Madrid - Angela Merkel verliert in Spanien zunehmend an Ansehen. Am Sonntag machten Demonstranten ihrem Unmut gegen die Kanzlerin auch auf Transparenten Luft. Mit Demonstrationen und Kundgebungen im ganzen Land haben die spanischen Gewerkschaften am Wochenende den "heißen Herbst" gegen das Sparprogramm von Ministerpräsident Mariano Rajoy eingeläutet, für das Viele die deutsche Politik mit zur Verantwortung ziehen.
Am Sonntag protestierten Tausende Menschen in 57 Städten gegen Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen. In Madrid hatten rund 150 Organisationen zu einem Protestmarsch aufgerufen. Auf einem Banner war zu lesen: "Sie wollen das Land ruinieren. Wir müssen sie stoppen." Und auf einem anderen: "Weder Merkel, noch Rajoy: Keine Kürzungen!"
Die Europapolitik der Bundesregierung gilt vielen Spaniern als "egoistisch". Merkel verteidige stets die deutschen Interessen, erklärt der Vizepräsident des Umfrageinstituts Metroscopia, José Pablo Ferrándiz. Dennoch werde Deutschland von den Spaniern nach den USA am meisten geschätzt. Ein Grunde dafür sei, dass viele Spanier die früheren deutschen Hilfen noch in bester Erinnerung hätten. Auf der Beliebtheitsskala ausländischer Politiker in Spanien wird die Popularität der deutschen Regierungschefin laut einer aktuellen Umfrage mit 4,1 Punkten bewertet, eineinhalb Punkten weniger als vor einem Jahr. US-Präsident Barack Obama ist mit sechs Punkten der in Spanien angesehenste ausländische Politiker.
Spanien steckt derzeit in der zweiten Rezession innerhalb von drei Jahren und kämpft mit einer Arbeitslosenquote von fast 25 Prozent. Seit ihrem Amtsantritt vor mehr als neun Monaten hat die konservative Regierung von Ministerpräsident Rajoy den Bürgern des Landes harte Sparmaßnahmen auferlegt. Immer wieder kam es seither zu Krawallen. Ende September waren die Proteste eskaliert, mehr als 60 Menschen wurden verletzt.
Die Gewerkschaften drohen derweil mit einem Generalstreik. "Jedes Land muss etwas tun. Hier in Spanien ist es am wahrscheinlichsten, dass diese Aktion ein Generalstreik sein wird", zitierte die Zeitung "El Mundo" den Vorsitzenden der Gewerkschaft UGT, Cándido Méndez. Ein mögliches Datum für die Arbeitsniederlegung sei der 14. November hieß es aus Gewerkschaftskreisen. Manuel González Molina von der Gewerkschaft CSIF sagte: "Wer ist schon gegen die Verteidigung der öffentlichen Hand, der Bildung, der Gesundheit, der Arbeitslosenversicherung, der Renten? Wir planen den Streik als Verteidigungsstrategie für alle."
bos/dpa/dapd
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