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Sorge vor Aufstand: Saudi-Arabien verbietet Kundgebungen

Die Nervosität am Golf ist groß: Aus Furcht vor Aufständen hat die Regierung in Saudi-Arabien ein Demonstrationsverbot erlassen. Wer sich widersetzt, muss mit harten Reaktionen rechnen.

Saudi-Arabiens König Abdullah: Proteste der schiitischen Minderheit im Land Zur Großansicht
REUTERS

Saudi-Arabiens König Abdullah: Proteste der schiitischen Minderheit im Land

Riad - Die saudi-arabische Regierung will dem Aufkeimen größerer Proteste im Land entgegenwirken. Darum hat sie ein Kundgebungs- und Demonstrationsverbot erlassen. Die anschließende Drohung ist unverhohlen: Die Sicherheitskräfte würden mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln Versuche unterbinden, die öffentliche Ordnung zu gefährden, berichtete das staatliche Fernsehen unter Berufung auf das Innenministerium.

Zuvor hatte es kleinere Protestkundgebungen der schiitischen Minderheit im östlichen Teil des Landes gegeben. Die Demonstranten forderten in erster Linie die Freilassung Gefangener. Sie werfen der Regierung vor, Menschen seit längerem ohne Aussicht auf einen Prozess festzuhalten.

Die schiitische Minderheit lebt vor allem im ölreichen Osten des Königreiches. Dort grenzt das Land an Bahrain, wo es zu schweren Zusammenstößen zwischen Sunniten und Schiiten kam. In Saudi-Arabien klagt die schiitische Minderheit über Benachteiligungen, etwa wenn es um die Vergabe von Jobs geht. Die monarchische Führung des Landes bestreitet dies. Die Regierung versucht auch, die Bevölkerung mit einem Wohlfahrtsprogramm zu beschwichtigen. Geschätzte Höhe der Maßnahmen: 36 Milliarden Dollar.

Angesichts der Unruhen in zahlreichen arabischen Ländern schauen Händler besorgt auf die Region. Proteste in Saudi-Arabien könnten schwerwiegende Folgen für die Preise auf dem Rohstoffmarkt haben, denn das Opec-Mitglied ist der weltweit größte Ölexporteur. Zuletzt hatte das Land seine Förderung ausgeweitet, um Anlegerpanik vorzubeugen.

mmq/Reuters

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insgesamt 35 Beiträge
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1. Die jungen Saudis werden sich erheben ...
rkinfo 05.03.2011
Zitat von sysopDie Nervosität am Golf ist groß: Aus Furcht vor Aufständen hat die Regierung in Saudi-Arabien ein Demonstrationsverbot erlassen. Wer sich widersetzt, muss mit harten Reaktionen rechnen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,749279,00.html
Weil eben anderswo Revolten der Jugend stattfinden UND die freikapitalistischen Spekulanten den Ölpreis hoch jagen wird der Wohlstandsabstand in Saudi-Arabien immer unerträglich höher. Wir haben dort 20% Jugendarbeitslosigkeit was fast zwangsläugig Revolten auslösen wird. Zudem ist der Blutzoll aus Tunesien, Ägypten und Libyen nun auch eine Frage der arabische Ehre für die Freiheit zu kämpfen. Wer nicht aufsteht ist eine Feigling - Albtraum in der islamischen Welt. Die Abenddämmerung der alten Ölwelt ist nahe ... incl. Ende für Super E5 und Zukunft Biosprit.
2. Saudi Arabien Lybien Mexiko
founder 05.03.2011
Die wichtigsten Fragen zu Saudi Arabien Wie nahe ist Saudi Arabien an Lybien? Wie nahe ist Saudi Arabien an Mexico. Mexiko erreichte den Höhepunkt der Ölförderung 2003, seit damals geht die Ölproduktion von Mexico dramatisch zurück. Wegen enormer Vergeudung steigt ja auch ständig der Eigenbedarf am Erdöl. 2009 als der Chefökonom der IEA seine dramaitsche Ölprognose (http://politik.pege.org/2009-d/liste.htm) machte war bei Saudi Arabien nur die Gefahr, daß der Ölhahn versiegt. Jetzt haben wir noch die Aussichten auf Unruhen. Doch was wird getan um unabhägnig vom Öl zu werden? * 10% der Bevölkerung auf Elektroroller * Förderung Elektroautos * Ausbau Hochgeschwindigkeistsbahenneht Das machen jedenfalls Länder die das Menschenrecht auf Zukunft ernst nehmen (http://politik.pege.org/2010-menschenrechte/zukunft.htm).
3. Oha..
r2d2_robo_beep 05.03.2011
Zitat von sysopDie Nervosität am Golf ist groß: Aus Furcht vor Aufständen hat die Regierung in Saudi-Arabien ein Demonstrationsverbot erlassen. Wer sich widersetzt, muss mit harten Reaktionen rechnen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,749279,00.html
Was sagt unser möchtegern Friedensnobelpreisträger im Weissen Haus zu dieser Menschenrechtsverletzung? Ich hoffe, es gibt eine harsche Reaktion und die Einrichtung einer Flugverbotszone über Saudi Arabien. Ist Demokratie (un)teilbar?.
4. Hm,
hilfloser, 05.03.2011
die Drohungen das Demonstranten mit der vollen Härte des Gesetzes und der Polizei zu rechnen hätten klang auch bei Gaddafi genau so. Nun sind die Saudis nicht wirklich arm und der Bevölkerung geht es verhältnissmäßig gut, aber vielleicht lebt der Mensch doch nicht nur vom Brot allein. Ein innerer Impuls, ein Trieb sich aus dem Joch der Diktatur zu befreien, sich persönlich entwickeln zu können nach seinen eigenen Möglichkeiten, kurz FREI zu sein, scheint den Menschen weltweit irgendwie ein eingegebener Traum zu sein. Das das ein König von Saudi Arabien nicht verstehen kann oder nicht verstehen will liegt auf der Hand. Mal sehen wie das so weitergeht, es bleibt spannend. Meiner persönlichen Meinung nach macht der Saudikönig den gleichen Fehler wie Gaddafi.
5. Es wirs interessant werden!
Gandhi, 05.03.2011
Denn es ist zu erwarten, dass der dem Wahabbismus ergebe Clan des Herrscherhauses all seine Macht einsetzen wird, um die Schiiten im Osten zum Schweigen zu bringen, davon wird militaerische Macht nicht ausgenommen bleiben. Ob der Westen dann gleich wie bei Libyen den Despoten zum Verzicht auf Gewalt auffordern wird (Vom Machtverzicht will ich gar nicht sprechen)? Ich bezweifle es sehr, nicht nur weil hier gerne (eigentlich immer) mit verschiedener Elle gemessen wird, sondern weil ganz einfach fuer den Westen zu viel auf dem Spiel steht. Demokratie in Suaid-Arabien? Das ist unter den gegebenen Umstaenden kein Thema fuer unsere Demokratieverfechter, denn Demokratie koennte sich sehr nachteilig auswirken (fuer die Sauds und den Westen).
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Grafik: Reservekapazitäten der Opec-Länder


Die Opec
Organisation
1960 gründeten Saudi-Arabien, Iran, Irak, Kuwait und Venezuela die Organisation erdölexportierender Länder. Es galt, die gemeinsamen Interessen gegenüber den Abnehmerstaaten - vornehmlich den Industrienationen aus der westlichen Welt - zu koordinieren. Später schlossen sich Indonesien, Katar, Libyen, die Vereinigten Arabischen Emirate, Algerien und Nigeria der Organisation an. Zuletzt kam Anfang 2007 Angola als Neumitglied hinzu. Zwischenzeitlich waren auch Gabun und Ecuador in der Organisation. Ziel ist eine gemeinsame Ölpolitik, unter anderem um sich gegen einen Preisverfall abzusichern.
Motive
Die weltweite Ausweitung der Ölproduktion nach Enddeckung neuer Ölquellen hatte zu einem drastischen Preisverfall geführt. Das Kartell sollte die Mitglieder nicht nur in die Lage versetzen, den Ölpreis durch Regulierung des Angebots zu steuern; auch die Macht der großen Ölkonzerne galt es zu stutzen, die sich während der Kolonialzeit die Kontrolle über die Ölquellen gesichert hatten und den Großteil der Gewinne kassierten.
Machtfülle
Die zwölf Opec-Mitglieder steuern rund 40 Prozent der weltweiten Erdölförderung bei. Ihr Anteil an den weltweiten Erdölreserven liegt sogar bei gut 75 Prozent. Zweimal pro Jahr treffen sich die Opec-Vertreter am Hauptsitz der Organisation in Wien, um die Förderquoten festzulegen. Die Mitglieder sind verpflichtet, sich an die Vorgaben zu halten. Die Disziplin einzelner Förderländer ließ in der Vergangenheit jedoch mehrfach zu wünschen übrig. Die Organisation hat aufgrund ihrer inneren Zerstrittenheit einen großen Teil ihrer Schlagkraft auf dem Markt eingebüßt.
Konflikte
Wie weit die Macht der Opec einst reichte, zeigte sich eindrucksvoll zu Anfang der siebziger Jahre. 1973 drosselte die Organisation die Erdölproduktion und sorgte durch einen Boykott gegenüber dem Westen für eine Preiserhöhung von fast 400 Prozent. Der Preis pro Barrel erhöhte sich von 2,89 Dollar auf 11,65. Da die Opec-Staaten zu dieser Zeit knapp 55 Prozent des weltweiten Bedarfs förderten, blieben kaum Möglichkeiten, sich dem Preisanstieg zu entziehen. Ende der siebziger Jahre, nach der iranischen Revolution, kam es zu einem zweiten Preisschub: Der Preis stieg mehrmals auf 35 Dollar pro Barrel. Dies verursachte allerdings wesentlich geringere Verwerfungen in den Industriestaaten als noch Anfang der siebziger Jahre.


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