Skulptur in Tikrit Behörden lassen Schuhwerfer-Denkmal entfernen

Mitten in Saddam Husseins Heimatstadt Tikrit stand er, der meterhohe Schuh aus Bronze - jetzt ist das Objekt wieder weg: Das Denkmal für den "Schuhwerfer von Bagdad" musste nur wenige Tage nach der Einweihung wieder abgebaut werden. So wollten es die örtlichen Behörden.


Bagdad - Eine in der irakischen Stadt Tikrit aufgestellte Skulptur zu Ehren des "Schuhwerfers von Bagdad" ist am Freitag wieder abgebaut worden. Die Bronzeskulptur, die einen Schuh darstellt, war erst am Mittwoch im Innenhof des Gebäudes der örtlichen Organisation für Kindeswohl aufgestellt worden.

Deren Leiterin sagte am Freitag, die örtlichen Behörden hätten die unverzügliche Entfernung des Kunstwerks verlangt. Nähere Gründe wurden nicht angegeben. Tikrit ist die Heimatstadt des früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein.

Der Bildhauer Laith al-Amari, der das etwa zweieinhalb Meter lange und fast zwei Meter hohe Kunstwerk schuf, wollte in dem Denkmal kein "politisches Werk" sehen. Es sei vielmehr "eine Quelle des Stolzes alles Iraker", sagte er dem britischen Sender BBC.

Der irakische Journalist Muntasser al-Saidi hatte bei Bushs Abschiedsbesuch in Bagdad im Dezember seine Schuhe in Richtung des scheidenden US-Präsidenten geworfen, der sich jedoch wegduckte und nicht getroffen wurde. Dabei rief der Journalist: "Dies ist dein Abschiedskuss, du Hund! Das ist von den Witwen, den Waisen und all denen, die im Irak getötet wurden!" Mitschnitte der Szene sorgten international für Furore und wurden vor allem in der arabischen Welt bejubelt.

Seither sitzt der TV-Reporter in Haft und wartet auf den Beginn seines Prozesses. Ihm drohen wegen der Attacke auf Bush, dessen Politik er ablehnt, mehrere Jahre Haft. Mit Schuhen beworfen zu werden wird in arabischen Ländern als schwere Beleidigung angesehen, da Schuhe für Muslime als unrein gelten.

amz/dpa/AFP



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