Skandal um IWF-Chef Strauss-Kahn fällt bei den USA in Ungnade

Das wichtigste Geberland des IWF rückt von Dominique Strauss-Kahn ab: US-Finanzminister Geithner hat sich für eine Interimsführung ausgesprochen. Der mit Vergewaltigungsvorwürfen konfrontierte Chef des Währungsfonds sitzt in U-Haft - und wird dort rund um die Uhr überwacht.


Washington - Seine Worte haben Gewicht - und für den wegen Vergewaltigungsvorwürfen in den USA inhaftierten Chef des Internationalen Währungsfonds ( IWF), Dominique Strauss-Kahn, könnten sie das endgültige Ende seiner Karriere bedeuten: US-Finanzminister Timothy Geithner hat die Organisation aufgefordert, eine Interimsführung zu ernennen.

"Er ist offensichtlich nicht in der Lage, den IWF zu leiten", sagte Geithner mit Blick auf Strauss-Kahn am Dienstag (Ortszeit) nach Angaben der US-Nachrichtenagentur Dow Jones. Der Fonds müsse daher einen Plan erarbeiten, um eine dauerhafte Führung sicherzustellen. "Es ist wichtig, dass der Verwaltungsrat formell jemanden für eine Übergangszeit einsetzt, der als geschäftsführender Direktor agieren kann", zitiert das "Wall Street Journal" den Politiker. Geithner sagte außerdem: "Da passiert gerade eine Menge in der Welt und da möchte man, dass der Währungsfonds hilft."

Die USA sind das wichtigste Geberland des IWF und haben daher großen Einfluss auf die Entscheidungen des Fonds. Derzeit hat IWF-Vize John Lipsky die Aufgaben von Strauss-Kahn übernommen, der wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung in Untersuchungshaft sitzt. Ein offizieller Interimschef wurde aber nicht ernannt.

Bereits am Dienstag waren erste EU-Länder auf Distanz zu Strauss-Kahn gegangen: Die österreichische Finanzministerin Maria Fekter hatte dem IWF-Chef den Rücktritt nahegelegt. Strauss-Kahn müsse sich selbst überlegen, dass er der Institution Schaden zufüge, sagte Fekter. Ihre spanische Kollegin Elena Salgado zweifelte Strauss-Kahns Urteilsvermögen an. Es handele sich um sehr schwerwiegende Taten.

IWF-Direktorium hatte noch keinen Kontakt zu Strauss-Kahn

Aus dem Umfeld des IWF-Direktoriums hieß es, dass das Führungsgremium Kontakt zu Strauss-Kahn aufnehmen wolle. Es gehe darum zu erfahren, ob er sein Amt weiter ausführen wolle, hieß es in Direktoriumskreisen am Dienstag. Das 24-köpfige Gremium kann Strauss-Kahn von seinem Posten entheben. Eine Person aus dem Umfeld des Direktoriums sagte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, ideal wäre ein Rücktritt. Eine zweite Person erklärte, dass diese Sicht nicht von dem gesamten Gremium geteilt werde. Ein IWF-Sprecher sagte lediglich, seit der Festnahme am Samstag habe das Direktorium keinen Kontakt zu Strauss-Kahn gehabt. Es dürfte aber wichtig sein, zu gegebener Zeit mit ihm zu sprechen.

Strauss-Kahn soll am Samstag ein Zimmermädchen in einem New Yorker Hotel überfallen und bedrängt haben. Nun ist der Franzose wegen sechs verschiedener Straftaten angeklagt: Die schwerwiegendste ist sexueller Missbrauch in einem besonders schweren Fall. Dafür drohen ihm bis zu 25 Jahre Haft. Derzeit sitzt er auf einer Gefängnisinsel in New York in U-Haft.

Die Frau, die Strauss-Kahn der versuchten Vergewaltigung bezichtigt, wusste nach Angaben ihres Anwalts nicht, mit wem sie es bei ihrem mutmaßlichen Angreifer zu tun hatte. Seine Mandantin habe vor dem Angriff auf sie nicht gewusst, welches Amt Strauss-Kahn innehabe, sagte Anwalt Jeffrey Shapiro. Auch die New Yorker Polizei sei zu dem Ergebnis gekommen, dass seine Mandantin die Wahrheit sage.

Kontrolle alle 15 bis 30 Minuten, Schuhe ohne Schnürsenkel

"Es gibt keine Möglichkeit, dass es einen Aspekt dieses Vorfalls gibt, der in irgendeiner Weise als einvernehmlich aufgefasst werden könnte", sagte Shapiro. "Dies ist nichts anderes als ein körperlicher sexueller Angriff dieses Mannes auf diese junge Frau." Wenn die 32-Jährige aufgefordert werde, sei sie bereit, gegen den Franzosen in den Zeugenstand zu treten, sagte ihr Anwalt dem Sender CNN. Derzeit arbeite sie bereits mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen.

Die Hotelangestellte beschuldigt den IWF-Chef, sich in seiner New Yorker Hotelsuite nackt auf sie gestürzt und sie zum Oralsex gezwungen zu haben. Bei dem mutmaßlichen Opfer handelt es sich nach Angaben Shapiros um eine Einwanderin aus dem westafrikanischen Staat Guinea, die Mutter einer 15-jährigen Tochter ist.

Strauss-Kahn wird in der Haftanstalt Rikers in New York rund um die Uhr bewacht, um sicherzustellen, dass er sich nicht das Leben nimmt. Alle Häftlinge in Rikers werden bei ihrer Ankunft routinemäßig untersucht. Der Chef der Gewerkschaft der New Yorker Justizmitarbeiter, Norman Seabrook, erklärte am Dienstag, während dieser Untersuchung habe Strauss-Kahn etwas gesagt oder getan, was den Ärzten Anlass zur Sorge gegeben habe. Er werde daher Tag und Nacht überwacht. Ein Gewährsmann bei der Polizei bestätigte, dass Strauss-Kahn nach einer psychologischen Untersuchung besonders beobachtet werde. Er habe aber nicht versucht, sich selbst zu verletzten. Einem Bericht des US-Senders NBC zufolge wird die Zelle Strauss-Kahns alle 15 bis 30 Minuten in Augenschein genommen. Der Inhaftierte trage Schuhe ohne Schnürsenkel.

Eine Haftrichterin hatte am Montag eine Entlassung auf Kaution abgelehnt. Eine sogenannte Grand Jury muss nun bis Freitag über eine formelle Anklage des 62-Jährigen entscheiden.

hen/Reuters/dpa/AFP/dapd

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Seite 1
duanehanson 18.05.2011
1. Dass nun ausgerechnet ...
... die Amis seinen Rücktritt fordern, passt ausgezeichnet ins Bild einer von den USA angezettelten Verschwörung, um den unliebsamen Sozialisten loszuwerden. Ich weiß schon längst nicht mehr, was ich hier wem glauben mag. Dass der gute Mann deprimiert ist, kann ich verstehen, einerlei, ob er schuldig ist oder unschuldig, denn er wird wissen, in welche Fänge er geraten ist, und selbst gesetzt den Fall, er ist unschuldig, wird er sich ausrechnen können, wie sein Fall nun weitergeht.
daslästermaul 18.05.2011
2. Untragbar
Zitat von sysopDas wichtigste Geberland des IWF rückt von Dominique Strauss-Kahn ab: US-Finanzminister Geithner hat sich für eine Interimsführung ausgesprochen. Der mit Vergewaltigungsvorwürfen konfrontierte Chef des Währungsfonds sitzt in U-Haft - und wird dort rund um die Uhr überbewacht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,763212,00.html
Wer, wie DSK, offensichtlich jedesmal völlig aus dem Ruder läuft, wenn auch nur ein Rockzipfel in der Nähe zu sein scheint, ist für Führungsaufgaben - sei es international und national - schlicht untragbar geworden. Deswegen ist sein Rückzug mehr als gerechtfertigt. Sexualtherapeuten, Mediziner und Psychiater sind im Moment die Adressen, mit denen DSK über seine Probleme sprechen sollte.
Sapientia 18.05.2011
3. Natürlich wird der rund um die Uhr überwacht, ...
Zitat von sysopDas wichtigste Geberland des IWF rückt von Dominique Strauss-Kahn ab: US-Finanzminister Geithner hat sich für eine Interimsführung ausgesprochen. Der mit Vergewaltigungsvorwürfen konfrontierte Chef des Währungsfonds sitzt in U-Haft - und wird dort rund um die Uhr überbewacht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,763212,00.html
das gehört zum Wesen eines Gefangnisses - nicht gewußt? Im übrigen sitzen dort so viele Rabauken ein, daß man nicht das Risiko eingehen will, ihm könne etwas seitens der Kollegen zustoßen - nicht gewußt? Erst informieren, Spiegel - dann Artikel verfassen.
chrisbeispiegel, 18.05.2011
4. Sagenhaft, wie schnell man jamenden vernichten kann.
Wie war es moch mal? Ei incumbit probatio qui dicit, non qui negat. Aber wen kümmert´s! In unserem neoliberalen Mittelalter ist nur wichtig, wer auf längerem Hebel sitzt. Vielleicht hat der Herr einfach vergessen der Dame einen "Kosmetiksalon" zu finanzieren? Irgendwas sagt mir aber, dass es in dem Fall auch nicht helfen würde. Egal. Wenn er schuld ist, wird er für sein Verhalten teuer bezahlen und wenn nicht, dann eben auch.
Rübezahl 18.05.2011
5. Keine Panik
Ruhig liebe Franzosen, Deutschland ist doch bei Euch. Gemeinsam sind wir stark !
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