Erneute Suche um Anlegeplatz Spanisches Rettungsschiff nimmt 59 Flüchtlinge an Bord

Die Suche um den sicheren Hafen geht in die nächste Runde: Ein spanisches Rettungsschiff hat Dutzende Flüchtlinge aus Mittelmeer gerettet. Italien erteilte den Helfern umgehend eine Absage.

Rettungsschiff Proactiva Open Arms
AP

Rettungsschiff Proactiva Open Arms


Eine spanische Hilfsorganisation hat rund 60 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet. Die Organisation Proactiva Open Arms teilte mit, ihr Schiff habe 59 Migranten an Bord genommen, die in Libyen in See gestochen waren. Das Schiff wolle einen "sicheren Hafen" ansteuern, es sei aber noch unklar, wo es anlegen könne.

Erneuter Streit um Anlegehafen

Italiens Innenminister Matteo Salvini erteilte den Flüchtlingshelfern umgehend eine Absage. Das Schiff habe die Migranten innerhalb der libyschen Sicherheitszone aufgegriffen, erklärte er auf Facebook. "Der nächstgelegene Hafen ist Malta, die Organisation und die Flagge des Schiffes sind spanisch", schrieb der Politiker der fremdenfeindlichen Partei Lega. "Sie können es vergessen, in einen italienischen Hafen einzulaufen."

Maltas Innenminister Michael Farruggia widersprach: Die Flüchtlinge seien in einem Gebiet zwischen Libyen und der italienischen Insel Lampedusa aufgegriffen worden, erklärte er auf Twitter. "Hören Sie auf, falsche Informationen zu verbreiten und ohne Grund Malta zu nennen", schrieb er an Salvini gerichtet.

Salvini: Häfen werden "den ganzen Sommer" für Helfer geschlossen bleiben

Salvini wirft den im Mittelmeer kreuzenden Schiffen von Hilfsorganisationen vor, Schlepper dabei zu unterstützen, Flüchtlinge nach Europa zu bringen. Am Freitag hatte er gesagt, die italienischen Häfen würden "den ganzen Sommer über" für Hilfsorganisationen geschlossen bleiben. Italiens neue Regierung hatte bereits in den vergangenen Wochen Hilfsschiffe mit Flüchtlingen abgewiesen. Das tagelang im Mittelmeer wartende Schiff "Lifeline" mit mehr als 230 Flüchtlingen an Bord hatte diese Woche letztlich in Malta angelegt.

Proactiva Open Arms erklärte, die Organisation werde trotz der zahlreichen "Hürden" daran festhalten, "das Leben unsichtbarer Menschen zu retten". "Ihre Berichte über das, was sie in Libyen erlebt haben, sind erschreckend", erklärte die Organisation. Hilfsorganisationen zufolge werden Flüchtlinge in Libyen unter unmenschlichen Bedingungen in Lagern untergebracht und sind häufig Opfer von Gewalt, Vergewaltigungen und Sklaverei.

Die EU-Staaten haben sich bei ihrem Gipfel am Donnerstag und Freitag auf eine verstärkte Abwehr von Flüchtlingen an den Außengrenzen geeinigt. Sie wollen zudem Migranten in Aufnahmezentren außerhalb der EU unterbringen.

ans/AFP/dpa



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