Kritik an Exil-Regierung Snowden fühlt sich in Russland unwohl

Der US-Whistleblower Edward Snowden übt scharfe Kritik an der beschränkten Meinungsfreiheit in Russland. Die Regierung in Moskau versuche "immer mehr die Gedanken der Menschen zu kontrollieren". Gerne würde er sein Exil verlassen.

Edward Snowden (Archiv): "Politischer Fehler"
REUTERS

Edward Snowden (Archiv): "Politischer Fehler"


Der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden hat einen neuen Preis für Meinungsfreiheit erhalten - und die Gelegenheit genutzt, sein Asylland Russland zu kritisieren. Vor allem die zunehmende Kontrolle des Internets sei "frustrierend und enttäuschend", sagte Snowden per Videoschaltung bei einer Preisverleihung in Norwegen. Der 32-Jährige wurde in Mölde mit dem Björnson-Preis für Meinungsfreiheit ausgezeichnet.

Die russische Regierung versuche, "immer mehr das Internet zu kontrollieren, immer mehr die Gedanken der Menschen zu kontrollieren", sagte Snowden vor den Mitgliedern der norwegischen Akademie für Literatur und Meinungsfreiheit.

Auch ins Privatleben wolle der Staat eingreifen und unter anderem "entscheiden, welches die richtige Art ist, wie Menschen sich gegenseitig ihre Liebe erklären". Die Kontrolle des Internets sei aber "ein politischer Fehler" und "grundsätzlich falsch".

Fragt jemand, wo er wohnt, antwortet er "im Internet"

Snowden erinnerte zugleich daran, dass es nicht seine Entscheidung gewesen sei, nach Russland zu gehen. Er sei nur in Moskau auf der Durchreise gewesen. "Leider wurde mein Pass eingefroren, er wurde von den USA annulliert." Er habe in 21 Ländern Asyl beantragt, sagte Snowden. "Sie sind alle still geblieben." Russland sei einer der letzten Staaten gewesen, bei dem er damals angefragt habe.

Snowden hatte als externer IT-Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA Dokumente über die weltweiten Überwachungsprogramme an sich gebracht und über Journalisten veröffentlichen lassen. Dies brachte das riesige Ausmaß der weltweiten US-Spähaktivitäten ans Licht. Derzeit hält sich Snowden in Russland auf, das ihm Asyl gewährte. In seiner Heimat droht ihm ein Prozess wegen Spionage und Geheimnisverrats.

Er bekräftigte, dass er lieber wieder in den USA leben würde. Er sei trotz seines Lebens im Exil aber froh, überhaupt frei zu sein. "Ich hatte erwartet, im Gefängnis zu sitzen", sagte er. In Russland könne er zumindest normal leben und auch frei seine Meinung äußern. Das liege wohl hauptsächlich daran, dass er vor allem online kommuniziere. "Wenn mich Leute fragen, wo ich wohne, ist die ehrlichste Antwort: im Internet", sagte Snowden.

yes/AFP

insgesamt 162 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
jjcamera 06.09.2015
1. Immerhin
Immerhin kann er mit einem Computer umgehen und spricht Englisch. Solche Leute brauchen wir.
akkulader 06.09.2015
2. Wir sollten uns was schämen!
Einer der größten Freiheitskämpfer unserer Zeit und wird lassen uns von den USA unterdrücken und nehmen ihn nicht auf. Die Geschichtsschreibung wird uns verhöhnen.
From7000islands 06.09.2015
3. Internet ist nirgendwo
Die Familie unserer Kanzlerin flüchtete einst wegen Verletzung bundesdeutscher Gesetze in die DDR, den Antipoden des Westens. So auch Snowden, der offenbar von einem Reinheits Fanatismus betroffen ist. Extreme wie Snowdon können die Gesellschaft verändern - für die einen ein Lichtblick, für die anderen eine Gefahr. Snowden macht den Fehler, nicht zu erkennen, wie im zeitlichen Abstand auch mittelmässige Dinge (das Leben in den USA) sich ins Schöne verklären. Sollte Snowden in die USA gehen, wird er zunächst 10 Jahre im Gefängnis zu tun haben, seine Entscheidung zu bereuen. Danach ist Snowdon ein gebrochener Mann.
marthaimschnee 06.09.2015
4.
Kommt ein Mann zum Arzt und sagt "Herr Doktor, ich hab Husten". Antwortet der Arzt "Alles ok, das ist normal" denn merke: Normal ist, was alle machen! Und man wird wohl keinen Ort der Welt mehr finden, an dem man nicht bespitzelt, überwacht und damit unterdrückt wird. Zumindest nicht, solange man nicht jeden Kontakt zur Zivilisation abbrechen möchte. Und selbst dann werden die einem noch versuchen nachzuschnüffeln!
flieger56 06.09.2015
5.
Es wird höchste Zeit,daß die Bundesregierung ein Zeichen setzt und einen wirklich politisch Verfolgten Asyl gewährt.Herr Snoden wäre eine Bereicherung für Deutschland.Er könnte dem BND und der Kanzlerin erklären,wie das "Neuland"funtioniert. Hier sind Merkel und Gauck gefragt,gerade Gauck,der immer soviel von Freiheit schwafelt. Leider wird es bei dieser US-hörigen Regierung nur ein Traum bleiben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.