Sirt Menschenrechtler berichten von Massaker an Gaddafi-Anhängern

Auf einem Hotelgelände in der libyschen Stadt Sirt sind 53 Leichen gefunden worden. Bei den Toten soll es sich laut der Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" um Gaddafi-Getreue handeln. Sie fordert vom Übergangsrat eine Untersuchung des Vorfalls.

Freiwillige transportieren Leichen in Sirt: Blutiger Kampf um die Stadt
REUTERS

Freiwillige transportieren Leichen in Sirt: Blutiger Kampf um die Stadt


Sirt - Die Menschenrechtler sprechen von einer Hinrichtung: In der libyschen Küstenstadt Sirt hat "Human Rights Watch" auf dem Gelände eines Hotels 53 Leichen entdeckt, offensichtlich Anhänger des getöteten Machthabers Muammar al-Gaddafi.

Die Menschenrechtsorganisation sieht das mutmaßliche Massaker als weiteren Vorfall in einer Kette von "Tötungen, Plünderungen und anderer Verstößen von Anti-Gaddafi-Kämpfern, die sich selbst über dem Gesetz sehen", sagte Peter Bouckaert von Human Rights Watch. Die Organisation rief den Übergangsrat dazu auf, die Massentötung zu untersuchen.

Die bereits verwesenden Leichen wurden im Garten eines verlassenen Hotels in der Geburtsstadt Gaddafis entdeckt. Sie lagen gestapelt im Hotelgarten am Meer - und die Männer sind offenbar auch dort erschossen worden. Zumindest deuten große Blutflecke auf dem Rasen darauf hin. "Manche hatten die Hände hinter dem Rücken verbunden, als sie erschossen wurden" , sagte Bouckaert. Der Zustand der Leichen lege nahe, dass die Menschen vor rund einer Woche gemeinsam getötet worden seien.

Das Hotel Mahari liegt im zweiten Bezirk in Sirt - lange eine der letzten Bastionen der Gaddafi-Anhänger. Die Gegend sei jedoch bereits vor den letzten Kämpfen um Sirt in der Hand von Milizen aus Misurata gewesen. An Wänden des Hotels seien die Namen von fünf Rebellen-Brigaden aus Misurata geschrieben gewesen.

Auch wenn es keine Beweise gebe, so Human Rights Watch, dass diese Gruppen die Gaddafi-Anhänger erschossen haben, so sei eine Befragung der Milizen aus Misurata notwendig.

Weitere Leichen in einem Wasserbecken entdeckt

Ebenfalls im gleichen Bezirk entdeckten die Menschenrechtler zehn verwesende Leichen, die in ein Wasserbecken gekippt worden waren - diese seien offenbar seit zwei Wochen tot. Ärzte in Sirt hätten der Organisation gesagt, dass auch Gaddafi-Einheiten Hinrichtungen ausgeführt hätten.

Die Funde von Leichen, deren Todesumstände noch nicht unabhängig bestätigt wurden, lassen zumindest ahnen, wie blutig und brutal der Kampf um die letzte Gaddafi-Hochburg in den letzten Wochen geführt wurde.

Auch die Tötung des langjährigen Diktators ist immer noch nicht geklärt, der Übergangsrat ordnete am Montag die Untersuchung der genauen Todesumstände an. Unklar ist, ob Milizen ihn möglicherweise hingerichtet haben. Auch bei der mutmaßlichen Ermordung seines Sohnes Mutassim, der den Widerstand in Sirt angeführt hat, legen Videobilder nahe, dass er in Gefangenschaft getötet worden ist.

Auf Videos war Mutassim rauchend zu sehen, andere Bilder zeigen ihn später tot im selben Raum. Der in den Niger geflohene Gaddafi-Sohn Saadi reagierte wütend auf die Bilder. Die Tötung seines Vaters nannte Saadi laut seinem Anwalt eine "barbarische Hinrichtung", den Umgang mit den Leichen einen "grotesken Missbrauch". Er sei wegen der "boshaften Brutalität" schockiert, die die Milizen der Übergangsregierung gegenüber seinem Vater und seinem Bruder Mutassim gezeigt haben, erklärte sein Anwalt. Der Übergangsrat hat die Umstände der Tötungen bislang nicht aufgeklärt - Human Rights Watch kritisert auch, dass er auch bei früheren Fällen, wie der Tötung eines Gaddafi-Generals im Juli, kaum Willen zur Aufklärung gezeigt habe. Auch wegen Tötungen von mutmaßlichen Gaddafi-Söldnern aus Afrika haben Menschenrechtler die Rebellen wiederholt kritisiert.

fab

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wadoe2 24.10.2011
1. Es wurden keine Gefangenen gemacht!
In diesem Krieg war klar, dass keine Gefangenen gemacht werden. Wo sollte diese Soldateska denn mit Gefangenen hin? Ein oder mehrere Lager in der Wüste? Nein, das war nicht vorgesehen. Irgendwann wird herauskommen, das tausende Soldaten nach der Gefangennahme exekutiert wurden. Dazu zählen auch vermeintliche Söldner, weil sie halt schwarz waren. Dieses Land steht erst am Neuanfang einer weiteren brutalen Diktatur. Der zukünftige Machthaber hat die Chance, innerhalb weniger Jahre zum Multimilliardär zu werden. Die Machtergreifung wird kein demokratischer Prozess sein. Im Land existiert eine Klangesellschaft. Die Macht des regierenden Klans wird automatisch die anderen Klans benachteligen. Die Macht wird entweder eine korrupte politische Marionette der Europäer sein, so etwas nach dem Vorbild von Karzai in Afghanistan, oder es wird ein wahabitischer islamistischer Radikaler putschen, das Horrorszenario der Europäer und Amerikaner. Das wird dann einer der Typen sein, der jetzt seine eigenen Truppen in dem Konflikt befehligt. Wird das Marinettenszenario Realität, wird es einen Bürgerkrieg geben, wobei die Regimegegner (Rebellen) die jetzigen Radikalen sind. Sie sind bis an die Zähne bewaffnet, im Kampf erprobt und werden sich in den weiten Gebieten im Süden des Landes verschanzen können. Ich nenne dies mal das Taliban Syndrom, also der gekränkte, um Macht und Reichtum gebrachte Ultra, der den verweichlichten Westlern mal so richtig in den Arsch treten möchte. Wird das Islamistenszenario Realität, haben wir es in wenigen Jahren mit einem neuen Saudi Arabien zu tun. Es gilt die Scharia, es existieren Religionspolizei und es regiert eine mittelalterliche Rückständigkeit. Zudem werden die Radikalen Islamisten in dieser Welt eine weitere Geldquelle anzapfen können. Es gibt eigentlich noch eine dritte Variation, die aber eher unwahrscheinlich ist. Es könnte sich ein gegenüber dem Westen offenen Diktator an die Macht putschen, der jedoch extrem brutal agieren müsste, gilt er doch in den Augen der Islamisten dann als Ungläubiger. Dagegen wäre der Gaddafi-Klan eine Gruppe von freundlichen Märchenerzählern. Eins jedoch ist sicher, es wird keine Demokratie geben. Das ist völliger Blödsinn. Ein Rechtsstaat wird das auch nicht sein. Folter und was auch immer für Grausamkeiten sich der Mensch ausdenkt, er wird sie dort finden. Die Europäer werden froh sein können, wenn sie durch den Wiederaufbau der von ihnen selbst (NATO) zerstörten Infrastruktur (Verkehr, Ölindustrie etc.) Geld aus dem Land schleppen. Wenn das gelingt, arrangieren sich die Europäer auch mit dem nächsten Diktator. Die Linken jedoch, die Herrn Westerwelle in tausend Stücke gerissen haben, werden sicherlich unzählige Gründe aufzählen können, warum die Massenmorde und Zerstörungen viel besser sind im Vergleich zu den Grausamkeiten des Gaddafi-Regime. Oder besser noch, ihre Propagandamedien werden das so drehen, dass die FDP dafür verwantwortlich ist. Und versprochen, es gibt genug deppen in diesem Land, die diesen Scheiß auch noch glauben.
Rodri 24.10.2011
2. ...
Dass genau so etwas kommen wird habe ich schon seit den ersten Wochen des Aufstandes in Libyen geschrieben und ich und andere Foristen wurden defür ausgelacht, dass wir die Rebellen als mordende Islamistan bezeichnet haben. Jetzt wird die Scharia in Libyen massiv verschärft und immer mehr Kriegsverbrechen der Rebellen kommen ans Tageslicht. Es ist einfach nur gruselig wie blind viele Foristen sein können und sich ihren Friede-Freude-Eierkuchen-Aufstand beigeredet haben. RIP Libya !
niepmann 24.10.2011
3. Vorhersagen:
Zitat von sysopBei*einem Hotel der libyschen Stadt Sirt sind 53 Leichen gefunden worden. Bei den Toten soll es sich laut der Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" um Gaddafi-Getreue handeln. Sie fordert vom Übergangsrat*eine Untersuchung des Vorfalls. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,793602,00.html
Wer das Killen nicht vorhergesehen hat, ist nicht von dieser Welt. HRW fordert Untersuchung? Wozu bitte? Eine archaische Moralvorstellung verhindert, dass irgendein Yussuf in Den Haag versteht, was man von ihm will. Und ich verstehe auch nicht, weshalb staatlich angeordnete Säuberungen kritiklos hiongenommen werden, aber die des Plebs zu verdammen sind. Unklar? Was anderes sind die US-Kriege?
Nonvaio01 24.10.2011
4. .....
Zitat von sysopBei*einem Hotel der libyschen Stadt Sirt sind 53 Leichen gefunden worden. Bei den Toten soll es sich laut der Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" um Gaddafi-Getreue handeln. Sie fordert vom Übergangsrat*eine Untersuchung des Vorfalls. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,793602,00.html
Was die fordern interessiert doch herzlich wenig. Die denken doch nicht im ernst das dort nun jemand das sagen hat der sich um soetwas kuemmert. Es war doch immer klar das die Rebellen keine heiligen sind und ersteinmal rache nehmen. Wie sagate der Doc der die untersuchung an G gemacht hat. "er wurde durch einen schuss in den Kopf getoetet, das ist offensichtlich" das ist der ganze bericht.
leberknecht 24.10.2011
5. Gerüchte!
Zitat von sysopBei*einem Hotel der libyschen Stadt Sirt sind 53 Leichen gefunden worden. Bei den Toten soll es sich laut der Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" um Gaddafi-Getreue handeln. Sie fordert vom Übergangsrat*eine Untersuchung des Vorfalls. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,793602,00.html
"ich kann mir nicht vorstellen,daß die friedlichen demonstranten so etwas machen! Das würde die militärische führung der nato nicht dulden! Auch die ruinen in sirte sind durch gadaffi geschaffen worden. Die Nato und auch die USA würden so was nicht machen und westerwelle auch nicht!"
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