Somalia Massenflucht aus Mogadischu

Exodus aus der somalischen Hauptstadt: Fast 90.000 Menschen sind wegen neu aufgeflammter Kämpfe in Mogadischu auf der Flucht. Ganze Stadtviertel sind bereits entvölkert. Internationale Helfer haben nur schwer Zugang zu den Hilfsbedürftigen.


Mogadischu – Es sind die schwersten Kämpfe seit April. Islamische Aufständische und verbündete somalische und äthiopische Truppen liegen miteinander im Clinch. Ein Machtmonopol gibt es nicht: Seit dem Sturz von Machthaber Mohamed Siad Barre im Jahr 1991 ist Somalia ohne funktionierende Zentralregierung.

Auszug: Einwohner Mogadischus verlassen die Stadt
AFP

Auszug: Einwohner Mogadischus verlassen die Stadt

Nach Angaben der Uno sind rund 88.000 Menschen aus Mogadischu geflohen. Immer wieder würden verzweifelte Somalier gegen die Zerstörung der Stadt protestieren und um Hilfe der internationalen Gemeinschaft flehen, erklärte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR.

Die Vereinten Nationen und internationale Hilfsorganisationen warnen vor einer Eskalation der Gewalt und einer humanitären Krise im Land. Christian Balslev-Olesen, Uno-Koordinator für Humanitäre Maßnahmen in dem Land am Horn von Afrika, rief die Konfliktparteien dazu auf, den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten und humanitären Organisationen sicheren Zugang zu Flüchtlingen und anderen Notleidenden zu ermöglichen. "Das schulden wir dem somalischen Volk, das schon zu lange und zu viel gelitten hat", schreibt Balslev-Olesen in einem offenen Brief. Inzwischen seien insgesamt mehr als 800.000 Menschen geflohen und 1,5 Millionen benötigten humanitäre Hilfe.

Vor zwei Tagen hatten bereits 40 internationale Hilfsorganisationen in einem gemeinsamen Appell gewarnt, sie hätten kaum noch Zugang zu ihren Schützlingen. Nach den schweren Kämpfen am Wochenende in der somalischen Hauptstadt Mogadischu und dem Rücktritt von Regierungschef Ali Mohammed Ghedi Anfang der Woche habe sich die Lage weiter destabilisiert. "Wir können nicht abseits stehen, während tausende Kinder und ihre Familien eine der schlimmsten humanitären Katastrophen der Gegenwart erleiden", sagte Graham Davison, Programmdirektor für Somalia beim christlichen Hilfswerk World Vision.

Im Dezember 2006 hatten Soldaten der somalischen Übergangsregierung mit Hilfe äthiopischer Truppen die Vorherrschaft der Islamisten in dem vom Bürgerkrieg verwüsteten Land am Horn von Afrika gebrochen. Seitdem liefern sich islamistische Milizen sowie örtliche Clans einen Guerillakrieg mit den von Äthiopien unterstützten Truppen der schwachen Übergangsregierung. Eine Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AU) soll für Ordnung sorgen.

Bis jetzt ist aber nur ein kleiner Teil der geplanten 8000 AU-Soldaten in Somalia eingetroffen.

asc/AP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.