Spanischer König: Juan Carlos sympathisierte mit Rechtsputschisten

Vor 31 Jahren versuchte das Militär in Spanien, die Demokratie abzuschaffen. Der spanische König Juan Carlos I. hegte offenbar Sympathien für die Putschisten. Das geht nach Informationen des SPIEGEL aus einem damaligen Bericht des deutschen Botschafters hervor.

Juan Carlos I.: Den Putschversuch "möglichst bald vergessen". Zur Großansicht
AFP

Juan Carlos I.: Den Putschversuch "möglichst bald vergessen".

Hamburg - "23-F" bezeichnen Spanier jenen 23. Februar 1981, als das Militär des Landes versucht hatte, die Macht zu übernehmen. Der Putsch misslang. Der spanische König Juan Carlos I. jedoch äußerte sich damals verständnisvoll und mit ungewöhnlichem Wohlwollen über Franco-treue Militärs, die seinerzeit die junge Demokratie abschaffen wollten. Das geht nach SPIEGEL-Informationen aus einem bislang unbekannten Bericht hervor, den der deutsche Botschafter in Madrid, Lothar Lahn, verfasst hat.

Dieser schrieb nach einem Treffen mit dem König wenige Wochen nach dem Putsch, der Monarch "ließ weder Abscheu noch Empörung gegenüber den Akteuren erkennen, sondern zeigte vielmehr Verständnis, wenn nicht gar Sympathie".

Laut Lahn erklärte Juan Carlos, dass "die Aufrührer lediglich nur das gewollt hätten, was wir alle erstrebten, nämlich Wiederherstellung von Disziplin, Ordnung, Sicherheit und Ruhe". Er wolle auf Regierung und Militärgerichte einwirken, damit den Putschisten "nicht allzu viel geschehe, die ja doch nur das Beste gewollt hätten". Den Putschversuch solle man "möglichst bald wieder vergessen".

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Unglaubwürdig
majik 05.02.2012
Zitat von sysopVor 31 Jahren versuchte das Militär in Spanien, die Demokratie abzuschaffen. Der spanische König Juan Carlos I. hegte offenbar Sympathien für die Putschisten. Das geht nach Informationen des SPIEGEL aus einem damaligen Bericht des deutschen Botschafters hervor. Spanischer König: Juan Carlos sympathisierte mit Rechtsputschisten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,813464,00.html)
Wie allgemein bekannt ist, hat der König sein Leben eingesetzt, um dem Putsch den Boden zu entziehen: Er verweigerte damals die Einsetzung von Tejero mit den Worten "Ihr müsst mich schon erschießen". Niemand konnte voraussagen, wie die Putschisten darauf reagieren würden. Sollte der König sich danach nebulös oder gar "verständnisvoll" geäußert haben, dürfte das mit politischem Kalkül zusammenhängen, aber wohl kaum mit politischer Nähe zu den Faschisten. Immerhin war es der König selbst, der Kraft seines Amtes die Demokratisierung Spaniens durchgesetzt hat. Dieses politische Verdienst sollte man ihm jetzt, gegen Ende seiner Laufbahn, nicht mit solchen Unterstellungen madig machen. Das ist nichts anderes als schäbig.
2. Kontext?
el-gato-lopez 05.02.2012
Zitat von sysopVor 31 Jahren versuchte das Militär in Spanien, die Demokratie abzuschaffen. Der spanische König Juan Carlos I. hegte offenbar Sympathien für die Putschisten. Das geht nach Informationen des SPIEGEL aus einem damaligen Bericht des deutschen Botschafters hervor. Spanischer König: Juan Carlos sympathisierte mit Rechtsputschisten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,813464,00.html)
Naja, spätestens dank WikiLeaks wissen wir, wieviel man auf die "Einschätzungen" und "Lagebeurteilungen" der lieben Diplomatenzunft geben kann...so gut wie nichts...da kann man auch irgendwelchen Börsengurus und ihrem Geschwafel glauben schenken. Der König hätte am 23. Februar still in seinem Palast sitzen bleiben und die Generäle machen lassen, er hat es nicht getan - komisch für jemanden, der angeblich die Sache stillschweigend Abnickte? Dass er sich gegen eine harte Aburteilung der Putschisten aussprach, hat wohl mehr mit Pragramtismus zutun, Spanien befand sich in der grössten Wirtschaftskrise seit dem Bürgerkrieg, die Mehrheit der Bevölkerung war vom Wandel ernüchtert, rechts und links-Terroristen plus Separatisten verübten Anschläge etc. - man wollte die Sache einfach nicht noch mehr politisch aufladen.
3. Genau so ...
Gerdd 05.02.2012
Zitat von majikWie allgemein bekannt ist, hat der König sein Leben eingesetzt, um dem Putsch den Boden zu entziehen: Er verweigerte damals die Einsetzung von Tejero mit den Worten "Ihr müsst mich schon erschießen". Niemand konnte voraussagen, wie die Putschisten darauf reagieren würden. Sollte der König sich danach nebulös oder gar "verständnisvoll" geäußert haben, dürfte das mit politischem Kalkül zusammenhängen, aber wohl kaum mit politischer Nähe zu den Faschisten. Immerhin war es der König selbst, der Kraft seines Amtes die Demokratisierung Spaniens durchgesetzt hat. Dieses politische Verdienst sollte man ihm jetzt, gegen Ende seiner Laufbahn, nicht mit solchen Unterstellungen madig machen. Das ist nichts anderes als schäbig.
Genau so habe ich es auch in Erinnerung. Und ich habe Muehe, mir vorzustellen, aus welcher Ecke jetzt jemand hervorgekrochen kommen koennte, um praktisch das Gegenteil zu behaupten.
4. Dito!
widower+2 05.02.2012
Zitat von el-gato-lopezDer König hätte am 23. Februar still in seinem Palast sitzen bleiben und die Generäle machen lassen, er hat es nicht getan - komisch für jemanden, der angeblich die Sache stillschweigend Abnickte?
Eigentlich waren sich damals so ziemlich alle nationalen und internationalen Beobachter einig, dass einem Erfolg der Putschisten nur noch der König im Weg stand, der sich für den Erhalt der Demokratie aussprach und diese somit rettete. Warum ein Stimmungsbericht eines deutschen Diplomaten, der mehr als 30 Jahre später veröffentlicht wird, daran etwas ändern sollte, ist mir unverständlich!
5. Schon wieder ein Skandal!
midrange 05.02.2012
Vermutlich wussten die meisten Redakteure bei SPON nichtmal, dass es diesen Putsch gegeben hat, aber jetzt einen Skandal aufzudecken ist schon eine reife Leistung. Dass dieser komische katholische ( das macht ihn schonmal grundsätzlich verdächtig ) König selber den Putsch beendet hat, zählt anscheinend nicht. Was hätte ertun sollen? Die Putschisten teeren, federn und vierteilen und damit einen neuen Bürgerkrieg riskieren? Egal, Hauptsache die reine Leere nach 31 Jahren hochhalten und empört spielen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Juan Carlos I.
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 26 Kommentare
  • Zur Startseite