Journalisten festgenommen. Rechtzeitig zur Präsidentschaftswahl peitschte Mugabe seine "Sicherheitsgesetze" durch, um mit Unterstützung des Militärs Oppositionelle, neutrale Beobachter und die Medien zu behindern. Schlägertrupps und Anhänger von Mugabes Partei Zanu-PF schüchtern immer wieder Opposition und Bevölkerung ein. So hofft Mugabe, seine fast zu deutlichen Wahlsiege von 1990 und 1996 wiederholen zu können.

Unter Mugabe rutschte Simbabwe in Armut und Chaos

Dass vor sechs Jahren 92,7 Prozent der Wähler für den Amtsinhaber stimmten, lag wahrscheinlich weniger an Mugabes Beliebtheit als daran, dass er keine Gegenkandidaten hatte. Das einst blühende Simbabwe ist unter Mugabes Herrschaft in Armut und Chaos versunken. Nachdem vor zwei Jahren Tausende militante Anhänger der ZANU-PF zusammen mit Kriegsveteranen die mehr als 1700 Farmen von Weißen blutig erobert hatten und der Präsident die Großgrundbesitzer enteignen ließ, liegen die Felder der Republik brach. Erstmals seit vielen Jahren ist Simbabwe auf internationale Lebensmittelhilfe angewiesen.

Simbabwe 2000: Blutige Eroberung der Farmen von weißen Siedlern
REUTERS

Simbabwe 2000: Blutige Eroberung der Farmen von weißen Siedlern

Mit weltweitem Druck soll das Regime im Südosten Afrikas zu einer anderen Politik gedrängt werden. USA und EU reagieren auf Mugabes Machtpolitik mit Sanktionen, internationale Kredite werden ausgesetzt, die Commonwealth-Staaten Großbritannien, Neuseeland und Australien verlangen den Ausschluss Simbabwes aus ihrer Organisation.

Mugabe zeigt sich davon eher unbeeindruckt: "Was ist schon Europa?", fragte er auf einer Wahlkampfveranstaltung. Sanktionen könnten sein Land nicht von der Verteidigung der Unabhängigkeit abhalten.

Von Steffen Heinzelmann



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