Söldner Blackwaters Schlacht an der Heimatfront

Die US-Sicherheitsfirma Blackwater träumt von der Privatisierung des Krieges im Irak. Doch nach dem grausamen Tod von vier Söldnern werfen ihr Angehörige Inkompetenz und Profitgier vor. Blackwaters entscheidende Schlacht wird jetzt an der Heimatfront geschlagen.

Von Georg Mascolo, Washington


Washington - Die Firma Blackwater Security Consulting in North Carolina sieht sich gern als die Zukunft des Krieges. Gerade erst hat der Branchenriese angekündigt, künftig eine ganze Brigade Soldaten auf die Schlachtfelder der Erde zu entsenden. Im Auftrag von Regierungen, der EU oder der Nato könnten sie nach dem Willen der Firma eine Stadt im Irak, oder die Darfur-Region befrieden. Eine Blauhelm-GmbH mit eigenem medizinischem Dienst und Logistik für die Truppe. Schneller, günstiger und ebenso professionell wie die Militärapparate der Nationalstaaten, verspricht das Firmenmanagement.

Falludscha, März 2004: Schändung der Leichen von Blackwater-Mitarbeitern
AP

Falludscha, März 2004: Schändung der Leichen von Blackwater-Mitarbeitern

Nur ist Blackwaters kühner Traum von der Privatisierung des Krieges bedroht. Ausgerechnet der Einsatz, der die Firma im März 2004 mit einem Schlag weltbekannt machte, hat ein juristisches Nachspiel. Damals verirrten sich vier Angestellte der Firma in der sunnitischen Hochburg Falludscha im Irak und wurden erschossen. Grausam verstümmelt wurden die Leichen auf einer Brücke über dem Euphrat zur Schau gestellt. Jetzt behaupten die Familienangehörigen der Toten, dass Inkompetenz und Profitgier der Firma zu ihrem Tod führten. Wie professionell Blackwater wirklich ist, wollen sie vor Gericht klären lassen. Blackwaters entscheidende Schlacht findet an der Heimatfront statt. Das Magazin "The Nation" hat den Vorfall in Falludscha kürzlich rekonstruiert.

Einer der Ermordeten war Scott Helvenston, 38, eine Legende der Navy-Seals, einer Eliteeinheit der US-Streitkräfte. Helvenston, dessen Großonkel Kriegsminister der USA war. Mit 17 schaffte er als bis dahin jüngster Seal die Aufnahmeprüfung. Zwölf Jahre diente er in der Truppe, dann schlug er sich mit Fitnessvideos und als Hollywood-Consultant durch. Zu seinen Kunden gehörte Demi Moore, die er für das B-Movie "GI-Jane" trainierte.

Reserveeinheit der Supermacht

Bagdad (Archiv) Ein Hubschrauber der Sicherheitsfirma kreuzt über der irakischen Hauptstadt
AFP

Bagdad (Archiv) Ein Hubschrauber der Sicherheitsfirma kreuzt über der irakischen Hauptstadt

Helvenston glaubte an Bushs Irak-Feldzug und nach seiner Scheidung brauchte er Geld. 2004 heuerte er bei Blackwater an. Die Firma war groß ins boomende Irak-Geschäft eingestiegen; sie kann auf hunderte ehemalige Kämpfer der Spezialeinheiten, auf FBI- und CIA-Agenten zugreifen. Blackwater versteht sich als so etwas wie die privatwirtschaftliche Reserveeinheit der Supermacht, seine Angestellten lässt der konservative Firmenchef und Ex-Seal Erik Prince einen Eid auf die US-Verfassung ablegen.

Zu Blackwaters Aufgaben zählte es Bodyguards für den damaligen US-Zivilverwalter Paul Bremer zu stellen - Helvenston setzte darauf, dass er diesem Kommando zugeteilt würde. Stattdessen wurde er zum Schutz von Konvois mit Küchenequipment für die US-Armee abkommandiert. Blackwater hatte damals dem Konkurrenten "Control Risk" den lukrativen Vertrag abgenommen, Helvenston sollte die Transporte von Kuwait in den Irak sichern.

Die Familien der Toten behaupten, dass die vier noch leben würden, wenn Blackwater nicht aus Sorglosigkeit und aus Profitgier die besprochenen Einsatzbedingungen abgeändert hätte. So sollen ursprünglich gepanzerte Fahrzeuge vorgesehen gewesen sein, dazu ein Schnellfeuergewehr, mit dem sich aus der Heckklappe feuern lässt. Nach Angaben der Anwälte der Opfer-Familien aber wurde später nur ein weniger leistungsfähiges Gewehr eingebaut, die Wagen waren ungepanzert. Und statt der versprochenen drei Mann pro Fahrzeug sei die Begleitung im letzten Moment auf zwei reduziert worden. Nicht einmal eine anständige Karte soll das Kommando besessen haben.

"Huren des Krieges"

Helvenston soll sich beim Blackwater-Management über die Unprofessionalität seines Vorgesetzten in Kuwait beklagt haben. Angeblich war er mit dem schon in North Carolina aneinandergeraten, als er dessen Trainingsmethoden kritisierte. "Das sind die Huren des Krieges", sagt Helvenstons Mutter Katy. "Sie haben keine Werte, sie haben keine Moral", sagte sie "The Nation".

Die Vorwürfe sind gravierend und bewiesen sind sie bisher nicht. Blackwater hat vergeblich versucht den Prozess zu verhindern. Man müsse die Ehre "unserer gefallenen Kameraden" schützen, wurde den Familien erklärt, aber ein firmeninterner Report über den Tod am Euphrat blieb unter Verschluss. Dem Gericht hat die Firma inzwischen Papiere vorgelegt, nach denen ihre Sicherheitskräfte ausdrücklich auf die "feindseligen und ausserordentlich gefährlichen" Arbeitsbedingungen hingewiesen wurden.

Helvenston und seine drei Kameraden gehören zu inzwischen mindestens 428 Zivilisten, die im Dienst von Blackwater und all den anderen Firmen gestorben sind. Gezahlt hat in solchen Fällen bisher nur die US-Regierung, die per Gesetz einspringen muss, wenn diese zur Unterstützung von Militäraktionen im Ausland angeheuert wurden. Die Garantie für ihre Toten nicht zahlen zu müssen, steht jetzt auf dem Prüfstand und angstvoll verfolgt die gesamte Branche den Ausgang. Ein Urteil auf Schadensersatz würde nicht nur den kühnen Träumen von Blackwater schwer schaden.



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