Bellingcat-Recherche Zweiter Verdächtiger im Skripal-Fall angeblich identifiziert

Die Verdächtigen im Fall Skripal gaben sich als Urlauber aus, die nichts mit dem Anschlag auf den Ex-Doppelagenten zu tun haben. Die Recherchegruppe Bellingcat will nun auch den zweiten von ihnen identifiziert haben.

Die beiden Verdächtigen im Fall Skripal
AP/ Metropolitan Police

Die beiden Verdächtigen im Fall Skripal


In der Öffentlichkeit gab sich der Verdächtige im Fall Skripal als Alexander Petrow aus. Tatsächlich aber soll es sich um den Geheimagenten Alexander Mischkin handeln, wie das britische Recherchenetzwerk "bellingcat" berichtet. Ein Militärarzt des russischen Geheimdiensts GRU.

Schon am 26. September hatten die Investigativ-Journalisten den ebenfalls beschuldigten Ruslan Boschirow als Anatolij Tschepiga identifiziert. Damit wurden nun beide Männer von dem Rechercheteam als Geheimagenten der russischen Regierung enttarnt.

DPA/ AP/ Metropolitan Police

"Bellingcat" hat gemeinsam mit dem russischen Rechercheblog "The Insider" sämtliche Hintergründe beider Verdächtiger ausgeleuchtet und kündigte an, am Dienstag einen vollständigen Bericht vorzulegen, in dem alle Details der Recherche offengelegt werden sollen.

Die britischen Ermittler werfen dem Duo vor, unter ihren Decknamen nach Salisbury gereist zu sein und den Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergei Skripal und seine Tochter Julia verübt zu haben. Die beiden Männer hatten dem kremlnahen Sender RT berichtet, sie seien als Touristen nach Großbritannien gereist. Dabei hatten sie eingeräumt, die Männer auf den von der britischen Polizei veröffentlichten Fahndungsfotos zu sein.

Die britischen Behörden gehen hingegen davon aus, dass es sich um Aliasnamen handelt und die Männer Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes sind. Dies bestritten sie in dem 25-minütigen Interview.

Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters lehnte die Londoner Polizei, die im Fall ermittelt, eine Stellungnahme zu den Leaks ab. "Wie äußern uns nicht zu den Spekulationen", sagte die Polizei.

Moskau bestreitet die Vorgänge

Sergej und Julija Skripal waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie mussten wochenlang intensiv behandelt werden und entkamen nur knapp dem Tod. London macht den Kreml für das Attentat verantwortlich. Moskau bestreitet die Vorwürfe. Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus.

Die britischen Ermittler gehen davon aus, dass das Nervengift auf die Türklinke der Skripals gesprüht wurde. Bilder aus Überwachungskameras zeigen die Verdächtigen am Tag des Anschlags in unmittelbarer Nähe von Skripals Haus.

Sergej Skripal hatte früher für den russischen Militärgeheimdienst GRU gearbeitet und dem britischen MI6 Informationen weitergeleitet. 2004 flog er auf. Er wurde in Russland zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Bei einem Gefangenenaustausch kam er 2010 nach Großbritannien.

tin/Reuters

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