Somalia Massenflucht vor dem Hungertod

Es ist eine Hungersnot, wie sie die Welt selten zuvor gesehen hat. Täglich fliehen Tausende Menschen aus Somalia, um dem Tod zu entkommen. Doch viele sind so schwach, dass sie in den Flüchtlingslagern nicht gerettet werden können. Selbst die krisenerprobten Helfer sind geschockt.


New York - Es sind immer die Schwächsten, die zuerst sterben: Kinder, Alte, Kranke. Und unter den somalischen Dürreflüchtlingen gibt es besonders viele Schwache, weil es schon so lange nicht genug zu essen gibt. Die Sterblichkeit ist nach Uno-Angaben deutlich höher als in anderen Krisen.

Die Situation in dem äthiopischen Flüchtlingslager Dolo Ado, in das Tausende Somalier vor der Dürre in ihrem Land geflohen sind, sei furchtbar, sagte Paul Spiegel vom Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Dienstag in Genf. In dem Lager leben mehr als 100.000 Flüchtlinge, die überwiegend aus Somalia kommen. Im Juni seien im Schnitt täglich mehr als 70 Menschen im Lager gestorben, sagte der Leiter der Abteilung für öffentliche Gesundheit.

Dies liegt deutlich über der normalen Sterblichkeitsrate in Sub-Sahara-Afrika von 0,5 pro 10.000 Menschen. Selbst in Krisenzeiten herrscht sonst höchstens eine Sterblichkeitsrate von 1,0. Doch dieses Mal ist es viel, viel schlimmer. Nach Uno-Kriterien herrscht eine Hungersnot, wenn die Sterblichkeitsrate über die Grenze von zwei Toten pro 10.000 Menschen am Tag steigt und wenn 30 Prozent der Bevölkerung einer Region von den Folgen der Hungersnot betroffen sind.

Tausende fliehen über die Grenzen

Rund 4000 Menschen fliehen nach Schätzungen der Vereinten Nationen täglich aus Somalia, um Kämpfen und Hunger zu entgehen. "Somalia hat die gefährliche Mischung aus Trockenheit und Gewalt", erklärte der UNHCR-Experte Raouf Mazou. Die Menschen brauchten neben Nahrung und ärztlicher Hilfe auch Asyl. Äthiopien und Kenia hielten ihre Grenzen dazu beispielhaft offen.

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Hungersnot in Ostafrika: Das Leid der Kinder
Spiegel führte aus, er sei "völlig erschlagen" von dem, was er vor Ort gerade gesehen habe. "Die Lage in Dolo Ado ist grässlich", sagte er. Mehr als die Hälfte der Kinder sei unterernährt.

Bereits zuvor hatte Unicef einen dringlichen Appell an die Weltgemeinschaft gerichtet: Das Kinderhilfswerk der Uno fürchtet, dass wegen der schweren Dürre am Horn von Afrika 500.000 Kinder sterben könnten. Viele Menschen seien zu schwach, um sich in andere Gebiete zu retten.

Allerdings sieht die Uno laut Spiegel auch Anzeichen für eine Verbesserung der Lage. So bewirke die internationale Hilfe, dass Menschen davon hörten und deswegen die Krisenregionen verließen, bevor sie große Schwächeanzeichen zeigten. UNHCR-Sprecher Adrian Edwards verwies darauf, dass seine Organisation den Menschen in Somalia direkt helfen wolle, bevor diese in die überfüllten Flüchtlingslager aufbrächen. Auch würden die Flüchtlingsströme genau beobachtet, so dass ebenfalls Hilfe gezielt zu den Menschen gebracht werden könne.

Somalia leidet nach Angaben der kirchlichen Hilfswerke Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas International unter der schlimmsten Hungersnot seit 60 Jahren. "Die Brunnen in den Dörfern sind versiegt, die Vorräte sind aufgebraucht, und die Tiere sterben", berichten Helfer in einer Mitteilung der beiden Organisationen. "Die Trockenheit zerstört alles." In Ostafrika sind dem Bündnis "Deutschland hilft" zufolge insgesamt elf Millionen Menschen auf der Flucht vor Dürre, Hunger und Bürgerkrieg.

Die Schabab-Miliz hatte jahrelang in den von ihr kontrollierten Gebieten ausländischen Helfern die Arbeit verboten, unter dem Eindruck der Hungerkatastrophe ihre Haltung jedoch geändert. Erstmals seit zwei Jahren hatten die Vereinten Nationen am Sonntag wieder eine Lieferung in die von der Miliz kontrollierten Gebiete Somalias gebracht. Unicef bereite weitere Lieferungen vor.

ler/dpa/AFP



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insgesamt 147 Beiträge
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Seite 1
linksdummer 19.07.2011
1. Man muss es leider ganz brutal sagen...
Jeder Cent Hilfe bedeutet in kurzer Zeit einen Hungernden mehr. Das ist eben Afrika.
heuwender 19.07.2011
2. glaube mir...
Zitat von sysopEs ist eine Hungersnot, wie sie die Welt selten zuvor gesehen hat. Täglich fliehen Tausende Menschen aus Somalia, um dem Tod zu entkommen.*Doch viele sind so schwach, dass sie*in den Flüchtlingslagern nicht gerettet werden können. Selbst die krisenerprobten*Helfer sind geschockt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,775345,00.html
die über 30 Millionen Euro,welche der Papstbesuch in Deutschland mindestens kostet,wären hier besser angebracht. Aber die scheinheilige Kirche mit den Kindervernaschern und dem Pontifex der noch im dunklen Mittelalter lebt,wird das nie und nimmer begreifen,denn das nennt man christliche Nächstenliebe.Moral ist,wenn man keine hat..Amen Urbi et Orbi
chico 76 19.07.2011
3. Dass
Zitat von sysopEs ist eine Hungersnot, wie sie die Welt selten zuvor gesehen hat. Täglich fliehen Tausende Menschen aus Somalia, um dem Tod zu entkommen.*Doch viele sind so schwach, dass sie*in den Flüchtlingslagern nicht gerettet werden können. Selbst die krisenerprobten*Helfer sind geschockt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,775345,00.html
zur selben Zeit linksgerichtete "Helfer" Hilfsgüter zu den gutsortierten Märkten im Gaza bringen wollten, ist eine Schande. Wer spricht da von Gutmenschen? Bringt eben mehr Publizität, darauf kam es wohl an. Humanität geht anders, ideologiebefreit eben.
outdoor 19.07.2011
4. Sehr gut
Zitat von heuwenderdie über 30 Millionen Euro,welche der Papstbesuch in Deutschland mindestens kostet,wären hier besser angebracht. Aber die scheinheilige Kirche mit den Kindervernaschern und dem Pontifex der noch im dunklen Mittelalter lebt,wird das nie und nimmer begreifen,denn das nennt man christliche Nächstenliebe.Moral ist,wenn man keine hat..Amen Urbi et Orbi
Gut, damit hätten wir das Kirchenbashing in diesem Thread auch hinter uns gebracht. Immerhin ist in der katholischen Kirche der Kindesmissbrauch verboten und nicht wie zum Beispiel im Islam erlaubt. Da heiratet man einfach Neunjährige und schon passt es.
Cassus 19.07.2011
5. Libyen ist nicht in Ostafrika
Die armen libyschen Revolutionäre bekommen mal eben Milliarden und Ostafrika eine läppische Million (von unserer Regierung). Traurig.
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