Terror auf der Sinai-Halbinsel Islamisten attackieren ägyptische Sicherheitskräfte mit Raketen

Sie feuern mit Mörsergranaten, Panzerabwehrraketen und Maschinengewehren: Islamistische Kämpfer haben im Norden der Sinai-Halbinsel das Hauptquartier der ägyptischen Sicherheitsbehörden angegriffen. Mindestens drei Soldaten und mehrere Zivilisten wurden laut Medienberichten verletzt.


Arisch - Islamisten attackieren im Norden der Halbinsel Sinai das Hauptquartier der ägyptischen Sicherheitsbehörden in Arisch. Die militanten Kämpfer seien auf Gebäude gegenüber der Sicherheitszentrale geklettert und hätten das Feuer eröffnet, wie die Nachrichtenagenturen Reuters und dpa berichteten. Sie feuerten mit Mörsergranaten und Raketen auf den Posten der Ägypter.

In den Straßen ringsum kam es Augenzeugen zufolge zu heftigen Gefechten mit Maschinengewehren. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete von einem mehr als einstündigen Schusswechsel.

Die Agenturen bezogen sich auf nicht namentlich genannte Vertreter der Sicherheitsbehörden. Ägyptische Medien bestätigten den Angriff. Auch in anderen Teilen der Halbinsel kam es zu Gefechten.

Mindestens drei verletzte Soldaten

Die Islamisten setzten auch Maschinengewehre ein. Die ägyptischen Sicherheitskräfte gingen den Angaben zufolge zum Gegenangriff über. Die Armee habe Helikopter und schwere Waffen gegen die Islamisten eingesetzt, meldete der Sender al-Dschasira. Sicherheitsbeamte hätten "islamische Extremisten" für die Attacke verantwortlich gemacht, die Rede sei von "bewaffneten Dschihadisten" gewesen.

Nachrichtenagenturen berichteten, dass drei Soldaten verletzt worden seien. Eine Reporterin von al-Dschasira twitterte, dass mehrere ägyptische Soldaten in den Kämpfen verletzt wurden. Zwei seien schwer verwundet und würden nach Kairo zur Behandlung gebracht.

In Schule verschanzt

Nach Angaben von AP wurde nicht nur in Arisch gekämpft, sondern auch in Rafah und Scheich Suwaid, 30 Kilometer östlich von Arisch. Dort verschanzten sich einige der Islamisten in einer Schule und nahmen Kinder als Geisel. Später seien die Aufständischen alleine geflohen, sie hätten die Kinder zurückgelassen, wie Sicherheitskräfte berichteten. Neben den drei Soldaten seien vier Zivilisten, darunter ein Mädchen und eine alte Frau, bei den Gefechten in den drei Orten verwundet worden.

Al-Dschasira berichtete, dass acht Kämpfer festgenommen worden seien.

Angst vor al-Qaida

Anfang August hatten islamistische Extremisten bei einem Überfall 16 ägyptische Grenzschützer getötet. Israel fürchtet, dass auf der Sinai-Halbinsel eine neue Operationsbasis für das Terrornetzwerk al-Qaida entstehen könnte. Das Gebiet grenzt an Israel und den palästinensischen Gaza-Streifen.

Ägypten verstärkte daraufhin seine Militärpräsenz: Hunderte von Soldaten mit Panzern, gepanzerten Fahrzeugen und Hubschraubern durchsuchten das Gebiet mit der Polizei. Sie nahmen Verdächtige fest, stellten Waffen sicher. Der neue ägyptische Präsident Mohammed Mursi steht unter Druck.

Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Husni Mubarak im Februar 2011 nahmen auf dem Sinai die Anschläge deutlich zu. Mursi sagte Jerusalem zu, die Halbinsel wieder unter die Kontrolle der Sicherheitskräfte zu bringen.

heb/ras/Reuters/dpa/AFP/AP

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goethestrasse 16.09.2012
1. Wir sollten uns da raushalten
Es gibt keine einzig gültige Wahrheit. Die europäer und auch die amis sollten erstmal ihre eigenen Hauisaufgaben machen und dem Rest der Welt plausibel vorführen warum wir den auch in den Nahen Osten und sonstwo exportieren müssen. Ehrlichkeit ist Trumpf. Von "oben herab" kommt schlecht und Heuchelei erst recht nicht.
tommuh 16.09.2012
2. Zeit
Ein Zeichen zu setzen. Die Regierungen der freien Welt und auch die Regierungen der derzeitigen Unruhestaaten haben lange genug untätig zugesehen und sich selbst mit ihren Empörungen gegenseitig zugejammert. Wann merkt man endlich das es keine Demonstranten sind und das diese Dinge nicht zufällig oder durch irgend ein Z Movie inspriert sind. Man sollte das Übel an den Wurzeln packen und dort anfangen wo dieser ganze Unfug geprädigt wird und bei den Unruhestiftern und Brandstiftern aufhören...
hatomune 16.09.2012
3. Meinung?
Ich würde gerne "meinen" können! Was unsereiner tun kann? Befürchten! Links auf ihrer Grafik: Israel - ein Land zwischen Krieg und Terror. Jahr um Jahr. Das Land wird als Kriegshetzer gebrandmarkt. Wie lange hält die Vernunft dem mittelalterlichen Dumpfdruck noch stand?
Gluehweintrinker 16.09.2012
4. Man lebt weiter im Mittelalter
Ist denn gerade kein böser Ausländer (der Westen, ja klar!) in der Nähe, da reißen sich Muslime auch mal gegenseitig die Lehmhütten ein. Salafisten gegen Alewiten, Sunniten gegen Schiiten, Slumbewohner gegen Pharaonen, und wenn kein passendes Feindbild greifbar ist, kloppt man gern auf die koptischen Christen ein - und sowieso, deren Schweine kann man auch gleich noch hinmeucheln. Alle anderen sind ja soweiso Ungläubig. Ach, wie schön ist es, wenn man sich sein ultrasimples Weltbild selbst zimmern kann, gell? Dazu kann ein Drittel weder schreiben noch lesen, lässt sich also immer prima vor den Karren der Extremisten spannen. Da ist doch weder Demokratie noch Niveau erkennbar, da geht's doch nur noch um Krawall. Wie heißt es so schön: Gesellschaften, in denen ein hoher Anteil gelangweilter junger Männer existiert, neigen zu Gewaltausbrüchen. Da haben wir's doch schon: was bei uns (gottlob meistens) virtuell bei World of Warcraft abgeht, findet mangels Spielekonsolen im Nahen Osten auf der Straße statt. Der einzige Unterschied ist, dass dort die Leute "echt sterben". Ansonsten muss man einfach nur Geduld haben. Der Prophet wurde erst im Jahr 610 erleuchtet... da muss man von 2012 eben 610 Jahre abziehen und landet im tiefsten Mittelalter: 1402. Legt man bei uns noch die 33 Lebensjahre des Erlösers drauf, wird's auch nicht viel besser. Es bleiben bei den Muslimen rechnerisch noch mindestens hundert Jahre bis zur Reformation, rechnerisch. Da kann man nur abwarten und hoffen, dass sie sich eher gegenseitig den Schädel einschlagen anstatt ihren Hass aufs Ausland projizieren. Welche Optionen hat denn "der Westen"? Ich sehe keine! Helfen - ja wie denn? Das wird doch alles als Einmischung der bösen Ungläubigen ausgelegt. Förderung und Toleranz? Wie weit soll man sich denn verbiegen? Da wird schlimmstenfalls jedem Christen das Mitführen der seiner persönlichen Bibel unter Strafandrohung verboten, wir aber erlauben das Hinklotzen von Moscheen wo immer es kommod ist. Man kann noch so viele Hände ausstrecken und Wohlwollen signalisieren, wenn religiöse Eiferer die Oberhand gewinnen, und danach sieht es ja unverändert aus, kann man sich nur abgrenzen. Bauen wir eine hohe Mauer, gucken ab und zu mal hinüber, ob sie sich denn wieder beruhigt haben und warten ab, bis sie zur Vernunft kommen. Mehr fällt mir beim besten Willen dazu nicht mehr ein. Der Dialog der Kulturen (hach, wie schön wär's gewesen) ist mit lauten Knall gescheitert, und ein Monolog hilft leider gar nicht.
berteb 16.09.2012
5. Berichterstattung bei ähnlicher Handlung
Ägypten: "Die Islamisten setzten auch Maschinengewehre ein. Drei Wehrpflichtige seinen verletzt worden." Syrien: " Die Aktivisten und Freiheitskämper kämpften mit Handfeuerwaffen gegen übermächtige Vertreter des Regimes. Trotzdem konnten drei Schlächterschergen Assads niedergezwungen werden."
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