Proteste gegen Korruption Tausende Slowaken demonstrieren für vorgezogene Wahlen

Nach einem Journalistenmord gehen in der Slowakei immer wieder Tausende Menschen auf die Straße. Unter dem wachsenden Druck traten bereits zahlreiche Amtsträger zurück. Nun fordern die Demonstranten vorgezogene Wahlen.

Demonstrationen in Bratislava (Archivbild)
REUTERS

Demonstrationen in Bratislava (Archivbild)


Zwei Monate nach dem Mord an einem Journalisten in der Slowakei haben erneut Tausende Menschen in Bratislava gegen die Regierung protestiert. In Sprechchören und auf Transparenten forderten sie am Freitagabend ein Vorziehen der erst für 2020 geplanten Parlamentswahl.

Der bereits erfolgte Austausch mehrerer Regierungsmitglieder reiche nicht, um das Vertrauen der Bevölkerung in die staatlichen Institutionen wieder herzustellen, erklärten die parteiunabhängigen Organisatoren. Nach ihren Angaben hätten bereits 80.000 Menschen eine Petition für Neuwahlen unterschrieben, für die auch auf der Demonstration geworben wurde.

Der Doppelmord an dem Investigativ-Journalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten am 21. Februar ist bisher nicht aufgeklärt. Die beiden 27-Jährigen waren nach Polizeiangaben im Stil einer Hinrichtung erschossen worden. Der ermordete Kuciak hatte Kontakte von Regierungsmitarbeitern zur italienischen Mafia und anderen zwielichtigen Geschäftsleuten untersucht.

Unter dem Druck der seit Anfang März Woche für Woche wiederholten Proteste traten bisher schon mehrere Regierungsmitglieder und Amtsträger aus Polizei und Justiz zurück, darunter der sozialdemokratische Langzeit-Regierungschef Robert Fico, Innenminister Robert Kalinak und dessen kurzzeitiger Nachfolger sowie mehrere andere Minister und der Polizeipräsident.

ans/dpa

insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
rabkauhala 28.04.2018
1. Wieder ein Versuch der Bürger
Die Slowken haben anscheinend keine Lust mehr auf eine Demokratie russischer Prägung in dem korrupte Politiker bis in höchste Kreise und mafiöse Strukturen Oppositionelle und freie Journalisten unausgesprochen aber durch ihr Handeln mit dem Tod bedrohen. Ich hoffe nur, das sie nicht eine ähnliche Entwicklung durchmachen wie zuletzt Polen und Ungarn, das Nationalisten an die Macht kommen, die den sich neu findenden Staat in Ihrem Sinne umbauen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.