Sotschi Syrische Opposition boykottiert Russlands Friedenskonferenz

Russland, Iran und Türkei wollten beim "Kongress der Völker Syriens" in Sotschi verschiedene Gruppen über eine Friedenslösung beraten. Doch gleich zu Beginn gab es einen Flaggenstreit und einen Boykott.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow
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Russlands Außenminister Sergej Lawrow


Die Hoffnungen auf einen Durchbruch bei der Syrien-Friedenskonferenz im russischen Sotschi wurden schon am Anfang getrübt. Die Oppositions-Delegation boykottierte den so genannten "Kongress der Völker Syriens". Russland habe das Versprechen gebrochen, das Bombardement der Zivilbevölkerung zu stoppen, sagte Delegationsleiter Ahmed Tomah am Flughafen der Schwarzmeerstadt.

Außerdem habe Russland Flaggen und Embleme der syrischen Regierung in Sotschi nicht abgehängt. Seine Delegation werde daher abreisen. Stattdessen werde die türkische Delegation die Forderungen der Opposition in Sotschi vortragen.

Mehrere Delegierte störten die Rede des russischen Außenministers Sergej Lawrow durch Zwischenrufe. Auch sie warfen Russland vor, mit seinen Luftangriffen in Syrien Zivilisten zu töten. Andere Teilnehmer erhoben sich von ihren Plätzen und riefen Lawrow ihre Unterstützung zu.

Russland, die Türkei und Iran treiben seit einiger Zeit einen separaten Friedensprozess voran, der mit einer Konferenz in Astana begonnen hatte. "Die Bedingungen sind gegeben, ein tragisches Kapitel in der Geschichte Syriens zu beenden", schrieb Präsident Wladimir Putin in einem Grußwort für den Kongress.

Parallel dazu laufen unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen in Genf Verhandlungen, die aber seit langem in der Sackgasse stecken.

Die wichtigsten Oppositionsgruppen und westliche Staaten wie die USA, Großbritannien und Frankreich nehmen nicht an den Gesprächen teil. Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian erklärte in Paris, eine Lösung für Syrien könne es nur bei der Uno in Genf geben und nicht in Sotschi.

"Syrien muss sich ändern", sagte die Oppositionelle Randa Kassis am in Sotschi. Eine Rückkehr zu den Verhältnissen vor Beginn der Proteste gegen Assad 2011 sei unmöglich. "Es muss eine neue Regierung geben, bevor wir nach Syrien zurückkehren können", sagte die in Paris lebende Politikerin.

Der Assad-Anhänger Ahmed Kusbari, Mitglied im syrischen Parlament in Damaskus, sah dagegen keinen Platz für exilierte Politiker in einer Friedenslösung. "Unsere Verfassung wird nur von syrischer Hand und auf syrischem Boden geschrieben", sagte er. Westliche Länder sollten aufhören, "terroristische Organisationen zu unterstützen". Assads Führung stempelt alle seine Gegner als Terroristen ab.

als/Reuters/AFP/dpa



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widder58 30.01.2018
1. Überschrift inhaltlich falsch
die syrische Opposition, was immer das auch ist, boykotiert diese Gespräche nicht, sondern lediglich das größte Bündnis und diejenigen, die sich für die Wortführer halten. Zahlreiche kleinere oppositionelle Gruppen nehmen an den Gesprächen teil. Wer sich den Gesprächen verweigert, schießt sich dabei eh nur ins Knie. Die syrischen Oppositionellen haben nicht die Position zu irgendeiner Machtdemonstration.
mobes 30.01.2018
2. Alles nur Dampfplauderer ....
Wer den Frieden aushandelt ist egal. Hauptsache die Kämpfe werden beendet und es werden keine Menschen mehr getötet. Da aber speziell Erdogan sich einen Einfluss auf Syrien erkämpfen will, wird es so schnell keinen Frieden geben.
hansriedl 31.01.2018
3. Die Konferenz ist vorbei
Das Ergebnis: Die Teilnehmer können Einwände und Änderungsvorschläge zur syrischen Verfassung von 2012 vorbringen. Darüber wird im syrischen Parlament diskutiert und vom syrischen Volk abgestimmt. Man will bestimmt keine Kopie von Saudiarabien werden.
Blankoscheck 31.01.2018
4. Selbst Guterres befürwortet die Konferenz in Sotschi
Zentrales Ziel des Treffens war die Bildung einer Kommission, die eine neue Verfassung für Syrien ausarbeiten soll. Dabei orientierte man sich an den Vorgaben der UN-Sicherheitsratsresolution 2254. Die USA mit ihren westlichen Verbündeten Deutschland, Frankreich und England als auch die vom Westen unterstützte, terroristische Opposition inkl. Al Quaida haben da nichts zu suchen.
steinhai 31.01.2018
5. Die Syrische Opposition gibt es nicht.
Was es in Syrien gibt sind eine Menge Ausländische Kräfte die die Befölkerung als Geisel halten und Ihren Willen im Nahem Osten etablieren wollen. Es gab und gibt keine unabhängige Opposition die wirklich aus dem Volk stammt und nicht einer Seite hörig ist. Die USA und Israel haben diesen Krieg angezettelt und einige Gruppen mit Waffen versorgt um in der Region für Chaos zu sorgen und die rechtmäßige Regierung zu stürzen. Damit wollte man gezielt den Einfluss Irans zu Gunsten der Saudis und eben der Westlichen Staaten verändern. Der Plan ging allerdings nicht auf und die so genannte Opposition ist quasi weg vom Fenster. Daher also kein Wunder das die Westlichen Staaten die Friedenskonferenz unter der Leitung Russlands und Iran boikotieren und die so genannte Opposition, lächerliche Gründe zum fernbleiben erfindet. Es ist schon irgendwie traurig mit an zu sehen dass die USA in der ganzen Region nicht einen Krieg den sie angezettelt haben für sich entscheiden konnten und eine Niederlage nach der anderen ertragen müssen. Trump und vorher Obama kann ausser weiterhin die Bevölkerung der Region zu destabilisieren und zu schikanieren nichts erreichen. Wirklich tragisch. Aber auf Dauer werden diese Kriege das eigentliche Ziel, nämlich den konstruierten Israel Staat auch nicht halten können. Alles eine Frage von Zeit!
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