Nach Journalistenmord Slowakischer Polizeipräsident tritt zurück

Nach dem Mord am Journalisten Jan Kuciak kommt die Slowakei nicht zur Ruhe: Regierungschef und Innenminister traten bereits zurück - nun muss sich auch Polizeipräsident Tibor Gaspar dem Druck beugen.

Peter Pellegrini (l.) und Tibor Gaspar (r.)
AP

Peter Pellegrini (l.) und Tibor Gaspar (r.)


Knapp zwei Monate nach dem Mord an einem Enthüllungsjournalisten hat der slowakische Polizeipräsident Tibor Gaspar dem öffentlichen Druck nachgegeben und seinen Rücktritt erklärt. Um eine problemlose Amtsübergabe zu ermöglichen, werde der Polizeichef seine Funktion aber noch bis zum 31. Mai behalten, sagte Regierungschef Peter Pellegrini.

Der noch nicht aufgeklärte Doppelmord an dem slowakischen Investigativjournalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten am 21. Februar hat das EU-Land in eine schwere innenpolitische Krise gestürzt. Kuciak hatte Kontakte von Regierungsmitarbeitern zur italienischen Mafia und anderen zwielichtigen Geschäftsleuten untersucht.

Die beiden 27-Jährigen waren nach Polizeiangaben im Stil einer Hinrichtung erschossen worden. Die im März unter dem Druck von Massenprotesten erfolgten Rücktritte von Langzeit-Regierungschef Robert Fico und Innenminister Robert Kalinak konnten die Situation bisher nicht beruhigen.

"Wir haben uns darauf geeinigt, dass dieser Schritt notwendig ist, um die Lage zu beruhigen und die Polizei von dem auf ihr lastenden Druck und den Zweifeln an ihrer Unbefangenheit zu befreien", sagte Pellegrini zum Rücktritt Gaspars.

Demonstranten in Bratislava
AP

Demonstranten in Bratislava

Der seit Wochen in wöchentlichen Demonstrationen von Zehntausenden Menschen geforderte Amtsverzicht des Polizeipräsidenten erfolgte offenbar nicht freiwillig. Nur eine Stunde zuvor hatte der Polizeichef einen Amtsverzicht noch öffentlich ausgeschlossen.

Am selben Tag hatte aber der sozialdemokratische Regierungschef Pellegrini provisorisch das Amt des am Montag zurückgetretenen Innenministers Tomas Drucker selbst übernommen und angekündigt, rasch für Ordnung zu sorgen.

kry/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.