NSA-Enthüller Snowden sollte mit Evo Morales aus Moskau fliehen

WikiLeaks wollte im Juli 2013 Edward Snowden geheim aus Russland ausfliegen lassen. Der Whistleblower sollte zusammen mit dem bolivianischen Staatschef Evo Morales nach Lateinamerika reisen, wie Julian Assange nun verriet.

Edward Snowden (Archiv): Flucht nach Lateinamerika geplant
REUTERS

Edward Snowden (Archiv): Flucht nach Lateinamerika geplant


Im Sommer 2013 saß NSA-Enthüller Edward Snowden wochenlang auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo fest. Die USA hatten seinen Reisepass ungültig gemacht, Snowden bat in 21 Ländern weltweit um Asyl. Die Enthüllungsplattform WikiLeaks plante damals, Snowden aus Russland geheim ausfliegen zu lassen. Dies gab WikiLeaks-Gründer Julian Assange in einem am Sonntag veröffentlichten Gespräch mit der bolivianischen Zeitung "El Deber" bekannt.

"Wir erörterten zunächst die Möglichkeit, Snowden im Flugzeug des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro auszufliegen", sagte Assange der Zeitung in der ecuadorianischen Botschaft in London. Da die Maschine Maduros vom US-Geheimdienst beobachtet worden sei, sei in Betracht gezogen worden, Snowden im Flugzeug von Morales nach Lateinamerika zu fliegen. Beide Präsidenten befanden sich zu einer Konferenz in der russischen Hauptstadt.

Der Plan sei aufgegeben worden, als klar wurde, dass europäische Regierungen den Überflug der Maschine von Morales sperren wollten. Das bolivianische Präsidentenflugzeug wurde damals in Wien zu einer Zwischenlandung gezwungen.

Erst nachdem klar war, dass Snowden sich nicht an Bord befand, durfte Morales weiterfliegen. Bolivien machte damals die USA für den Vorfall verantwortlich. Morales hatte öffentlich erklärt, er sei bereit, Snowden Asyl zu gewähren.

Anfang August 2013 erhielt Snowden eine Aufenthaltsgenehmigung von Russland. Diese wurde 2014 um drei Jahre verlängert.

kha/dpa

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insgesamt 69 Beiträge
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humptata 31.08.2015
1. Die Empörung über die Sperrung
des europäischen Luftraumes für die Maschine eines Staatspräsidenten, die mit einem genehmigten Flugplan unterwegs war, hält sich in der westlichen Welt im Rahmen. In einem sehr kleinen Rahmen. Besonders auch in unserer freien, unabhängigen Presse. Hätte es sich ein Staat des anderen Blocks, sagen wir mal Russland, erlaubt, die Maschine eines westlichen Staatsoberhauptes zur Landung zu zwingen, wäre der #Aufschrei beim SPIEGEL wahrscheinlich etwas lauter ausgefallen
DenkZweiMalNach 31.08.2015
2. EU ist Hampelmann der USA
Der Deutsche regt sich über alles auf. Über die katholische Kirche, über die geplante Mautgebühr und über nicht vorhandene Willkommenskultur bei einigen Landsleuten. Vor den wirklichen Problemen werden dagegen die Augen fest verschlossen. Die Destabilisierung vieler Länder durch die USA und als Folge Völkerwanderungen und all die rechtsfreien Räume für die Supermacht will man nicht sehen.
werner-brösel 31.08.2015
3. Wär doch mal ein Riesenspaß
nächstes mal Air Force 1 irgendwo zur Landung zu zwingen.... ...oder wenigstens Merkels Regierungsmaschinchen.....
go-west 31.08.2015
4. Kerlchen,
irgendwann kriegen sie Dich doch. Ich hoffe jedenfalls schwer, daß dieser Verräter, der zumindest indirekt Regimes wie dem in Moskau zuspielt, seiner Strafe nicht entgeht.
toisdorf 31.08.2015
5. erlaubt von nsa/kanzleramt?
Wohl kaum.
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