SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

18. Februar 2013, 00:02 Uhr

Neue Sipri-Studie

Finanzkrise trifft die Rüstungsindustrie

Die staatlichen Sparprogramme schlagen sich auch in den Bilanzen der Waffenschmieden nieder. Laut Friedensforschungsinstitut Sipri brach der Umsatz der Rüstungsindustrie erstmals seit Ende des Kalten Kriegs ein. Zum wichtigsten Wachstumsmarkt hat sich das Geschäft mit Cyberwaffen entwickelt.

Stockholm/Hamburg - Die Haushaltskürzungen im Zuge der Finanzkrise lassen die Umsätze der Rüstungsindustrie schrumpfen. Nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri sank 2011 der Umsatz bei Waffen und militärischen Dienstleistungen im Vergleich zum Vorjahr weltweit um fünf Prozent auf 307 Milliarden Euro. Damit brechen die Umsätze der 100 größten Rüstungskonzerne erstmals seit 16 Jahren ein.

Dieser erste Rückgang seit Ende des Kalten Kriegs hat mehrere Gründe: Zum einen haben viele Regierungen ihre Verteidigungsetats gekürzt, zum anderen hat sich der militärische Rückzug aus Afghanistan und dem Irak in den Bilanzen niedergeschlagen. Vor allem in den USA und Westeuropa seien die Waffenkäufe dadurch zurückgegangen. Auch die zeitweiligen Sanktionen gegen Libyen 2011 führten zu einem Schrumpfen der Umsätze.

Wachstumsmarkt Cyberwaffen

Die führenden Rüstungskonzerne reagierten, indem sie sich verkleinerten, militärisch spezialisierten oder auf verwandte Märkte umstiegen, zum Beispiel auf den Bereich Internetsicherheit. Außerdem bleiben Lateinamerika, der Nahe Osten und Asien Boommärkte für die Waffenhändler.

Der langfristige Trend zeigt für die Waffenschmieden aber dennoch nach oben: Im Vergleich zu 2002 stiegen die Umsätze nach Ermittlungen der Friedensforscher um satte 51 Prozent. Cyberwaffen sind laut Sipri der wichtigste Wachstumsmarkt. Für die Abwehr von Angriffen auf Computersysteme würde trotz aller Sparmaßnahmen zusätzlich Geld bereitgestellt. Genaue Zahlen zu bekommen, sei hier schwierig, weil es häufig keine Trennung zwischen zivilen und militärischen Aufträgen gebe, so die schwedischen Friedensforscher.

Keine Daten aus China

Der größte Rüstungskonzern der Welt bleibt weiterhin Lockheed Martin in den USA mit einem Umsatz für diesen Bereich von 36,3 Milliarden Dollar, gefolgt von Boeing mit 31,8 Milliarden Dollar. Auf dem dritten Platz lag der britische Konzern BAE Systems of Britain mit 29,2 Milliarden Dollar im Jahr 2011. Als größtes deutsches Rüstungsunternehmen platzierte Sipri Rheinmetall auf dem 26. Platz mit einem rüstungsbedingten Umsatz von drei Milliarden Dollar. Außerdem gehören Thyssen-Krupp, Krauss-Maffei Wegmann und Diehl zu den 100 größten Rüstungskonzernen weltweit.

Doch die Analyse der Stockholmer Friedensforscher hat einen großen blinden Fleck: Daten über chinesische Unternehmen konnte Sipri nämlich nicht auswerten. Hier fehlen verlässliche Angaben.

syd/heb/AFP/dpa

URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH