Simbabwes Unabhängigkeit: Zur Feier werden weiße Farmer getötet

Der 20. Unabhängigkeitstag in Simbabwe ist von den blutigen Ausschreitungen überschattet worden. Staatspräsident Robert Mugabe erklärte die weißen Farmer zu Feinden des Landes. Zwei von ihnen mussten bereits ihr Leben lassen.

Harare - Die Gewalt in dem Land im südlichen Afrika eskaliert bereits seit Tagen. Am Dienstag wurde ein zweiter Weißer von Veteranen des Unabhängigkeitskrieges, zumeist Anhänger Mugabes, getötet. Noch am Vortag hatten Vertreter des Farmerverbandes nach einem Gespräch mit Mugabe die Hoffnung geäußert, er werde die Besetzer der Farmen zur Zurückhaltung auffordern. Mugabe sagte dagegen, die Farmer seien "Feinde Simbabwes", weil sie sich wie Feinde des Landes verhalten hätten. Die ganze Gesellschaft sei darüber verärgert und deswegen hätten die Kriegsveteranen auch die Farmen besetzt.

Veteranen hängen eine Puppe auf, die Oppositionsführer Morgan Tsvangirai darstellen soll.
AP

Veteranen hängen eine Puppe auf, die Oppositionsführer Morgan Tsvangirai darstellen soll.

Am Dienstag wurde wieder ein weißer Farmer von Besetzern ermordet. Die Mutter des 42-jährigen Martin Olds berichtete per Telefon, ihr Sohn sei zum Zeitpunkt des Überfalls allein im Wohnhaus der Farm "Silverstreams" im Süden des Landes gewesen. Zuvor habe Olds selbst angerufen und am Telefon erklärt, dass bis zu 40 Mann sein Farmhaus umstellt und ihn angeschossen hätten, berichtete sein Nachbar Robin Greeves. Im ersten Anruf habe Olds noch gebeten, "ob wir die Ambulanz rufen können". Für Greeves ist es ein weiterer Fall fast täglicher Gewalt in der früheren britischen Kolonie Rhodesien, die 1980 als Simbabwe unabhängig wurde. Es ist bereits das zweite Mal, dass ein Weißer bei den Farmbesetzungen getötet wurde.

Simbabwe durchläuft gegenwärtig eine Krise, die durch den Niedergang der Wirtschaft und die Besetzung der meist von Weißen betriebenen Farmen gekennzeichnet ist. An diesem Dienstag feiert Präsident Robert Mugabe den 20. Jahrestag seiner Regierungszeit und der Unabhängigkeit des Landes. Doch seine Regierungspartei Zanu-PF ist nur Monate vor den nächsten Wahlen in der Gunst der Wähler tief gesunken.

Robert Mugabe
DPA

Robert Mugabe

Mugabe erklärte in einer Rede zum Unabhängigkeitstag, er ordne nicht das Ende der Farmbesetzungen an. Eine Bodenreform sei nach wie vor notwendig. Er könne die Enttäuschung der Kriegsveteranen 20 Jahre nach dem Ende der Kolonialherrschaft gut verstehen. Nur mit ihnen könne eine Lösung der Landfrage gefunden werden. Eine Bodenreform sei die letzte offene Frage aus der Kolonialzeit. Er sei entschlossen, sie "ein und für allemal zu lösen".

Mugabe kündigte an, nach seiner Begegnung mit der Farmerunion auch mit der Veteranen-Vereingung zu sprechen, die die Farmbesetzungen leitet. Ihr Chef Chenjerai Hunzvi lässt sich gern mit "Hitler" anreden und hat erklärt, seine Vereinigung sei die eigentliche Macht hinter Mugabe. Die Veteranen wollten sich von den Farmern den "einst von den Kolonialherren geraubten Boden" zurückholen.

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