Parlamentswahl Spanier stimmen über ihre künftige Führung ab

Die Spanier sind am Sonntag zur Wahl eines neuen Parlaments aufgerufen. Der Ausgang der Abstimmung ist völlig ungewiss. Erstmals seit mehr als 30 Jahren könnte das traditionelle Zwei-Parteien-System aufgesprengt werden.

Ministerpräsident Mariano Rajoy: Die konservative Volkspartei (PP) muss mit starken Stimmverlusten rechnen
AP/dpa

Ministerpräsident Mariano Rajoy: Die konservative Volkspartei (PP) muss mit starken Stimmverlusten rechnen


In Spanien hat eine mit Spannung erwartete Parlamentswahl begonnen. Die konservative Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy muss nach Umfragen erhebliche Stimmverluste befürchten, könnte aber die stärkste Kraft im Parlament bleiben.

Allerdings gilt es als ausgeschlossen, dass die Konservativen wie bei der vorigen Wahl im November 2011 erneut die absolute Mehrheit erringen können. Auch der Opposition der Sozialisten (PSOE) drohen Stimmverluste. Dagegen können zwei junge Parteien darauf hoffen, mit starken Fraktionen ins neue Parlament einzuziehen. Die neue Linkspartei Podemos (Wir können) und die liberalen Ciudadanos (Bürger) könnten Spaniens Politik aufmischen.

Zur Stimmabgabe aufgerufen sind 36,5 Millionen Wahlberechtigte. Die Wahllokale öffneten um 9 Uhr. Erste Prognosen werden nach Schließung der Wahllokale um 20 Uhr erwartet. Das vorläufige amtliche Ergebnisse soll gegen Mitternacht folgen.

Nach der Parlamentswahl in Spanien wird mit schwierigen Verhandlungen über künftige Regierungsbündnisse oder Koalitionen gerechnet. Im Wahlkampf machte keine der größeren Parteien Aussagen darüber, mit wem sie eine Allianz eingehen würde. Manche Pressekommentatoren plädierten für eine große Koalition nach deutschem Vorbild zwischen der konservativen Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy und den Sozialisten (PSOE). Ein solches Bündnis gilt jedoch als ziemlich unwahrscheinlich - zumal nach der ungewöhnlich harten TV-Debatte zwischen Rajoy und dem PSOE-Parteichef Pedro Sánchez.

Wirtschaftskreise favorisieren eine Mitte-rechts-Koalition der PP mit den liberalen Ciudadanos. Deren Parteichef Albert Rivera legte sich allerdings fest, dass die Ciudadanos Rajoy nicht erneut zum Regierungschef wählen werden. Die Liberalen wollen auch keine Koalition mit der PSOE eingehen. Deshalb gilt auch ein Dreierbündnis der PSOE, der Ciudadanos und der neuen Linkspartei Podemos als nicht sehr wahrscheinlich. Eine Linkskoalition von PSOE und Podemos dürfte es nach den Umfragen schwer haben, eine ausreichende Mehrheit für eine Regierungsbildung zustande zu bekommen.

Am Samstag wurden die Vorsichtsmaßnahmen in Spanien noch einmal stark erhöht. Knapp 92.000 Sicherheitskräfte sollen nach Angaben des Innenministeriums einen ruhigen Verlauf der Wahl gewährleisten. Seit dem Sommer gilt in dem Land die zweithöchste Terrorwarnstufe.

asc/dpa/afp

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
ausmisten 20.12.2015
1. Heute abend
wird fuer manchen "Weiter so" Traeumer in Spanien eine neue Zeit anbrechen. Wo man auch hinhoert, PP und PSOE werden mit Attributen belegt, die ich hier nicht wiedergeben kann. Eine Mehrheit fuer podemos/ciudadanos wuerde mich nicht ueberraschen.
Banause_1971 20.12.2015
2. Von einer Aufspaltung
des 2-Parteiensystems träume ich auch in Deutschland. Das würde den Staub aus dem Familienfilz klopfen. Aber Unser 2-Parteien-System weiß natürlich, wie man die Macht erhält: Parteien verbieten, Finanzgrundlage entziehen,.... In Deutschland ist es also ausgeschlossen, dass jemals andere Parteien mitmischen. Gepriesen sei die Demokratie.
2469 20.12.2015
3. Schonmal meinen Respekt
für die Spanier. Anders als in anderen Ländern scheinen sie ein wenig aus ihrer Geschichte gelernt zu haben und wählen keine rechtsextremen Parteien. Das ist das wichtigste. Ansonsten hoffe ich, dass Podemos viele Stimmen bekommt, damit Schäuble und Freunden mal klar wird, was sie im Süden angerichtet haben.
MatthiasSchweiz 20.12.2015
4.
Erstaunlich dass in der deutschen Presse fast gar nie über all die repressiven Gesetze der alten Regierung berichtet worden ist, die viele Bürgerrechte mit hohen Strafen einfach so total eingeschränkt haben. Und die beiden grossen Parteien in Spanien nehmen sich auch nicht viel, etwa wie in Deutschland mittlerweile, haben beide genug Unheil angerichtet in der Zeit, als sie jeweils an der Macht gewesen sind.
flipbauer 20.12.2015
5. und
ich wünsche Capi alles Gute
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