Küste vor Somalia Piraten geben gekaperten Öltanker wieder frei

Somalische Piraten haben den Öltanker "Aris 13" und die acht Besatzungsmitglieder wieder frei gelassen. Die Männer hatten das Schiff am Mittwoch gekapert. Lösegeld ist offenbar nicht geflossen.

Archivaufnahme des entführten Öltankers "Aris 13"
AP

Archivaufnahme des entführten Öltankers "Aris 13"


Somalische Piraten haben vor der Küste Somalias einen Öltanker und die acht Crew-Mitglieder aus Sri Lanka wieder freigelassen. Das bestätigten ein somalischer Sicherheitsbeamter und die Piraten. Die Männer hatten das Schiff am Mittwoch gekapert. Es war der erste Überfall auf ein Frachtschiff seit 2012, die Situation galt eigentlich als befriedet.

Damit ist die Entführung überraschend schnell zu Ende gegangen, Lösegeld sei nicht gezahlt worden. Die Familien der Crew hatten unter Tränen die Piraten angefleht, die Gefangenen unverletzt frei zu lassen. Bei vorherigen Überfällen auf Frachtschiffen blieb die Besatzung häufig über Jahre in Gefangenschaft. Acht Iraner werden noch immer festgehalten.

Vor der Befreiung hatten sich die Piraten und Kräfte der Marine einen Schusswechsel geliefert. "Nach den Schüssen am Nachmittag hat es Verhandlungen mit den Piraten gegeben. Wir haben dann unsere Kräfte zurückgezogen und die Piraten sind verschwunden" sagte Abdirahman Mohamud Hassan von der maritimen Polizei für Somalias halbautonome nördliche Region Puntland.

Angehörige eines der entführten Crew-Mitglieder
AFP

Angehörige eines der entführten Crew-Mitglieder

Die Piraten sagten den Behörden, dass sie das Schiff gekapert hätten, um gegen illegale Fischerei zu protestieren, die den Menschen in der Region die Lebensgrundlage entziehe. Es sei nicht um Lösegeld gegangen.

Ein Pirat bestätigte, dass kein Lösegeld gezahlt worden sei. Demnach sollen die Entführer auch auf Lösegeld verzichtet haben, nachdem sie erfahren hatten, dass das Schiff für somalische Geschäftsleute Öl von von Dschibuti nach Somalia bringen sollte. Sie wollten offenbar nicht in Konflikt mit den einflussreichen Geschäftsmännern geraten. "Nachdem wir erfahren haben, dass somalische Händler den Öltanker gemietet haben, haben wir es ohne Bedingung freigelassen", sagte Pirat Abdullahi gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Somalia liegt an einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, die vom Mittelmeer über den Suezkanal ins Rote Meer und den Golf von Aden in den Indischen Ozean führt. Die EU startete Ende 2008 ihre Anti-Piraten-Mission "Atalanta". Das bislang letzte Handelsschiff wurde 2012 vor Somalia von Piraten angegriffen.

Ein Experte sagte, in der Region seien die Vorsichtmaßnahmen zuletzt teils laxer geworden. Im Oktober 2016 warnten die Vereinten Nationen, dass die Situation fragil sei und somalische Piraten "die Absicht und die Fähigkeit besitzen, die Angriffe wieder aufzunehmen".

koe/Reuters/AP



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unky 16.03.2017
1. Ursachen der Piraterie?
Eine - ich betone: eine - der Ursachen der Piraterie ist das Leerfischen der Ozeane durch die riesigen Fischfangflotten der westlichen Länder. Dadurch wurde den einheimischen Fischern die Lebensgrundlage entzogen. Wenn es keinen fairen Welthandel gibt, werden die Konflikte allerorten noch zunehmen.
lies.das 17.03.2017
2.
Zu fast jeder Lösegeld-Verhandlung gehört die Abmachung, jede Lösegeld-Zahlung zu dementieren: "Es wurde kein Lösegeld bezahlt" - wie auch jetzt. Sonst würden sich die Verhandler ja in ihren Heimatländern politisch angreifbar machen, wenn die Lösegeldhöhe bekannt würde. So aber gelten sie als "geschickte Verhandler". So ein Geld-Transfer läuft stets über mehrere Mittelsmänner des jeweiligen Vertrauens, um Spuren zu den Piraten zu verwischen, um die Piraten vor Sanktionen und Verfolgung schützen. Die Vermittler schöpfen dann profitabel ihrerseits einen Teil des Lösegeldes ab Auch das gehört (automatisch) zu jeder Abmachung. Beispiel: Beim Geiselfreikauf auf Jolo/Philippinen ( 23 Geiseln, darunter die deutsche Familie Wallert) behauptete die deutsche Regierung, sie habe - an die Abu-Sayyaff-Rebellen - kein Lösegeld bezahlt. Das Geld (c. 30 Millionen Dollar für 23 Geiseln) wurde allerdings vorab durch Seif Gaddafis "Charity" ausgelegt - und erst später vom deutschen Staat an den libyschen Präsidentensohn zurückbezahlt. Alles als Ergebnis diplomatischer Verhandlungen, die Medien bekamen das nicht mit. Als phlippinischer Geld-Transporteur zu den Abu Sayyaff wurde der Bruder des dortigen Präsidenten eingesetzt. (d.h. "...unser Präsident hat nichts bezahlt"). Später ließen sich die Abu Sayyaff mit dicken Geldbündeln fotografieren - und schworen dem Vermittler Rache, weil das Lösegeld gegen gefäschte philippinische Banknoten ausgetauscht worden war. So ähnlich laufen fast alle Lösegeld-Verhandlungen mit Piraten - das Dementi gehört dazu. Dass der deutsche Segler kürzlich von den Abu Sayaff hingerichtet worden ist, deutet erneut auf betrügerische Lösegeld-Vermittler hin.
studibaas 17.03.2017
3. Die Fischbstände vor Ort...
Sind tatsäclich überfischt, teils legal, teils illegal, aber vor allem nicht von den lokal ansässigen Fischern. Ebenso werden dort Chemikalien verkappt (schöner Begriff für illegale Sondermüllentsorgung im Wasser). Hinzu kommt ein sowieso völlig instabiles Land, dass die ausländischen krminellen Aktivitäten nicht unterbindet. All das rechtfertigt keine Piraterie, aber es erkärt die Ursachen.
dreamrohr2 17.03.2017
4.
Piraten geben gekaperten Tanker wieder frei... Was ein Wunder, nachdem die mitgekriegt haben, dass der Schrottpreis für diesen Müll nichts wert ist und es leider wahrscheinlich mit Altöl unterwegs war. Für mich klar eine Finte des Reeders, wollte der doch das Ding billig weg haben, kassiert der doch mehr von der Versicherung, als wenn er diesen Tanker selbst entsorgen müsste... Geschäftsmodell auf Kosten aller....
jujo 17.03.2017
5. ...
Die Fangflotten des Westens/Europas fischen dort schon lange nicht mehr. Ich habe an der Ostküste Afrikas seinerzeit fast nur Ostblockflaggen an den großen Trawlern und Verarbeitungsschiffen gesehen, seit Anfang der neunziger war das auch zu Ende. Dort fischen jetzt nur noch Asiaten in Massen, Koreaner, Japaner und Chinesen. Wir haben auch von den, für uns, Billigstpreisen auf den Märkten von Mombasa und Daressalam profitiert. kostete doch ein kilo Jumboprawns 3-4 US$, in (West)Deutschland ca 80-100 DM. Ich muss ehrlich zugeben wir haben uns über die Folgen und Auswirkungen seinerzeit keine Gedanken gemacht, aber wer tat das schon?
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