Snowden-Dokumente Briten betreiben Spionage-Basis im Nahen Osten

Der britische Geheimdienst unterhält im Nahen Osten offenbar eine bisher unbekannte Abhörstation. Agenten fangen dort Telefonate und Online-Daten aus Unterwasserkabeln ab, berichtet der "Independent".

Abhöranlagen des GCHQ (in Großbritannien): Basis auch im Nahen Osten
REUTERS

Abhöranlagen des GCHQ (in Großbritannien): Basis auch im Nahen Osten


London - Die britische Regierung hatte zuletzt einiges getan, um weitere Enthüllungen über die Umtriebe ihrer Agenten und Spione zu verhindern. Offenbar erfolglos, wie ein aktueller Bericht des britischen "Independent" nahelegt. Auf Basis des Datenschatzes des Whistleblowers Edward Snowden meldet die Zeitung am Freitag, dass Großbritannien im Nahen Osten eine bisher nicht bekannte Spionagebasis unterhält.

Den genauen Ort der Station veröffentlicht das Blatt nicht. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass dieser in den Datensätzen des früheren US-Geheimdienstmanns Snowden durchaus zu finden ist.

Laut Informationen des "Independent" ist die Basis ein Teil des "Tempora"-Netzwerks, mit dem der Geheimdienst GCHQ weltweit auf digitale Kommunikationsdaten zugreifen will. Durch die Lage in der Krisenregion Naher Osten wird die Basis offenbar als ein Schlüsselelement im Kampf gegen den Terror eingestuft.

Unter anderem zapfen die Briten dort Unterwasser-Glasfaserkabel an, durch die große Teile der Online-Kommunikation in dem Gebiet gehen. Laut "Independent" werden die dort übermittelten Daten an das GCHQ-Hauptquartier im britischen Cheltenham weitergeleitet. Aber auch der US-Geheimdienst NSA soll Zugriff auf die Informationen erhalten.

Errichtet wurde die Station unter Aufsicht des früheren Außenministers David Miliband. Dieser war bis 2010 im Amt. Er hat GCHQ dem Bericht zufolge autorisiert, Daten aus bestimmten Themenfeldern zu sammeln. Dazu gehören unter anderem "politische Absichten fremder Mächte", Terrorismus und schwere Finanzvergehen. Bei der Wahl ihrer konkreten Abhörziele seien die Agenten dann laut "Independent" aber vergleichsweise frei gewesen.

Keine Reaktion aus der Regierung Cameron

Bisher hat sich die britische Regierung nicht zu der neuen Enthüllung in der Ausspähaffäre um GCHQ und NSA geäußert.

Anfang der Woche war bekannt geworden, dass die britischen Sicherheitsbehörden auch vor Schikane gegen Journalisten nicht zurückschrecken. Wie "Guardian"-Chefredakteur Alan Rusbridger am Dienstag mitteilte, hat der britische Geheimdienst GCHQ die Redaktion dazu aufgefordert, Festplatten mit sensiblen Informationen entweder herauszugeben oder zu zerstören.

Wie der "Independent" am folgenden Tag berichtete, soll Großbritanniens Premierminister David Cameron persönlich veranlasst haben, Druck auf die Redaktion auszuüben.

jok



insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
regensommer 23.08.2013
1.
Da die Daten von dieser Abhörstation weiter übertragen werden würde ich mich vor lachen kringeln wenn ein anderer Geheimdienst diese Daten mit abhört.
Kurt Isane 23.08.2013
2. Bilderauswahl
Warum werden bei Themen zum Abhören immer Bilder von Sattelitenschüsseln gezeigt? Bitte beim zuständigen Redakteur mal nachfragen, wie es möglich ist, Glasfaserkabel mit Hilfe von Sattelitenantennen abzuhören?
Palisanderbond 23.08.2013
3. Warum
wurde eigentlich noch nicht darüber berichtet aus welchen Herrschaften der "unabhängige" NSA Untersuchungsausschuss besteht von dem Obama noch vor 2 Wochen laut getönt hat? Die Liste ist ja wohl ein Witz? Aber man müsste wahrscheinlich bereits eine eigene Zeitung gründen die sich dann nur mit diesem Thema beschäftigen könnte, so umfangreich sind die Enthüllungen und Nachrichten die uns da täglich serviert werden. Man könnte meinen es gibt bald den NSA Overkill. Könnte ja auch ne Strategie in deren Zentrale sein. Füttere die Medien mit soviel zu dem Thema das der kleine Bürger automatisch die Büchse der Pandora wieder schliesst. So jedenfalls reagieren bereits einige meiner Bekannten. Die können das leider schon nicht mehr hören. Es ist eben wie mit jeder News. Du musst die Sau nur lange genug durchs Dorf treiben, dann regt sich bald keiner mehr darüber auf.
backtoblack 23.08.2013
4. Lob
Zitat von sysopREUTERSDer britische Geheimdienst unterhält im Nahen Osten offenbar eine bisher unbekannte Abhörstation. Agenten fangen dort Telefonate und Onlinedaten aus Unterwasserkabeln ab, berichtet der "Independent". http://www.spiegel.de/politik/ausland/snowden-dokumente-briten-betreiben-spionage-basis-in-nahost-a-918184.html
Ein Lob dem "Guardian" und dem "Independent", dass sie dem staatlichen Druck stand halten und einfach weitermachen. Schön auch die jüngste Erkenntnis, dass sich Labour und die Tories in Sachen Schnüffelei in nichts unterscheiden. Hatte ich ohnehion nicht vermutet.
Rosa3000 23.08.2013
5. Lasst mal die Kirche im Dorf
Also dass ein Spionagedienst im Ausland spioniert und sich dabei moderner Mittel bedient, ist nun wirklich keine Überraschung mehr und auch keine Headline Wert. Wir wollen doch hoffen, dass der BND nicht auch noch dazu zu blöd ist.
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