Nach Online-Abstimmung Juncker will Zeitumstellung in der EU kippen

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will die Zeitumstellung in der EU zwischen Winter- und Sommerzeit kippen. Zuvor hatten Millionen Menschen für eine Abschaffung abgestimmt.

Zeitumstellung
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EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker legt sich fest: Nachdem viele Bürger in der Union sich dafür ausgesprochen haben, die Umstellung wieder abzuschaffen, werde das nun auch gemacht, sagte er im ZDF. Er werde in der Kommission für die Abschaffung werben.

"Das werden wir heute beschließen", sagte er mit Blick auf die laufende Kommissionsklausur. Es wäre sinnlos, die Menschen erst zu einem Thema zu befragen, und dann, wenn es einem nicht passe, dem nicht zu folgen. In einer EU-Umfrage zur Sommerzeit hatten sich mehr als 80 Prozent der Teilnehmer dafür ausgesprochen, die Zeitumstellung abzuschaffen. (Hier erfahren Sie mehr darüber, ob man die Zeitumstellung einfach so abschaffen kann)

Die Online-Befragung war in Deutschland auf besonderes Interesse gestoßen. Von den 4,6 Millionen Teilnehmern kamen rund drei Millionen aus der Bundesrepublik. Den Auftrag zur Prüfung der Sommerzeit hatte das Europaparlament im Frühjahr erteilt. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) befürwortet die Abschaffung der Zeitumstellung.

In Deutschland gibt es die Sommerzeit seit 1980. Seit 1996 stellen die Menschen in allen EU-Ländern die Uhren am letzten Sonntag im März eine Stunde vor und am letzten Oktober-Sonntag wieder eine Stunde zurück. Eigentlich soll das Tageslicht besser genutzt und dadurch Energie gespart werden. Der tatsächliche Nutzen ist umstritten.

Erstmals eingeführt wurde die Sommerzeit in Deutschland während des Ersten Weltkriegs. Zwischen den Weltkriegen und nach dem Zweiten Weltkrieg schaffte man die Umstellung jedoch wieder ab. Erst 1980 wurde sie mit dem Ziel, das Tageslicht besser zu nutzen, erneut eingeführt.

dop/Reuters/dpa



insgesamt 376 Beiträge
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travelflo 31.08.2018
1. Sonnenaufgang 3:40 im Sommer
... dafür früher dunkel - was bringt das? Oder alternativ Sonnenuntergang im Winter schon 14:40. Warum möchte man das? Früher, ohne Uhren, ist man im Winter dem Biorhythmus entsprechend später aufgestanden. Heute hilft uns die Zeitumstellung dabei den Biorhythmus zu entlasten. Warum will man das abschaffen? Welchen Vorteil soll das bringen, der diese großen Nachteile aufwiegt?
srinivasa.r.aiyangar 31.08.2018
2. Bei Normalzeit bleiben!
Aber bitte keine dauerhafte Umstellung auf die nahöstliche Zeitzone UTC+2, denn nichts anderes ist die sog. "Sommerzeit". Aber die Südeuropäer werden das schon zu verhindern wissen, weil sie keine Lust haben, dass dann bei ihnen im Winter die Sonne erst um 9:30 Uhr aufgeht.
danielc. 31.08.2018
3. Utc
Der Vereinfachung halber wäre ich dafür UTC als Standard einzuführen. Dann wären Einstellungen von digitalen Geräten um eine kleine Stufe erleichtert. Die Biergärten hätten dann keinen Ärger mehr wegen Lärm nach zehn Uhr abends. Das Büro könnte man bei Bedarf bereits um 6 öffnen.
oldsiamsir 31.08.2018
4.
Mit den genannten Optionen ("spart Stromkosten" vs. "ist überflüssig") findet schon eine heftige Manipulation statt. Die Energieargumente sind doch lange widerlegt. Aber mir hilft es gar nicht, dass morgens vor halb fünf die Sonne aufgeht, dafür um halb neun unter. Lieber habe ich es abends länger hell. Auch handelt es sich bei der Befragung durch die EU um eine vollkommen unverbindliche Meinungserhebung. Wenn die EU zu wichtigeren Themen mal fragen stellen würde, wäre Herr Juncker dann auch vorne mit dabei, die "Mehrheitsmeinung" sofort umzusetzen?
pe_portandus 31.08.2018
5.
Sorry, aber ein Verfahren, das nicht repräsentativ ist, zur Grundlage einer solchen Entscheidung zu machen? Habe ich was verpasst? Ist dies nicht eher der Versuch, Volksnähe zu demonstrieren? Diese Entscheidung erlebe ich als Brüsseler Zentralismus (den ich sonst nicht geißele)!
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