Neue Sipri-Studie: Finanzkrise trifft die Rüstungsindustrie

F-35-Kampfjet von Lockheed Martin: Schrumpfende Umsätze im Jahr 2011 Zur Großansicht
REUTERS/ Lockheed Martin

F-35-Kampfjet von Lockheed Martin: Schrumpfende Umsätze im Jahr 2011

Die staatlichen Sparprogramme schlagen sich auch in den Bilanzen der Waffenschmieden nieder. Laut Friedensforschungsinstitut Sipri brach der Umsatz der Rüstungsindustrie erstmals seit Ende des Kalten Kriegs ein. Zum wichtigsten Wachstumsmarkt hat sich das Geschäft mit Cyberwaffen entwickelt.

Stockholm/Hamburg - Die Haushaltskürzungen im Zuge der Finanzkrise lassen die Umsätze der Rüstungsindustrie schrumpfen. Nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri sank 2011 der Umsatz bei Waffen und militärischen Dienstleistungen im Vergleich zum Vorjahr weltweit um fünf Prozent auf 307 Milliarden Euro. Damit brechen die Umsätze der 100 größten Rüstungskonzerne erstmals seit 16 Jahren ein.

Dieser erste Rückgang seit Ende des Kalten Kriegs hat mehrere Gründe: Zum einen haben viele Regierungen ihre Verteidigungsetats gekürzt, zum anderen hat sich der militärische Rückzug aus Afghanistan und dem Irak in den Bilanzen niedergeschlagen. Vor allem in den USA und Westeuropa seien die Waffenkäufe dadurch zurückgegangen. Auch die zeitweiligen Sanktionen gegen Libyen 2011 führten zu einem Schrumpfen der Umsätze.

Wachstumsmarkt Cyberwaffen

Die führenden Rüstungskonzerne reagierten, indem sie sich verkleinerten, militärisch spezialisierten oder auf verwandte Märkte umstiegen, zum Beispiel auf den Bereich Internetsicherheit. Außerdem bleiben Lateinamerika, der Nahe Osten und Asien Boommärkte für die Waffenhändler.

Der langfristige Trend zeigt für die Waffenschmieden aber dennoch nach oben: Im Vergleich zu 2002 stiegen die Umsätze nach Ermittlungen der Friedensforscher um satte 51 Prozent. Cyberwaffen sind laut Sipri der wichtigste Wachstumsmarkt. Für die Abwehr von Angriffen auf Computersysteme würde trotz aller Sparmaßnahmen zusätzlich Geld bereitgestellt. Genaue Zahlen zu bekommen, sei hier schwierig, weil es häufig keine Trennung zwischen zivilen und militärischen Aufträgen gebe, so die schwedischen Friedensforscher.

Keine Daten aus China

Der größte Rüstungskonzern der Welt bleibt weiterhin Lockheed Martin in den USA mit einem Umsatz für diesen Bereich von 36,3 Milliarden Dollar, gefolgt von Boeing mit 31,8 Milliarden Dollar. Auf dem dritten Platz lag der britische Konzern BAE Systems of Britain mit 29,2 Milliarden Dollar im Jahr 2011. Als größtes deutsches Rüstungsunternehmen platzierte Sipri Rheinmetall auf dem 26. Platz mit einem rüstungsbedingten Umsatz von drei Milliarden Dollar. Außerdem gehören Thyssen-Krupp, Krauss-Maffei Wegmann und Diehl zu den 100 größten Rüstungskonzernen weltweit.

Doch die Analyse der Stockholmer Friedensforscher hat einen großen blinden Fleck: Daten über chinesische Unternehmen konnte Sipri nämlich nicht auswerten. Hier fehlen verlässliche Angaben.

syd/heb/AFP/dpa

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insgesamt 29 Beiträge
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1. Oh!
Steff-for 18.02.2013
Das ist wirklich eine schlimme, ja sogar lebensbedrohliche Situation, wenn die reichen Industriestaaten keinen Krieg mehr zur Mehrung ihrer Allmacht führen können. Eine Welt ohne Waffen kann doch keine gute Welt sein, oder?
2. ziemlich schlechte Photomontage ?
na!!! 18.02.2013
1. die rakete soll wohl eine Sidewinder darstellen ! kann aber nicht sein weil der F22 alle Raketen im Schacht mitführt wegem radarquerschnitt . 2. eine freifallbombe ist sehr unwarscheinlich , weil der F22 als Luftüberlegenheits-jet konzipiert ist und somit speziel für luftkämpfe und nicht geeignet oder gerüstet für Bomben abwürfe .
3.
humberto.gregorio 18.02.2013
Zitat von sysopREUTERSDie staatlichen Sparprogramme schlagen sich auch in den Bilanzen der Waffenschmieden nieder. Laut einer Studie des Friedensforschungsinstitutes Sipri sank 2011 der Umsatz der Rüstungsindustrie um 5 Prozent. Zum wichtigsten Wachstumsmarkt hat sich das Geschäft mit Cyberwaffen entwickelt http://www.spiegel.de/politik/ausland/sipri-ruestungsindustrie-hat-sinkende-umsaetze-wegen-sparprogrammen-a-883934.html
Warum lässt mich das nur völlig kalt? Von mir aus kann die Industrie auch um 10%, 20% oder 95% schrumpfen. Das Geld wäre ohnehin besser in Forschung und Bildung angelegt.
4. schockierend
Listerholm 18.02.2013
Zitat von sysopREUTERSDie staatlichen Sparprogramme schlagen sich auch in den Bilanzen der Waffenschmieden nieder. Laut einer Studie des Friedensforschungsinstitutes Sipri sank 2011 der Umsatz der Rüstungsindustrie um 5 Prozent. Zum wichtigsten Wachstumsmarkt hat sich das Geschäft mit Cyberwaffen entwickelt http://www.spiegel.de/politik/ausland/sipri-ruestungsindustrie-hat-sinkende-umsaetze-wegen-sparprogrammen-a-883934.html
_Dieser_ Satz trifft mich am meisten: "Dieser erste Rückgang seit Ende des Kalten Kriegs hat mehrere Gründe:", meinte ich doch, dass die "Vernunft" der Völker und Regierungen das Ende des "Kalten Krieges" seit nunmehr über 20 Jahren zum Anlass genommen hätte, die Waffenarsenale planmäßig zu reduzieren. Gegen den Selbstvernichtungswillen ist aber offensichtlich kein Kraut gewachsen und nur die Vorsicht der Rüstungskonzerne vor der entgültigen Vernichtung ihrer Absatzmärkte, lässt sie wohl etwas kürzer treten. Nun, da Panzer nicht mehr so gehen, (Saudiarabien ist nicht wirklich der honorige Partner), auch U-Boote nach Israel schlecht rüberkommen, Tret- und Landminen (leider ) geächtet sind, muss man sich was Neues einfallen lassen. Man kapriziert sich auf Drohnen und Cyberwaffen. Das kommt noch nicht so gut, dass es die Verluste bei weniger intelligenten Waffensystemen ausgleichen kann. Entweder, weil die potenziellen Opfer was dagegen haben oder die Intelligenzia der produzierenden Staaten säumig war in der Bereitstellung einer legitimierenden Ethik. Nevertheless. 5% Umsatzeinbußen sind nicht alarmierend. Da muss man bei Neueinführung von Produkten in anderen Branchen mit wesentlich höheren Verlusten rechnen. In summa: Die Aussichten sind für Maffei und Co. ganz prächtig. ;-(
5. zutiefst betroffen....
pflaumenaugust08/15 18.02.2013
aber es besteht ja noch Hoffnung. Gott sei Dank, kann die Waffenindustrie, ja noch stark auf den Israel / Iran Konflikt hoffen und wenn die nicht Umsatz generieren und statt dessen mit etwas so unsozialem wie Frieden, die hartgebeutelte Branche auch noch hängen lassen, müssen die Lobbyisten halt etwas mehr in linke / rechte / Fundamentalisten oder sonstige Putschisten investieren. Ein paar Werbegeschenke hier und da, dann wird es schon wieder. Ist auch wirklich traurig mit anzusehen, wie nahezu eine komplette Branche seit 90 Jahren immer mehr Umsatzeinbussen verkraften muss. Also auf zu den Waffen... Save the War ;)
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