Asyl-Sucher Snowden: Der unsichtbare Star von Scheremetjewo

Geht es für Snowden von Moskau bald nach Mittelamerika? Zur Großansicht
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Geht es für Snowden von Moskau bald nach Mittelamerika?

Nach zwei Wochen im Moskauer Flughafen werden Edwards Snowdens Aussichten auf eine Ausreise immer besser: Nach Venezuela und Nicaragua hat ihm nun auch Bolivien Asyl angeboten. Am Flughafen ist Snowden mittlerweile zu einer Art Attraktion geworden - wenn auch einer unsichtbaren.

Ist Edward Snowdens Zeit im Transitbereich des Moskauer Flughafens bald vorbei? Für den ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter, der die größte Serie an Enthüllungen über Abhörprogramme der USA und anderen Ländern ermöglicht hat, bieten sich immer mehr Optionen, wo er Unterschlupf finden könnte: Nach Venezuela und Nicaragua hat ihm nun auch Bolivien Asyl angeboten.

Bolivien werde Snowden Zuflucht gewähren, wenn dieser einen Asylantrag in dem Land stelle, sagte der bolivianische Präsident Evo Morales bei einer Rede in Oruro am Samstag. Einer bolivianischen Regierungsmaschine mit Morales an Bord war in der Nacht zum Mittwoch der Überflug über mehrere europäische Länder verweigert worden, weil Snowden an Bord vermutet worden war. Das aus Moskau kommende Flugzeug musste in Wien notlanden und durfte erst 13 Stunden später nach einer Durchsuchung weiterfliegen. Morales zeigte sich zutiefst erbost und sagte, der Verdacht sei völlig abwegig gewesen.

Der Vorfall hatte international scharfe Kritik hervorgerufen. Nach Angaben der Enthüllungsplattform WikiLeaks hat Snowden in 27 Staaten um Asyl angefragt, bisher hatte er aber vor allem Absagen erhalten, darunter auch eine aus Deutschland. Der 30-Jährige hält sich aller Wahrscheinlichkeit nach seit rund zwei Wochen im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf.

Von Aeroflot mit Essen versorgt?

In Scheremetjewo ist Snowden längst zu einem beliebten Phantom geworden. Reisende, die sich im Transitbereich aufhalten, haben es sich zur sportlichen Aufgabe gemacht, ein Foto des Flüchtigen zu erhaschen - allerdings, so scheint es, noch ohne Erfolg. Wie Snowden sich mit Essen versorgt, schläft und sich wäscht, gibt den Reisenden Rätsel auf: "Das W-Lan ist katastrophal, die Preise grauenvoll, und keiner der Leute hier lächelt", sagte ein Tourist der Nachrichtenagentur Reuters. "Meinen Respekt, dass er es überhaupt 24 Stunden hier durchgehalten hat, geschweige denn zwei Wochen. Ich an seiner Stelle hätte einen Gerichtsprozess vorgezogen."

Die Flughafenmitarbeiterin Olga Samsonowa, die seit 18 Jahren als Kellnerin in Scheremetjewo tätig ist, spekulierte gegenüber Reuters, dass Snowden Essen von der russischen Fluggesellschaft Aeroflot erhalte. "Ich kann nichts über den Geschmack sagen, aber es ist nahrhaft, mehr oder weniger. Und du kriegst Joghurt von ihnen zum Frühstück." Samsonowa erzählte auch, dass sie schon erlebt habe, wie Dutzende von Leute - vor allem Asylsuchende - zeitweise Unterschlupf im Flughafen gefunden hätten. Eine iranische Frau habe sogar fast ein Jahr dort verbracht, bevor sie Asyl in Kanada erhalten habe. "Wenigstens gibt es hier viele Sitzmöglichkeiten", sagte Samsonowa. Ob Edward Snowden die noch länger brauchen wird, ist seit den Angeboten aus Mittel- und Südamerika unklarer denn je.

hpi/Reuters/afp

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insgesamt 39 Beiträge
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1. .
zwecklaus 06.07.2013
Zitat von sysopNach zwei Wochen im Moskauer Flughafen werden Edwards Snowdens Aussichten auf eine Ausreise immer besser: Nach Venezuela und Nicaragua hat ihm nun auch Bolivien Asyl angeboten. Am Flughafen ist Snowden mittlerweile zu einer Art Attraktion geworden - wenn auch einer unsichtbaren. Snowden: Asylangebot jetzt auch aus Bolivien - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/snowden-asylangebot-jetzt-auch-aus-bolivien-a-909825.html)
Snowden hat das besagte Terminal laengst verlassen. Im Raumanzug. Als Leiche. Im Sarg? :-)
2.
herbert_schwakowiak 06.07.2013
Abgesehen von der Angabe des Ex-Geheimdienstlers Putin gibt es keinerlei Bestätigung von unabhängigen Quellen, dass Snowden in Moskau ist, auch keiner der Passagiere des Flugs aus Hongkong hat ihn gesehen... Wenn ich in Hongkong wäre und der mächtigste Geheimdienstapparat der Welt wäre hinter mir her, würde ich auf keinen Fall ein Flugzeug nehmen, sondern eher ein unauffälliges Fischerboot... Vielleicht macht er ja grade eine Südseekreuzfahrt und kommt in zwei Wochen in Südamerika an ...
3. Inzwischen kennen wir sogar noch mehr Hintergründe …
Dr.pol.Emik 06.07.2013
… rätseln doch bis heute noch viele Menschen wie es zu dem Vorfall mit Morales kommen konnte, sicherlich auch ein Umstand der Snowden und Südamerika weiter zusammenbringt. Ok, auch wenn das Wissen nicht ganz so genau ist, so scheint der humoristische Ansatz zur Lösung des Debakels aber nicht abwegig zu sein. Demnach handelte es sich um einen russischen Intelligenztest den Obama und seine Schergen offenbar vergeigt haben: Überflugverbot für Obama in Südamerika, Europa und Asien nach Morales Eklat (http://qpress.de/2013/07/04/uberflugverbot-fur-obama-sudamerika-europa-und-asien-nach-morales-eklat/) … mit interessanten virtuellen Folgen. Und so werden wir (anders als Obama und die alten Kollegen von Snowden) noch eine Menge Freude an dem Drama - oder doch besser Posse - haben … (°!°)
4. Phantomjagd
uchawi 06.07.2013
Zitat von sysopWie Snowden sich mit Essen versorgt, schläft und sich wäscht, gibt den Reisenden Rätsel auf ...[/url]
Aber auch nur, wenn man so naiv ist zu glauben, dass Snowden tatsächlich in Moskau ist (oder jemals war). Aber was soll's. Ich gönn den Russen und ihren Fluggästen den Spaß.
5. Notlandung
spon-1290982200348 06.07.2013
"Das aus Moskau kommende Flugzeug musste in Wien notlanden". Aber Herr SPIEGEL, das war eine außerplanmäßige Landung. Oder gab es etwa einen MAYDAY Ruf der Piloten?
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