Somalia Deutscher Islamist schloss sich Terrorgruppe an

Der aus Bonn stammende Islamist Andreas M. hat sich der radikalislamischen somalischen Schabab-Miliz angeschlossen. Dem "Stern" zufolge bestätigte ein ranghohes Mitglied der Gruppe seine Anwesenheit. Die Eltern des Mannes appellieren an den 40-Jährigen, sich zu melden.


Hamburg - Andreas M. ist offenbar bereits seit dem Herbst des vergangenen Jahres in Afrika. Nach seinem Untertauchen schloss er sich laut "Stern" der radikalislamischen somalischen Schabab-Miliz an. Der Sprecher der Gruppe, Scheich Ali Mohammed Rage, sagte dem Magazin, M. alias "Ahmed" sei "Gottes Mudschaheddin, und er ist hier, um unsere Religion zu schützen". Der 40-jährige Deutsche sei wegen einer Ausbildung bei der Schabab-Miliz nach Somalia gekommen.

Dem Bericht zufolge bestätigte die Gruppe damit erstmals Mitgliedschaft und Lageraufenthalt von M. Zu dessen gegenwärtigem Aufenthalt äußerte sich der Sprecher nicht. M. stehe samt Frau und Kind "unter Schutz". Früheren Medienberichten zufolge war M. im Spätsommer 2011 zusammen mit seiner aus Eritrea stammenden Ehefrau und seinem Kind aus Deutschland ausgereist.

Polizeibehörden in Kenia fahnden seit dem 12. Mai nach dem deutschen Konvertiten. Kenianischen Sicherheitsbehörden zufolge soll M. zuletzt illegal von Somalia nach Kenia eingereist sein. Berichten zufolge wird er verdächtigt, am 29. April an einem Anschlag auf eine Kirche in Ngara bei Nairobi beteiligt gewesen zu sein. Dabei sollen zwei Menschen getötet und 15 verletzt worden seien. Der Mann sei vermutlich bewaffnet und verfüge möglicherweise über Informationen zu bevorstehenden Terroranschlägen der Schabab-Miliz.

"Andy, bitte melde dich"

Die Eltern von Andreas M. riefen ihn auf, den Verdacht auszuräumen. In der "Zeit" wandten sie sich direkt an ihn: "Andy, bitte melde dich öffentlich und sage, dass du nicht in Kenia bist und mit dem Anschlag nichts zu tun hast." Die Eltern sind überzeugt, dass ihr Sohn zum Zeitpunkt der Tat nicht in Kenia war. Dem Bericht zufolge hatte er sich Anfang Mai aus Somalia gemeldet.

Die Schabab-Miliz kontrolliert große Teile des Zentrums und Südens Somalias. Sie ist mit dem internationalen Terrornetzwerk al-Qaida verbündet. Die Miliz hat bereits mehrfach Touristen in dem beliebten Urlaubsziel Kenia entführt und ins benachbarte Somalia verschleppt.

ler/AFP

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insgesamt 3 Beiträge
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neu_ab 23.05.2012
1. Konvertiten ...
sind wohl die schlimmsten. Die versuchen, noch imämlicher als der Imam zu sein. Gibt es eigentlich eine klare Definition, was der Unterschied ist zwischen "normalem" Islam & dem "Islamismus"? Meiner Meinung nach bleibt nämlich eine klare Distanzierung, etwa durch die hierzulande üblichen Islamverbände weitgehend aus.
ozdemir 24.05.2012
2. marionetten
Mehr und mehr nicht wissende geraten in die falschen kreise. Oft haben sie keine ahnung was sie machen. Sie führen lediglich befehle aus.
Emil Peisker 24.05.2012
3. die ihre Vernunft nicht gebrauchen mögen
Zitat von neu_absind wohl die schlimmsten. Die versuchen, noch imämlicher als der Imam zu sein. Gibt es eigentlich eine klare Definition, was der Unterschied ist zwischen "normalem" Islam & dem "Islamismus"? Meiner Meinung nach bleibt nämlich eine klare Distanzierung, etwa durch die hierzulande üblichen Islamverbände weitgehend aus.
Werter neu_ab Der Koran ist die Quelle der Islamisten. Sie übertragen ihre politisch religiösen Vorstellungen auf die Ebene, in der die Suren des Korans interpretiert werden. Der Koran spiegelt die Sitten, Gebräuche, Umgangsformen wieder, die in der vorkoranischen Zeit entstanden sind. Zudem nimmt der Koran zu in einem großen Teil des Werkes Bezug auf die jüdischen Schriften und auf die Vorgänge im Neuen Testament. Der Koran, und damit Mohammed, nimmt für sich in Anspruch, dass der Gott der Juden und der Christen Allah ist, und betreibt eine selektierende und neu interpretierende Betrachtung der "heiligen Schriften" Die Islamisten setzen diese Interpretationen mit extremer Radikalität zum politischen Kampf ein. Voraussetzung für Konvertiten ist nun, den Koran und seine Handlungsanweisungen im Wortlaut zu kennen. Dann erfolgt die entsprechende Radikalisierung dadurch, dass die Handlungsanweisungen aus dem 7. Jahrhundert, wegen der unbedingten wörtlichen Befolgung der entsprechenden Suren, zu den Fehlschlüssen führt. Dass Konflikte im Jahre 2012 mittlerweile anders gelöst werden können, als im 7. Jahrhundert, ist den Islamisten, die eh' politisch und gesetzlich vereinbarte Strukturen als oberste Handlungsmaxime ablehnen, völlig schnuppe. Der Konvertit, der in der Regel weniger wegen der Suche nach einer erklärenden Religion radikal wird, sondern eher wegen heftiger Brüche in seiner Vita, findet nun eine religion, die ihm eine legale Möglichkeit bietet, das System, das er für sein pesönliches Scheitern verantwortlich macht, mit Hass und Gewalt zu bekämpfen. Der in Deutschland lebende friedliche Muslim, der vernunftgesteuert ist, wird die Aussagen des Korans, insbesondere die aus den Konfliktjahren der Gründerzeit, nicht auf die Jetztzeit übertragen. Und viele Tausend Imame in der Türkei z.B., erläutern diese Suren auch für Demokratien verständlich, auf eine Weise, die Metaphern einsetzt, um die Handlungsanweisungen auf den Stand der Zivilisation des 21. Jahrhunderts zu transponieren. Das Problem, dass der Koran in seinen verschiedenen Kapiteln zum gleichen Bereich unterschiedliche Stellungen bezieht, ist dem Umstand geschuldet, dass die Botschaft zu unterschiedlichen Zeiten aufgezeichnet wurde. So unterscheiden sich bei den Suren aus der Medina und der Mekkazeit der Ton und die Ansprache in Bezug auf Buchbesitzer, und Nichtbuchbesitzer heftig. Und wenn man sich dann die Sure Jonas 100 anschaut, dann könnte sie fast für dien Knvertiten gedacht sein: Niemandem steht es zu, zu glauben, es sei denn mit Allahs Erlaubnis Er sendet (Seinen) Zorn über jene, die ihre Vernunft nicht gebrauchen mögen.
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