Sipri-Studie Waffenverkäufe nehmen weltweit wieder zu

Fünf Jahre lang gingen die Waffenverkäufe weltweit zurück. Doch militärische Konflikte sorgen für eine Trendwende. Davon profitieren vor allem Rüstungsriesen in den USA - aber auch deutsche Konzerne.

Lockheed Martin F-35 Lightning II über Kalifornien (Mai 2010)
REUTERS/Tom Reynolds/Lockheed Martin Corp

Lockheed Martin F-35 Lightning II über Kalifornien (Mai 2010)


Internationale Rüstungskonzerne verkaufen wieder mehr Waffen: Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz der 100 größten Rüstungsunternehmen mit Waffen und militärischen Dienstleistungen auf 374,8 Milliarden Dollar, das sind umgerechnet knapp 318 Milliarden Euro. Das berichtet das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri in seiner neuesten Studie. Nach fünf Jahren des Rückgangs nahmen die Waffenverkäufen damit erstmals wieder zu - im Vergleich zu 2015 um 1,9 Prozent. Im Vergleich zu 2002 sogar um 38 Prozent.

Das sei angesichts der anhaltenden politischen Spannungen und laufenden Militärkonflikte in mehreren Ländern zu erwarten gewesen, erklärte Sipri. Zudem hätten mehrere Staaten ihr Militär modernisiert und neue Waffensysteme eingeführt, heißt es in dem Bericht.

Mit 217 Milliarden Dollar gingen mehr als zwei Drittel der Rüstungseinnahmen an amerikanische Unternehmen. Sie verkauften im Vergleich zum Vorjahr rund vier Prozent mehr. Dafür hätten zum einen US-Militäroperationen im Ausland gesorgt. Außerdem hätten andere Länder amerikanische Waffensysteme erworben. Mit seinen Waffen und den Kampfflugzeugen F-35 habe besonders Weltmarktführer Lockheed Martin 10,7 Prozent mehr Umsatz gemacht, sagte Aude Fleurant, Direktorin des Waffen- und Militärausgabenprogramms von Sipri.

Unternehmen in Westeuropa verkauften der Studie zufolge in etwa gleich viel Waffen und militärische Dienstleistungen wie im Jahr zuvor. Der Umsatz betrug rund 91,6 Milliarden Dollar (rund 77 Milliarden Euro), ein leichter Zuwachs um 0,2 Prozent zu 2015. Während die Verkäufe der Transeuropäischen Konzerne - an denen mindestens zwei Länder beteiligt sind - sowie französischer und italienischer Waffenschmieden zurückgingen, legten deutsche und britische Unternehmen zu.

Die führenden deutschen Unternehmen legten um 6,6 Prozent zu und erzielten insgesamt sechs Milliarden Dollar - vor allem getrieben durch den "Leopard"-Panzer-Hersteller Krauss-Maffei Wegmann (plus 12,8 Prozent) und Rheinmetall (plus 13,3 Prozent). "Beide Unternehmen haben von der Nachfrage nach Waffen in Europa, im Mittleren Osten und in Südostasien profitiert", erklärte Sipri-Forscher Pieter Wezeman.

Die russischen Produzenten steigerten ihre Verkäufe um 3,8 Prozent und damit weit weniger stark als in den Vorjahren. Grund seien große wirtschaftliche Schwierigkeiten dort, heißt es in dem Bericht. In Südkorea dagegen habe die steigende regionale Bedrohung dafür gesorgt, dass nicht nur Waffen eingekauft wurden, sondern auch die eigene Rüstungsindustrie mehr und mehr angekurbelt wurde.

Sipri begann im Jahr 2002 mit der Erfassung der Waffenverkäufe der Top 100. Darunter befinden sich drei deutsche Konzerne sowie zwei sogenannte Transeuropäische Konzerne mit deutscher Beteiligung (Airbus Group und MBDA). In den fünf Jahren vor 2016 waren die Waffenverkäufe stets rückläufig gewesen.

aar/dpa/AFP

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insgesamt 44 Beiträge
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St.Baphomet 11.12.2017
1. War zu erwarten
bei einem wie Trump, der wie gerade bei Jerusalem zu sehen, Unfrieden überall in der Welt stiftet. Ob Israel oder die Saudis, US-Waffen werden an beide geliefert. Natürlich umsonst, oder? Als Freundschaftsdienst quasi. Was spricht eigentlich dagegen den Waffenverkauf über internationale Grenzen hinweg total zu verbieten? Oder das längst überholte Vetorecht im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu beenden? Zur Wahrung des Weltfriedens trägt dies schon lange nicht mehr bei, eher im Gegenteil. Was ist daran denn demokratisch? Ist ein Staat wie Russland, China oder die USA mehr wert als ein anderer?
ulrics 11.12.2017
2. Deswegen Jerusalem
Trump will Waffenverkäufe weiter ankurbeln.
fabiofabio, 11.12.2017
3. Die PR Aktionen
der Waffenschmieden und der von ihnen gesponserten Politiker tragen Früchte (Aufbau von Feindbildern). Der Steuerzahler zahlt die Zeche und trägt das Risiko, dass es wirklich zu einem grossen Krieg kommt. Immer die gleichen Spiele. Und trotzdem fallen immer noch so viele Leute auf immer die gleichen Tricks der Profiteure rein.
weiser.richard 11.12.2017
4. Tolle Weihnachten...
....das sind die Güter die die Welt am meisten braucht. Was kümmern uns Kriege, Hungersnöte, Naturkatastrophen..usw.
DJ Bob 11.12.2017
5. ganz schön kriegerisch
Ganz schön kriegerisch für ein Land wie Deutschland das gerade mal 1% von seine "Verteidigung" für Waffen ausgibt. Ach so!! Jetzt kapier ich die anderen sollen UNS verteidigen deshalb die Waffenverkäufe LoL
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