Ermordeter Journalist Ján Kuciak Slowakische Behörden lassen Verdächtige frei

Nach dem Mord an dem slowakischen Journalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten sind alle Verdächtigen wieder aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Unterdessen wächst der Druck auf die Regierung, den Fall aufklären zu lassen.

Proteste in Gedenken an Ján Kuciak
DPA

Proteste in Gedenken an Ján Kuciak


Die slowakischen Behörden haben alle Verdächtigen wieder freigelassen, die im Zuge der Ermittlungen zum Mord an dem Journalisten Ján Kuciak festgenommenen worden waren. Die sieben Personen seien nach 48 Stunden wieder auf freien Fuß gesetzt worden, sagte eine Polizeisprecherin.

In der Zeit sei untersucht worden, ob eine Anzeige gerechtfertigt sei. Die Behörde musste sie demnach innerhalb von zwei Tagen aus der U-Haft entlassen. Weitere Angaben wollte die Polizei nicht machen.

Die Namen der sieben Männer hatte Kuciak in seinem letzten Artikel über mutmaßliche Verbindungen zwischen der slowakischen Regierungspartei zur italienischen Mafia genannt.

Recherchen zur italienischen Mafia

Der Enthüllungsjournalist war am vergangenen Wochenende gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin erschossen aufgefunden worden. Der 27-Jährige hatte über Straftaten von Geschäftsleuten berichtet, von denen manche Verbindungen zu Politikern hatten.

Medienberichten zufolge ging es bei Kuciaks Recherchen auch um mutmaßlichen EU-Subventionsbetrug. Der Slowake war seit 2015 Redakteur des Newsportals Aktuality.sk, das zu Ringier Axel Springer Slovakia gehört.

Gegenstand seiner Recherchen waren demnach italienische Geschäftsleute, die angeblich Verbindungen zur Mafia haben. Kuciak hatte darüber in seinem letzten, nach seinem Tod veröffentlichten Artikel geschrieben.

Video: Mord an slowakischem Journalisten

Hochzeit war für Mai geplant

Kuciak wurde wenige Stunden vor der Freilassung der Verdächtigen in der nordslowakischen Ortschaft Stiavnik beigesetzt. Mehrere hundert Trauernde gaben ihm das letzte Geleit. Der 27-Jährige wurde am Nachmittag in seinem Hochzeitsanzug beigesetzt.

Am Vortag war seine Verlobte Martina Kusnirova in ihrem Hochzeitskleid bestattet worden. Das Paar wollte im Mai heiraten.

Das Grab des toten Enthüllungsjournalisten Ján Kuciak
DPA

Das Grab des toten Enthüllungsjournalisten Ján Kuciak

Druck auf Regierungschef wächst

Indes gerät der slowakische Regierungschef Robert Fico im In- und Ausland zunehmend unter Druck. Zwei Mitarbeiter Ficos legten am Mittwoch ihre Ämter vorübergehend nieder, ein Minister trat zurück. Ein Juniorpartner der regierenden Koalitionsparteien forderte nun auch Ficos Rücktritt; der Staatschef habe dies jedoch abgelehnt, wie ein Vertrauter sagte.

Zunehmend wächst auch in der Bevölkerung der Unmut: Am Freitag waren Tausende Menschen in der Hauptstadt Bratislava und anderen Städten auf die Straße gegangen und hatten eine rasche Aufklärung verlangt. Der Mord an dem Investigativjournalisten hat die Regierung und das Land erschüttert.

Die Europäische Kommission will nun ebenfalls Antworten aus Bratislava: In einem Brief an die slowakischen Behörden forderte die Kommission "konkrete" Informationen zu der mutmaßlichen Veruntreuung von EU-Geldern.

Die Vorwürfe würden "ernst genommen", sagte Kommissionssprecher Alexander Winterstein in Brüssel. Zuvor hatte schon EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) Aufklärung auf europäischer Ebene versprochen.

Im Video: Die Ndrangheta - Leben im Schatten der Mafia

ans/dpa/AFP



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