Trump siegt in South Carolina Jetzt wird es ernst

Donald Trump triumphiert, Jeb Bush steigt aus: Die Vorwahl in South Carolina verschiebt die Verhältnisse bei den Republikanern. Auf die Partei wartet jetzt ein brutaler Dreikampf.

REUTERS

Aus Columbia berichtet


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Donald Trump stöhnt. "Ist wirklich nicht einfach, um die Präsidentschaft zu kämpfen", ruft er. "Es ist hart. Es ist fies. Es ist scheußlich." Kurze Pause. "Aber wenn du gewinnst, ist es wunderbar!" Seine Anhänger toben, Trump strahlt.

Gewonnen hat er. Und wie: Zehn Prozentpunkte liegt der Milliardär bei der Vorwahl in South Carolina vor dem Rest des Republikaner-Felds. Es ist Trumps zweiter Sieg in drei Vorwahlen. Die Auftaktschlappe in Iowa? Vergessen. Die Warnung des Papstes? Verpufft. Trump macht den nächsten Schritt zur Präsidentschaftskandidatur seiner Partei. "Wir werden Amerika wieder großartig machen", ruft er. "Ich sage neuerdings sogar: Großartiger als je zuvor!" Trump wie man ihn kennt.

Es ist ein bemerkenswertes Resultat an diesem Samstag - was Trumps Zahlen, aber auch was die Folgen angeht. Der Fernsehstar gewinnt bis auf zwei jeden der 46 Bezirke des Staats. In der in South Carolina so starken Wählergruppe der Evangelikalen gewinnt nicht Rechtsaußen Ted Cruz - sondern er. Und jene Republikaner, die sich einen Outsider als Präsidentschaftskandidat wünschen, entscheiden sich zu 60 Prozent für Trump. Am Ende holt Trump alle Delegiertenstimmen. Es ist ein Durchmarsch für den 69-Jährigen.

Und ein Beben für die Republikaner. Denn der Samstag bringt auch ein bitteres Ende: Jeb Bush, einst der Favorit, gibt nach Monaten Trump'scher Herabwürdigungen auf. Sein Ergebnis ist erneut desaströs, nicht einmal zehn Prozent fährt der Ex-Gouverneur von Florida ein.

"Ich beende heute meine Kampagne"

Mehr als 100 Millionen Dollar sammelten Bush und seine Unterstützer an Spenden. Sie sind verschwendet, verschenkt, verbrannt. "Ich beende heute meine Kampagne", sagt Bush noch am Abend. Seine Stimme stockt, seine Frau Columba weint. Der Ausstieg ist eine Demütigung: Für ihn, den Bush-Clan - und die alte Garde in der Partei. Sie ist, das belegt das Ergebnis in South Carolina, schlicht nicht mehr gewollt. Der Machtwechsel ist eingeleitet.

Jetzt also Trump? Es gibt dafür Argumente. Aber es gibt auch welche dagegen. Natürlich ist der Milliardär in einer guten Position. Er hat eine enorm starke Basis. South Carolina hat gezeigt: Trump kann machen, was er will: Seine Popularität bleibt stabil.

Sein Angriff auf den Papst hat ihm nicht signifikant geschadet. Nicht einmal seine inzwischen als Lüge enttarnte Behauptung, schon vor dem Irakkrieg 2003 gegen den Feldzug gewesen zu sein, scheint seine Anhänger zu irritieren. Glaubwürdigkeit ist nur eine begrenzt relevante Kategorie in der Welt von Donald Trump. Das sollte ein Alarmsignal sein für seine Rivalen. Gewinnt er auch in der kommenden Woche in Nevada, könnte der Super Tuesday am 1. März zum Trump-Tuesday werden.

Und doch wäre es verfrüht anzunehmen, er steuere unaufhaltsam auf die Nominierung zu. Es gibt ein paar Probleme. Ted Cruz gehört eher nicht dazu. South Carolina war für Cruz demografisch wie gemalt: viele Erzkonservative, viele Evangelikale. Dass der rechte Senator aus Texas nur auf Platz drei landete, zeigt, wie wenig er es schafft, Rückhalt in anderen Wählergruppen zu finden.

Bushs Aus könnte Rubios Glück sein

Anders Marco Rubio: Der Senator aus Florida sicherte sich in South Carolina den zweiten Platz, schaffte in fast allen Wählergruppen erstaunlich stabile Ergebnisse. Aber wichtiger noch ist für Rubio der Ausstieg Bushs. Ohne Bush ist eigentlich nur noch er übrig, hinter dem sich die Moderaten in der Partei versammeln können. Rubios Kalkül geht so: Wenn Trump und Ted Cruz sich in den kommenden Staaten die Stimmen der wütenden Republikaner gegenseitig wegnehmen, und er alle Pragmatiker hinter sich versammelt, könnte er vorbeiziehen.

Absurd ist das Szenario nicht. Unter jenen Republikanern, die sich in South Carolina erst in den letzten Tagen entschieden, holte er 30 Prozent - und Trump nur 16 Prozent. Und zählt man alle Stimmen jenseits von Trump und Cruz zusammen, kommt man auf knapp fünfzig Prozent. In South Carolina hätte Rubio lediglich sämtliche Bush-Wähler gebraucht - der Senator wäre mit Trump auf Augenhöhe gewesen. In seiner Rede am Abend buhlt Rubio gleich um die Anhänger seines ehemaligen Mentors. "Ich verehre Jeb Bush und seine Familie", sagt er. Rubio weiß: Er braucht nicht nur Bushs Fans. Er braucht auch dessen Geldgeber.

Es könnte ein heftiger Kampf werden zwischen Rubio und Trump. Jung gegen alt, Politiker gegen Outsider, smart gegen hart. Rubios Problem: Er selbst hat sich mit Cruz auf dem Feld der Einwanderung so sehr duelliert, dass beide gegenseitig ihre Glaubwürdigkeit beschädigten. Nach ihrer Fehde steht Cruz bei den Rechten im Verdacht, nicht entschlossen genug gegen illegale Einwanderung zu sein. Und Rubio muss sich gegen den Vorwurf wehren, seine Haltung in Einwanderungsfragen je nach Zielgruppe zu verändern.

Trump kennt Rubios Schwachpunkt. Kaum sind die Wahllokale in South Carolina geschlossen, setzt der Ex-Casino-Magnat einen Tweet ab. "Erinnert euch", schreibt er: "Rubio ist sehr schwach in Einwanderungsfragen."

Es könnte das Auftaktsignal eines harten Kampfs sein.


Zusammengefasst: Donald Trump gewinnt die wichtige Vorwahl in South Carolina. Sein schärfster Widersacher könnte jetzt Senator Marco Rubio werden, der nach dem Ausstieg von Jeb Bush die Stimmen der moderaten Parteimitglieder auf sich vereinen will. Das Kalkül könnte aufgehen: Unter jenen Republikanern, die sich in South Carolina erst in den letzten Tagen entschieden, holte Rubio 30 Prozent - und Trump nur 16 Prozent.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 91 Beiträge
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Seite 1
filou99 21.02.2016
1. Trump
Ich denke (hoffe), dass wenn die Konservativen wirklich Trump nominieren, ist den Demokraten die Präsidentschaft nicht mehr zu nehmen. Soviel politische Ignoranz, diesen Schwätzer und Selbstdarsteller zum Präsidenten zu wählen traue ich den Amerikanern nicht zu. Falls doch, dann werden wir viel Spass mit der amerikanischen Politik haben.
ChildInTime 21.02.2016
2. Es wäre nett gewesen ,...
,,, den Lesern auch das Wahlergebnis zu verraten, sowas wie Trump x%, Cruz y%, Rubio z%
jkrose 21.02.2016
3. Indem die Amerikaner
solche Idioten wie Trump wählen bestätigen sie jedes Vorurteil. Seltsam, dass Menschen überall auf der Welt solchen Großsprechern zu folgen bereit sind.
karljosef 21.02.2016
4. Ein Demagoge an der Spitze des mächtigsten Staates?
Ein Milliardär, der seinen Reichtum durch "Steuervermeidung" erworben hat, kommt an die Macht? "O tempora, o mores!", sagte Cicero. "Aber wehe, wehe, wehe! Wenn ich auf das Ende sehe!" kam von Wilhelm Busch.
fixik 21.02.2016
5.
Ich würde gerne sehen, dass passiert, wenn Sanders gewinnt. Bisher hatten Linke Politiker das Problem, dass die isoliert wurden und schon deswegen gar keinen Erfolg haben konnten. Jedes Land welches nach Rechts rutscht, wird von anderen Ländern und von der Wirtschaft isoliert. In USA könnten die Linken zum erstem mal faire Chance bekommen. Niemand kann die USA isolieren. Vielleicht können Linke ja doch effektive Wirtschaft aufbauen, wenn die, die gleiche Chancen kriegen.
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