Somalische Miliz: Islamisten provozieren Hollande mit Foto von totem Soldaten

Es ist eine grausige Botschaft an die französische Regierung: Die somalischen Schabab-Rebellen haben Fotos ins Netz gestellt, die einen getöteten Elitesoldaten zeigen sollen. Dazu spotten sie über dessen Kreuzschmuck - und schicken die Frage an Präsident Hollande: "War es das wert?"

Toter französischer Soldat: Drohung und Spott per Tweet Fotos
AFP

Mogadischu/Paris - Der Mann trägt eine Tarnhose, sein Hemd ist blutgetränkt. Mit drastischen Aufnahmen provoziert die Schabab-Miliz die französische Regierung. Am Montag veröffentlichte die somalische Gruppe über den Kurzmitteilungsdienst Twitter drei Fotos. Diese sollen nach Angaben der Miliz einen bei einer missglückten Geiselbefreiung erschossenen französischen Soldaten zeigen.

Um den Leichnam des Elitesoldaten sind Waffen und andere Ausrüstungsgegenstände drapiert, zwischen seinen Beinen liegt ein Armeehelm. Auf allen Bildern ist der Halsschmuck des Mannes zu sehen - ein silbernes Kreuz. Das Foto kommentieren die Rebellen mit dem Satz: "Die Wiederkehr der Kreuzritter. Doch auch sein Kreuz konnte ihn nicht vor dem Schwert bewahren."

Der Tote ist einer von zwei Soldaten der französischen Armee, die am Samstagmorgen ums Leben gekommen waren. Ziel der gescheiterten Aktion war die Befreiung der Geisel Denis Allex. Auch dieser war vermutlich bei dem nächtlichen Einsatz getötet worden. Die Islamisten beharren dagegen, dass die Geisel noch am Leben ist.

In einem weiteren Tweet wenden sich die Schabab-Kämpfer direkt an den französischen Präsidenten: "François Hollande, war es das wert?" Frankreichs Regierung war offenbar vorgewarnt. Einige Stunden vor der Veröffentlichung hatte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian erklärt, die Schabab plane eine "makabre und geschmacklose" Zurschaustellung.

Offiziell ist aber noch nicht bestätigt, dass es sich bei der Person tatsächlich um einen französischen Soldaten handelt.

Der französische Geheimdienstagent Allex war am 14. Juli 2009 gemeinsam mit einem Kollegen entführt worden. Dem Kollegen gelang später die Flucht. Nach offiziellen Angaben waren die beiden Männer an der Ausbildung der somalischen Polizei und Präsidentengarde beteiligt. Bei dem Namen Denis Allex handelt es sich womöglich um einen Decknamen.

Die Schabab-Miliz hat in der Vergangenheit in Somalia zahlreiche Anschläge verübt. Sie versucht seit Jahren, im Süden des Landes einen islamischen Staat zu errichten und bekämpft die Übergangsregierung in Mogadischu.

Neben den kurzen Tweets gibt es noch eine längere Stellungnahme der Schabab. Darin behauptet die Gruppe, "noch viele weitere" Soldaten aus Frankreich seien verletzt worden. Auch dies ist bisher allerdings nicht offiziell bestätigt.

jok/AP

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