Kritik an Whistleblower Snowden verteidigt Teilnahme an Putins TV-Audienz

Edward Snowden muss für seinen Video-Auftritt bei der TV-Audienz des russischen Präsidenten viel Kritik einstecken. Auf Twitter nennen User ihn bereits "Putins Pudel". Jetzt wehrt sich der Whistleblower im "Guardian".

REUTERS

Moskau - Snowdens Kurzauftritt im russischen Fernsehen schien viele Befürchtungen zu bestätigen: Am Donnerstag wurde der amerikanische Whistleblower, der das weltumspannende Spionageprogramm von US- und britischen Geheimdiensten aufdeckte, in eine TV-Fragestunde des russischen Präsidenten zugeschaltet.

Snowden, der aus den USA geflüchtet ist, lebt zurzeit in Russland. Lässt sich der Whistleblower nun also für Putins Zwecke instrumentalisieren, macht er gar "Marketing" für Russlands Präsidenten, wie es auf Twitter hieß? Christoph Amend, Chefredakteur des "Zeit-Magazins", nannte Snowden zum Beispiel "Putin's poodle" und fügte noch hinzu "Poor Snowden".

Jetzt reagiert Snowden mit einem Beitrag im "Guardian": Er habe an der TV-Sendung teilgenommen, weil sich der russische Präsident genauso wie US-Präsident Barack Obama für die massenhafte Überwachung seiner Bürger verantworten müsse.

Snowden hatte Putin am Donnerstag gefragt, ob Russland die Kommunikationsdaten von Millionen Menschen abfängt und diese speichert. Der Präsident hatte darauf geantwortet: Sein Land setze bestimmte Mittel ein, um Telefongespräche abzuhören und Internetkommunikation abzufangen. "Dies passiert aber nur mit gerichtlicher Zustimmung", beteuerte Putin. "So etwas wie in den USA kann es bei uns nicht geben." Eine massenhafte und unkontrollierte Ausspähung finde in Russland nicht statt.

Dies bezweifelt Snowden, wie er in seinem Artikel im "Guardian" schreibt. "Es gibt ernsthafte Unstimmigkeiten in seinem (Putins - d. Red.) Dementi."

Der US-Amerikaner lebt seit vergangenem Jahr an einem geheimen Ort in Moskau. Russland hatte ihm nach seiner Flucht im vergangenen Jahr Asyl gewährt. Die USA wollen Snowden verhaften und ihm den Prozess machen.

Kritiker monieren, dass Snowden für den Aufenthalt in Russland seinen Preis zahlen müsse - der Auftritt in Putins wohlinszenierter Fernsehsendung sei möglicherweise einer davon. Snowden weist dies zurück: Er schreibt, er habe Moskau "keine Treue geschworen".

"Ich war überrascht, dass Menschen, die mir bestätigten, dass ich mein Leben riskiert habe, als ich die Überwachungspraktiken meines Landes aufdeckte, nicht glauben konnten, dass ich auch die Abhörpolitik Russlands kritisieren könnte", schreibt Snowden.

"Ich bedauere, dass meine Frage missverstanden werden könnte", ergänzt der Whistleblower. Ihm sei es darum gegangen, eine Möglichkeit für Journalisten zu schaffen, Putins Aussage zu überprüfen. "Wenn wir den Wahrheitsgehalt der Behauptungen von Amtsträgern prüfen wollen, müssen wir ihnen die Möglichkeit geben, sich zu äußern."

Russische Menschenrechtler beklagen immer wieder, dass unter Putin die Vollmachten der Geheimdienste in den vergangenen Jahren systematisch ausgeweitet worden seien, die Dienste außerhalb des Rechts agierten.

heb

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 436 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
cryn 18.04.2014
1.
Lächellich die in Putins Pudel nennen.. irgendwie muss man ja der USA Parolie bieten..
hobbyleser 18.04.2014
2. Klärung
Der Teufel steckt eben im Detail. Ich vermute einmal, dass die Vorverurteilungen Snowdens von Leuten kamen, die ihn eh für den schlimmsten Verbrecher seit Al Capone halten und einer Menge von Leuten, die das Interview nicht einmal gesehen, dafür aber eine ganze Menge Meinung darüber haben.
cioddi 18.04.2014
3. optional
Es besteht kein Zweifel, dass Russland in dem gleichen Maße überwachen würde wenn der großteil des weltweiten Internet Traffics über russische Server laufen würde. Alles was Russische Geheimdienste in die Finger kriegen nehmen sie auch. Genauso wie alle anderen Geheimdienste auch. Weil das nunmal ihr Job ist.
max_schwalbe 18.04.2014
4. Snowden bleibt glaubwürdig
Einer, der seinen ganzen Wohlstand und Sicherheiten über Bord warf um die Welt vor einer großen Gefahr zu warnen, dem vertraue ich. Egal, was er wo sagt. Snowden würde eher am Galgen baumeln als sich von Putin für falsche Zwecke instrumentalisieren zu lassen. Da bin ich mir sicher.
ralfhro1 18.04.2014
5. verlogenheit
Es ist erbärmlich. Der ganze sogenannte demokratisch Westen unterwirft sich ehrfürchtig den USA und wird sich auch noch über Snowden beschwert. Hätten wir den Arsch in der Hose gehabt, ihm bei uns Asyl zu gewähren, müsste sich auch keiner künstlich aufregen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.