Massendemonstration in Madrid: Dutzende Verletzte bei Protesten gegen Sparkurs

Demonstranten warfen Steine, die Polizei antwortete mit Gummigeschossen: In Madrid eskalierten die Proteste gegen den Sparkurs der spanischen Regierung. Mehr als 60 Menschen wurden verletzt. Auch in Griechenland demonstrieren die Bürger am Mittwoch gegen das Spardiktat. Die Gewerkschaften rufen zum Generalstreik.

Madrid - Bei teils gewalttätigen Protesten gegen die Sparpolitik der spanischen Regierung sind am Dienstagabend in Madrid mehr als 60 Menschen verletzt worden. Tausende Anhänger der Bewegung der "Empörten" versammelten sich vor dem Parlament in der spanischen Hauptstadt. Als einige Teilnehmer zum Gebäude vordringen wollten, versuchten Polizisten, die Menge mit Schlagstöcken zurückzudrängen.

Viele Protestierende warfen Steine auf Polizisten, die ihrerseits Gummigeschosse gegen die Demonstranten einsetzten. Unter den mehr als 60 Verletzten seien 27 Polizisten, teilten Rettungskräfte mit. Nach Polizeiangaben wurden 26 Menschen festgenommen. Medienberichten zufolge waren 1300 Polizisten im Einsatz.

Die Demonstranten forderten die Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy zum Rücktritt auf und skandierten "Weniger Polizei - mehr Bildung". Viele streckten die Hände in die Luft und riefen immer wieder "Hände hoch, das ist ein Überfall" - in Anspielung darauf, dass die Ärmeren des Landes für die Krise bezahlen müssten. "Sie haben uns unserer Demokratie beraubt", sagte die Demonstrantin Soledad Nunes aus dem Nordwesten Spaniens. Die 53-jährige Ladeninhaberin beklagte vor allem die Einschnitte in den Bereichen Gesundheit und Bildung.

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Proteste gegen Sparkurs: Gummigeschosse gegen Demonstranten
In der Nacht zum Mittwoch beruhigte sich die Lage in Madrid. Mehrere hundert Menschen harrten friedlich auf einem Platz in der Nähe des Parlaments aus, bis die Polizei die Versammlung gegen 1.00 Uhr früh auflöste. Die Teilnehmer des Protests hatten sich wie schon in der Vergangenheit über das Internet organisiert. Hinter der Bewegung der "Empörten" stehen mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen und Bündnisse. Sie machen die Korruption und die Unfähigkeit des politischen Systems für die Krise in Spanien verantwortlich.

Die Krise hatte 2008 mit dem Platzen der Immobilienblase ihren Anfang genommen und den spanischen Bankensektor in den Abgrund gestürzt. Nach einem lange herausgezögerten Antrag an den Euro-Rettungsfonds hatten die Euro-Länder im Juni ein Hilfsprogramm für Spaniens Banken in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro beschlossen. Gegen direkte Unterstützung für seinen Staatshaushalt sträubt sich Madrid jedoch, weil es dafür Spar- und Reformanstrengungen nach den Vorgaben seiner internationalen Geldgeber erbringen müsste.

Streik in Griechenland

In Griechenland riefen die Gewerkschaften für Mittwoch zum größten Streik seit fünf Monaten auf. Vor allem im staatlichen Bereich soll nichts mehr gehen. Auch der Fähr-, Flug- und Zugverkehr werden massiv betroffen sein. Banken und Postfilialen bleiben ebenso geschlossen wie etliche Touristenattraktionen. Ab 9.00 Uhr wollen auch die Fluglotsen für drei Stunden streiken. Flugpassagiere müssen sich deshalb auf erhebliche Verzögerungen einstellen.

Vom Athener Haupthafen Piräus wird keine Fähre zu den Inseln auslaufen. Bei den Bussen in Athen soll es zwei dreistündige Arbeitsniederlegungen geben. Die Athener Vorstadtbahn soll ganztags bestreikt werden. Ärzte werden nur Notfälle behandeln. Ministerien und staatliche Unternehmen sowie Schulen sollen für 24 Stunden bestreikt werden. Um die Mittagszeit sind in Athen und anderen Städten des Landes Demonstrationen geplant.

Eine Einigung auf das neue, gut 11,5 Milliarden Euro schwere Sparpaket für Griechenland steht weiter aus. Die genauen Details sind zwar noch nicht bekannt, die Gewerkschaften aber rechnen mit weiteren Kürzungen von Löhnen und Renten zwischen sechs und 20 Prozent. Nur wenn Athen die weiteren Sparauflagen erfüllt, die von der Geldgeber-Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) geprüft werden, kann die Regierung mit einer weiteren Finanztranche von 31,5 Milliarden Euro rechnen. Andernfalls steht Griechenland vor dem Staatsbankrott.

Nach Informationen des SPIEGEL klafft eine weitaus größere Lücke im griechischen Haushalt als bisher bekannt. Die Geldgeber-Troika rechnet mit zusätzlich fehlenden 20 Milliarden Euro.

ler/AFP/dpa

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insgesamt 88 Beiträge
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1.
Matthias Künzer 26.09.2012
Es muß natürlich heißen: "Dutzende Verletzte bei Protesten gegen Spartakus"
2. Spar-Kurs ist wohl gemeint...
Bocuse 26.09.2012
Siehe Überschrift
3.
alcowe 26.09.2012
Das Zinssystem frisst endgültig seine Kinder. Die Märkte werden von Geld überschwemmt aber in der Bevölkerung kommt nichts davon an. Alle reden übers Sparen aber Geld entsteht durch Schulden. Wird Zeit für nen globalen Reset auch wenn damit alte Machtstrukturen zerbröseln. Außerdem wäre es wohl mal ganz Empfehlenswert ein System zu schaffen das für den Menschen existiert und nicht umgekehrt. Aber das ist den meissten wohl zuviel, vorallem den Naivlingen die denken irgendjemand hätte über seine Verhältnisse gelebt. Wacht endlich auf! Es erwischt hier nacheinander alle Länder der Welt und ich bezweifel mal stark das wir alle über unsere Verhältnisse leben.
4.
bleifuß 26.09.2012
Zitat von sysopDemonstranten warfen Steine, die Polizei antwortete mit Gummigeschossen: In Madrid eskalierten die Proteste gegen den Sparkurs de
Mir ist es schon immer unverständlich gewesen, wie ein spanischer Polizist, einem spanischen Demonstranten mit dem Schlagstock eins überziehen kann. Jeder normale Mensch müßte doch merken, dass das was die Politik in der aktuellen Lage beschließt, immer gegen das Volk ist. Vor allem gegen das Volk, was zu den unteren 90 % gehört. Wo auch die Polizei letztendlich zu gehört. Hier bahnt sich der nächste Donner an. Ich bin mal gespannt. Katalonien stimmt über Unabhängigkeit von Spanien ab | Telepolis (http://www.heise.de/tp/blogs/8/152855)
5. Wer ist denn in der Überschrift gemeint?
Alfons Emsig 26.09.2012
Sparkus? Spartakus? Das Foto suggeriert etwas in dieser Richtung ...
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