Slowenien Wenn ein Präsident spurlos verschwindet

Sorgen um den Staatschef: Die Slowenen rätseln, wo ihr Präsident Drnovsek ist. Seit knapp zwei Monaten hat er sich nicht mehr öffentlich gezeigt, Termine werden abgesagt.


Ljubljana - Wo ist Janez Drnovsek? Der 57-jährige Präsident Sloweniens ist seit dem 21. Juli nicht mehr öffentlich gesehen worden. Zuvor hatte er erklärt, dass er nach seinem fünfjährigen Mandat wegen Amtsmüdigkeit auf eine neue Kandidatur verzichten wolle. Die überraschende Absage eines Treffens mit dem italienischen Regierungschef Romano Prodi am vergangenen Montag alarmierte nun auch die Medien.

Präsident Drnovsek: Aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen?
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Präsident Drnovsek: Aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen?

Mit der Erklärung, dass der Präsident seinen Urlaub genieße, und dass ihn etwas "Unerwartetes" am Treffen gehindert habe, konnte sein Sprecher Ivo Vajgl die Öffentlichkeit nicht beruhigen. Noch eigenartiger klang die Begründung, dass die Lärmbelastung durch Renovierungsarbeiten im Präsidentenpalast mit dem Verschwinden des Staatschefs zu tun habe. Trotzdem soll Drnovsek in der kommende Woche seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen und den britischen Prinzen Andrew empfangen, so Vajgl.

Die lange Abwesenheit des früher sehr aktiven Politikers nährte erneut Gerüchte über seinen Gesundheitszustand. Drnovsek kämpft seit 1999 mit einer Krebserkrankung. Seit ihm eine Niere entfernt wurde, vertraut er auf alternative Heilmethoden.

Die Zeitung "Delo" schrieb, die Öffentlichkeit habe das Recht zu wissen, wie es mit der Gesundheit von direkt gewählten Persönlichkeiten auf Staatspositionen stehe. Doch Drnovsek blockt gerade diese Frage seit Jahren immer wieder ab: "Ich fühle mich gesund, also bin ich gesund."

Durch seine Wandlung von einem Technokraten zu einem Umweltschützer und Buddhisten wollte Drnovsek offenbar ein Zeichen setzen. Er gründete eine Bewegung für "Gerechtigkeit und Entwicklung" und schrieb Bücher über den Sinn des Lebens. Er sprach von den Problemen seines Landes, der fehlenden Toleranz gegenüber Randgruppen und Minderheiten, dem übertriebenen Konsum, den Leiden der Menschen in den Krisenregionen der Welt. Ende vergangenen Jahres gab er auch zu, dass er der außereheliche Vater einer heute 26-jährigen Komponistin ist.

Das bescherte ihm Sympathie in Kreisen, die ihm früher misstraut hatten, setzte ihn aber auf Konfrontationskurs mit ehemaligen Mitstreitern - vor allem mit der Mitte-Rechts-Regierung seines Widersachers Janez Jansa. Drnovsek bezeichnete den Regierungschef als einen "Anführer der Bösen".

Nach mehreren Konflikten mit der Regierung nahm sich Drnovsek zunehmend zurück: Er verwarf Gerüchte über eine neue Präsidentschaftskandidatur, boykottierte die offizielle Staatsfeier zum Unabhängigkeitstag Ende Juni, trat sogar als Präsident seiner Bewegung zurück und verzichtete fortan auf das Schreiben seiner Blogs im Internet. Dies war bis dahin sein regelmäßigster Kommunikationsweg mit der Öffentlichkeit gewesen.

son/dpa



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