Anschläge auf Wahlbeobachter Mehrere Tote bei Explosion auf Sinai-Halbinsel

Kurz nach den Parlamentswahlen in Ägypten wurden auf dem Sinai tödliche Angriffe verübt: Drei bewaffnete Extremisten stürmten ein Hotel. Eine Explosion erfasste einen Polizeiwagen.


Bei zwei Anschlägen in Ägypten sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Unter den Toten sind laut Angaben der Armee ein Richter und zwei Polizisten. Demnach hätten drei bewaffnete Extremisten das Gebäude in der Stadt al-Arisch angegriffen. Die Täter seien ebenfalls unter den Toten, hieß es. Mindestens zwölf Menschen - darunter auch Zivilisten - seien verletzt worden. Auf Fernsehbildern waren zerbrochene Fensterscheiben, verkohlte Gliedmaßen und Autowrackteile zu sehen.

Den Armeeangaben zufolge konnten zwei der Attentäter in das Hotel gelangen. Dort sollen rund 50 Richter untergebracht gewesen sein, die die zweite Phase der Parlamentswahlen in Ägypten überwacht hatten. Ein Angreifer habe in einem der Räume das Feuer eröffnet und dabei einen Richter erschossen. Ein anderer soll sich in der Küche des Hauses in die Luft gesprengt haben. Doch die genaue Opferzahl ist noch unklar: Eine Quelle aus Kreisen der Sicherheitskräfte hatte zuvor von insgesamt vier Angreifern und einem Fahrer berichtet, die ums Leben gekommen sein sollen. Auch das Innenministerium berichtet von vier Toten.

Die Ägypter hatten am Sonntag und Montag in einer zweiten Abstimmungsrunde ein neues Parlament gewählt. Es ist die erste Parlamentswahl seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Morsi durch das Militär im Jahr 2013. Seit Morsis Sturz geht die Polizei verschärft gegen seine Anhänger vor.

Neben dem Angriff auf das Hotel erfasste eine Explosion in der Nähe der Stadt einen Polizeiwagen. Dabei wurden weitere vier Sicherheitskräfte getötet, wie eine Sicherheitsquelle mitteilte.

Im Norden des Sinai kommt es immer wieder zu Anschlägen. Die Region ist ein Rückzugsort für Extremisten. Besonders aktiv ist dort auch ein Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Auf Twitter brüsteten sich die Dschihadisten mit der Tat.

Sie bekannten sich auch zum Anschlag auf ein russisches Passagierflugzeug, das am 31. Oktober mit 224 Menschen an Bord vom Urlaubsort Scharm al-Scheich kommend über dem Sinai abstürzte.

vek/dpa/AFP/Reuters

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