Späte Reaktion auf Anschlagsversuch Obama räumt Fehler im Anti-Terror-Kampf ein

Nichts war von ihm zu hören, als auf US-Flughäfen Chaos herrschte. Jetzt hat sich Barack Obama klar zu dem vereitelten Anschlag auf eine Passagiermaschine geäußert: Er räumte "systemisches Versagen" der Sicherheitskräfte ein - und kündigte an, die Geheimdienstarbeit zu überprüfen.

Barack Obama: Das Versagen sei nicht akzeptabel
REUTERS

Barack Obama: Das Versagen sei nicht akzeptabel


Washington - Er sprach von Fehlern, von der eigenen Verantwortung und von "systemischem Versagen". Mit einem kurzen Statement, übertragen als Audiobotschaft von Hawaii aus, versuchte US-Präsident Barack Obama, wieder in die Offensive zu gehen - nachdem er lange zu dem vereitelten Anschlag auf den Delta-Northwest-Airlines-Flug 253 nach Detroit geschwiegen hatte. Was ihm heftige Kritik von den Republikanern und konservativen Medien in den USA einbrachte.

In seiner Ansprache räumte Obama jetzt Sicherheitsmängel ein. Der in letzter Minute vereitelte Anschlag auf die Passagiermaschine ist seiner Einschätzung nach nur durch ein "systemisches Versagen" ermöglicht worden. Wenn der Regierung Informationen über einen bekannten Extremisten vorlägen, sie aber nicht weitergegeben würden und die Behörden nicht entsprechend handelten, "so dass dieser Extremist mit gefährlichem Sprengstoff an Bord eines Flugzeugs gelangen kann", so Obama, dann sei das inakzeptabel. Beinahe habe dieses Versagen 300 Menschenleben gekostet. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Vor allem kritisierte Obama, wie mit Hinweisen und Informationen umgegangen worden ist: Die Warnungen des Vaters des festgenommenen Nigerianers Umar Farouk Abdulmutallab seien vor Wochen bei den Geheimdienststellen eingegangen, aber nicht weitergereicht worden. Obwohl er in den USA auf einer Liste mit Verdächtigen steht, konnte er ohne spezielle Kontrolle an Bord gelangen.

Obama kündigte für Donnerstag einen ersten Bericht dazu an, wie die Sicherheitsmaßnahmen überarbeitet werden können. Es müsse schnell gehandelt werden, um die Lücken im System für den Heimatschutz zu schließen, sagte der Präsident.

Der 23-jährige Abdulmutallab hatte am ersten Weihnachtsfeiertag versucht, die mit fast 300 Menschen besetzte Maschine auf dem Flug von Amsterdam nach Detroit kurz vor der Landung zu sprengen. Er wurde jedoch von beherzten Mitreisenden und Besatzungsmitgliedern an der Tat gehindert. Die Qaida im Jemen erklärte auf einer Internetseite, sie habe den Attentäter mit dem Sprengsatz ausgerüstet.

Planten Ex-Guantanamo-Insassen den Anschlag?

Obama widersprach mit seiner Ansprache Aussagen von US-Regierungsmitgliedern, das System habe funktioniert. Sowohl Heimatschutzministerin Janet Napolitano als auch Regierungssprecher Robert Gibbs hatten am Wochenende im Fernsehen gesagt, die Sicherheitsvorkehrungen hätten gegriffen. Heimatschutzministerin Napolitano musste mittlerweile einräumen, dass die Sicherheitssysteme an den Flughäfen wohl nicht ganz funktioniert hätten.

Zugleich mehren sich Hinweise, dass der Anschlag von langer Hand im Jemen unter Beteiligung ehemaliger Guantanamo-Häftlinge geplant wurde. Zwei von vermutlich vier Drahtziehern sollen Ex-Häftlinge aus dem US-Gefangenenlager auf Kuba sein, berichtet der TV-Sender ABC unter Berufung auf Regierungsbeamte und Dokumente des Pentagons.

Die aus Saudi-Arabien stammenden Ex-Guantanamo-Häftlinge Nummer 333, Muhamad Attik al-Harbi, und Nummer 372, Said Ali Shari, seien Anfang November 2007 in ihr Heimatland überstellt worden, berichtete ABC. Beide hätten später Führungsrollen im Terrornetz al-Qaida im Jemen übernommen.

In den USA verstärkt sich unterdessen der Widerstand gegen Obamas Pläne, das Gefangenenlager zu schließen. Die Einwände kommen aus beiden großen politischen Lagern, von Demokraten und Republikanern. Nach den Plänen Obamas sollen Dutzende Guantanamo-Häftlinge aus dem Jemen in ihre Heimat zurückgeschickt werden. Dies sei angesichts der jüngsten Entwicklungen unverantwortlich, argumentieren die Kritiker.

otr/Reuters/dpa/AP

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Sapientia, 27.12.2009
1. Dass die Amis beknackt sind,...
ist ja allgemein bekannt. Die Beknacktesten jedoch empfinden es bereits als Auszeichnung in Uniform die dicke Hose bei der Immigration und dergleichen zu geben. Die werden jetzt wieder eine Hochzeit erleben - insofern liegen Sie auch richtig.
archelys, 27.12.2009
2. es stinkt
Zitat von sysopNach dem gescheiterten Attentat auf Flug 253 stellen sich neue Fragen nach den Sichherheitsrichtlinien im Flugverkehr. Müssen strengere Kontrollen eingeführt werden?
Ich halte auch das für eine inszenierte Geschichte, damit "ahnungslose" Rundfunk-,Fernsehen- und Zeitungsredakteure ihren Hörern und Lesern etwas Neues über die "permanente Terrorgefahr" berichten können.
Andreas58 27.12.2009
3. Flüssigsprengstoff
Nach Abgabe aller Flüssigkeiten, kann man sich dann nach dem einchecken alle Flüssigkeiten der Welt über diverse Läden auf jedem Airport beschaffen. Seit dieser Maßnahme kann ich nur noch über das Gelaber feixen. Es ist alles nur ein Fake, ich glaube "denen" kein Wort, weder Vogelgrippe, Afghanistan oder Umweltmärchen.
maan, 27.12.2009
4. Die spinnen, die Amis ...
Zitat von sysopNach dem gescheiterten Attentat auf Flug 253 stellen sich neue Fragen nach den Sichherheitsrichtlinien im Flugverkehr. Müssen strengere Kontrollen eingeführt werden?
Manchmal scheint es, als hielten die Amis den Rest der Welt für ziemlich bekloppt. Tatsächlich frage ich mich, ob nicht zumindest die amerikanische Administration (nicht jeder Ami!) reichlich autistisch und geistig beschränkt agiert. Wem immer, wann immer, das möglich ist, sollte die USA weiträumig umfliegen. Leider kenne ich nicht den Stellenwert des Tourismus in den USA. Wäre ja zumindest ein deutliches Signal, wenn der spürbar zurückginge! Geschäftliche und wissenschaftliche Kontakte lassen sich sicher auch ohne Treffen in den USA pflegen.
Querkopf_9 27.12.2009
5. Während des Anfluges?
Wird den überhaupt nicht mehr vernünftig recherchiert oder wird einfach alles von der schreibenden Zunft übernommen was ihnen vorgesetzt wird? Ich vermisse das "Hinterfragen"! Wieso in aller Welt hat er die Maschine nicht hoch über den Wolken zur Explosion gebracht? Wieso beim Landeanflug? Macht keinen Sinn! Wenn man mal bedenkt welch Meisterstück die Quaida am 11.9 vollbracht hat und was dannach an Dillentatismus geboten wurde komme ich echt ins Grübeln? Spiegel Redakteure scheinbar nicht!
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