Spanien Katalanen stimmen symbolisch für Unabhängigkeit

Sie wollen unabhängig von Spanien sein: Bei einer symbolischen Volksabstimmung in Katalonien stimmten fast 95 Prozent für die Abspaltung. Die Beteiligung war zwar geringer als erwartet, zeigt aber das Selbstbewusstsein der Region.

AFP

Barcelona - Mit Leidenschaft verteidigt der Präsident des Fußballclubs FC Barcelona, Joan Laporta, seine Meinung. "Ihr Spanier zermalmt Katalonien", soll er im September gebrüllt haben - und untermauerte einmal mehr seine Forderung nach einem unabhängigen Katalonien. Kurz zuvor hatte er mit 15.000 Menschen für die Abspaltung demonstriert.

Laporta ist der bekannteste Unterstützer des Separatismus in der nordspanischen Region. Er strebt nach seiner Amtszeit als Clubpräsident offenbar einen politischen Posten an. Die Rufe nach Unabhängigkeit treffen aber auch einen Nerv in Katalonien. Bei einer symbolischen Volksabstimmung über die Loslösung von Spanien stimmten am Sonntag fast 94,7 Prozent dafür. 3,5 Prozent sprachen sich dagegen aus.

Allerdings blieb die Beteiligung weit hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. Nach den am Montag veröffentlichten Ergebnissen gaben nur 27,2 Prozent der 700.000 Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Die Veranstalter hatten nach inoffiziellen Angaben auf eine Beteiligung von 40 Prozent gehofft. Sie bezeichneten die Abstimmung dennoch als einen "heroischen Erfolg" und kündigten an, über ein Volksbegehren im kommenden Jahr die Abhaltung eines Unabhängigkeitsreferendums in ganz Katalonien durchsetzen zu wollen.

Das Ergebnis der Abstimmung vom Sonntag hat rechtlich keinerlei bindende Wirkung, da nach der spanischen Verfassung allein der Zentralstaat Referenden abhalten darf. Die Madrider Regierung erkennt den Ausgang nicht an. Vizeregierungschef Manuel Chaves bezeichnete das Votum als einen "politischen Propagandaakt". "Solche Abstimmungen bringen nichts ein", meinte Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero.

Von Franco brutal unterdrückt

In insgesamt 166 Städten und Gemeinden waren die Bewohner zur Stimmabgabe aufgerufen, Jugendliche über 16 Jahre und Ausländer eingeschlossen. Sie sollten die Frage beantworten, ob sie dafür oder dagegen sind, dass Katalonien einen unabhängigen Staat bildet und ein eigenständiges Mitglied der Europäischen Union wird. Die Abstimmung war von privaten Initiativen organisiert worden. Die Rathausverwaltungen durften sich nicht daran beteiligen.

Bereits im September hatte die 8000-Einwohner-Gemeinde Arenys de Munt nördlich von Barcelona mit 96 Prozent für eine Loslösung von Spanien gestimmt. Schon damals fürchtete die spanische Regierung, dass die Aktion angesichts der separatistischen Tendenzen in der Region zu einem Präzedenzfall werden könnte.

Die Katalanen pochen seit Jahren verstärkt auf ihre Unabhängigkeit, legen Wert auf ihre eigene Sprache und Kultur. Flächenmäßig ist Katalonien etwa so groß wie Belgien und hat mit 7,4 Millionen Menschen mehr Einwohner als Dänemark oder Finnland. Während der Franco-Diktatur, die von 1939 bis 1975 dauerte, waren katalanische Sprache und Traditionen brutal unterdrückt worden.

Der Traum von einer katalanischen Nationalelf

Der öffentliche Fernsehsender sendet heute nur auf Katalanisch. Außer in Katalonien selbst wird die Sprache auch in der Region Valencia, auf den Balearen und im Pyrenäen-Kleinstaat Andorra gesprochen.

Einige träumen sogar von einer eigenen Fußball-Nationalmannschaft. Einen Trainer haben sie schon: Im November unterzeichnete der populäre Niederländer Johan Cruyff einen Vertrag als Coach der Auswahl. An offiziellen Wettbewerben darf die Elf aber nicht teilnehmen.

Auf der Grundlage eines im Jahr 2006 verabschiedeten Autonomie-Statuts versteht sich die Region als eigene Nation. Das Statut muss demnächst allerdings vom spanischen Verfassungsgericht in Madrid überprüft werden. Sollte es für unzulässig erklärt werden, befürchtet der katalanische Parlamentspräsident, dass die Entscheidung eine tiefe Staatskrise auslösen könnte.

kgp/dpa



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