South Carolina Republikanischer Gouverneur bekennt außereheliche Affäre

Eine ganze Woche war er verschwunden - erst spurlos, dann angeblich Wandern in den Appalachen. Jetzt gestand der als nächster republikanischer Präsidentschaftskandidat gehandelte Gouverneur Mark Sanford auf einer skurrilen Pressekonferenz, bei seiner Geliebten in Buenos Aires gewesen zu sein.


Washington - Das Geheimnis um das plötzliche Verschwinden des Gouverneurs des US-Bundesstaates South Carolina ist gelöst: Mark Sanford gestand am Mittwoch bei einer emotionsgeladenen, von vielen US-Fernsehsendern live übertragenen Pressekonferenz in Columbia eine monatelange außereheliche Affäre ein. "Ich habe eine Menge Menschen enttäuscht", sagte der 49 Jahre alte Vater von vier Söhnen.

Gouverneur Sanford: "Ich habe eine Menge Menschen enttäuscht"
AP

Gouverneur Sanford: "Ich habe eine Menge Menschen enttäuscht"

Der republikanische Politiker verkündete seinen Rücktritt vom Vorsitz des Gouverneursverband seiner Partei; sein Amt als Gouverneur will er jedoch weiter ausüben. Allerdings läuft seine zweite Amtszeit 2010 ab und er wird gemäß der Verfassung seines Staates nicht zum dritten Mal kandidieren können. Sanford galt als möglicher Präsidentschaftskandidat der Republikaner 2012. Mit diesen Ambitionen dürfte es jetzt vorbei sein.

Zuvor hatte das spurlose Verschwinden des Gouverneurs tagelang Rätsel aufgegeben. Am Wochenende hatten Medien in South Carolina berichtet, dass der Aufenthaltsort des Gouverneurs derzeit nicht bekannt sei. Sanfords Mitarbeiter, sein Stellvertreter und sogar seine Ehefrau gaben an, nichts über seinen Verbleib zu wissen. Am Dienstag dann teilte sein Büro mit, Sanford sei allein zum Wandern in die Appalachen gefahren.

Am Mittwoch indes zog Sanford diese Angaben zurück und räumte ein, sich heimlich in die argentinische Hauptstadt Buenos Aires verdrückt zu haben. Um sich vom politischen Stress zu erholen, wie er zunächst behauptete. "Ich wollte etwas Exotisches tun. Es ist eine großartige Stadt", sagte er einem Reporter seiner Heimatzeitung "The State", der ihn am Morgen bei der Rückkehr auf dem Flughafen von Atlanta im Bundesstaat Georgia erwischt hatte.

Sanfords Rückkehr löste einen ungeheuren Medienrummel aus. Der Gouverneur gab dann erst auf der rasch einberufenen Pressekonferenz zu, sich eine Woche lang bei seiner Freundin in Argentinien aufgehalten zu haben. "Die Wahrheit ist: Ich bin meiner Frau untreu geworden", sagte Sanford. Seine langjährige platonische Freundschaft zu einer Argentinierin habe sich "im Verlauf des vergangenen Jahres zu etwas mehr entwickelt", sagte er. Sanford entschuldigte sich bei seiner Frau, seinen Kindern und seinen Mitarbeitern. Seine Frau wisse schon seit mehreren Monaten von der Affäre.

Einem Bericht der "Washington Post" zufolge präsentierte sich Sanford während der Pressekonferenz deutlich verunsichert. Der in der Öffentlichkeit sonst extrem selbstbewusst auftretende Gouverneur habe sich während seiner Erklärungsversuche immer wieder verheddert.

Erst am vergangenen Mittwoch hatte der republikanische US-Senator John Ensign seinen einflussreichen Posten als Ausschussvorsitzender niedergelegt, weil er eine außereheliche Affäre hatte. Ensign, der ebenfalls als potentieller Präsidentschaftskandidat gehandelt wurde, behielt sein Senatsamt. Sanford und Ensign zählen zum konservativen Parteiflügel der Republikaner, sie profilierten sich politisch als Verfechter traditioneller Familienwerte.

wit/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.